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Gesunde Pflanzenstoffe: Polyphenole

Einfluss von Polyphenolen auf Inflammation und Anfälligkeit für Infekte der oberen Atemwege bei Ausdauerathleten

Es ist bekannt, dass der Verzehr von frischem Obst und Gemüse zu einer Reduktion des Risikos für die Entstehung von Herzkreislauf-sowie malignen Erkrankungen führen kann. Diese präventiven Effekte werden v.a. Polyphenolen zugeschrieben, die starke anti-oxidative, anti-entzündliche und anti-pathogene Eigenschaften besitzen und dadurch eine Modulation von verschiedensten Mechanismen des Zellzyklus (wie z.B. Zellproliferation/-differenzierung und Apoptose) bewirken.

Dabei beeinflussen sie verschiedene Signaltransduktionswege und Stoffwechselvorgänge innerhalb der Zelle. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften erscheinen polyphenolreiche Nahrungsmittel sowie Supplemente ein erfolgversprechender Ansatz, um inflammationsassoziierten Erkrankungen wie z.B. der Atherosklerose, der koronaren Herzerkrankung, Malignomen oder auch Diabetes mellitus vorzubeugen. Auch alkoholische Getränke enthalten neben dem Alkohol eine Vielzahl an pflanzlichen, non-alkoholischen Bestandteilen, die potenziell günstige Auswirkungen auf die Gesundheit haben. So kommen sowohl im Wein (und hierbei v.a. Rotwein) als auch im Bier über 50 verschiedene Polyphenole vor, im Letztgenannten stammen diese vor allem aus den Grundstoffen Gerste und Hopfen. Der Polyphenolgehalt beträgt hierbei je nach Biersorte zwischen 366 und 875 mg Polyphenole pro Liter (Rotwein im Vergleich maximal 4000 mg/L). Die wichtigste Polyphenolgruppe scheinen hierbei die Flavonoide zu sein, die sich nochmals in mehrere Subgruppen wie z.B. Chalkone, Flavanole, Tannine und Anthocyanidine untergliedern lassen.

Studien

Eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln und Supplementen wurden auf ihre positiven Auswirkungen bei entzündlichen Prozessen, oxidativem Stress sowie Infektanfälligkeit bei Sportlern untersucht. Bei den meisten Studien waren jedoch keine signifikanten Effekte nachzuweisen. Die Ergebnisse von großen randomisierten und doppel-verblindeten Studien mit hohen Dosen von einzelnen Flavonoiden (wie z.B. Quercetin) bei Athleten zeigten enttäuschende Resultate. Wurden hingegen Mischungen aus verschiedenen Polyphenolen verwendet, konnten positive Effekte im Hinblick auf anti-oxidative und anti-inflammatorische Kapazität gezeigt werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei Einnahme von mehreren Polyphenolen gleichzeitig deren Bioverfügbarkeit (z.B. durch verbesserte intestinale Aufnahme oder verlangsamte hepatogene Metabolisierung) deutlich steigt. Auf Grundlage dieser bereits vorhandenen Erkenntnisse untersuchten wir in einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie an 277 männlichen Läufern die Auswirkungen der Einnahme von Polyphenolen aus alkoholfreiem Weißbier (Erdinger Alkoholfrei vs. ein inhaltsstoffgleiches Getränk, nur ohne Polyphenole) in Bezug auf kardiovaskuläre Parameter, Entzündungsmarker sowie Anfälligkeit für Infekte der oberen Atemwege nach einem Marathonrennen. Aufgrund der Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte nach anstrengender körperlicher Aktivität, dem so genannten „open window“, kann erwartet werden, dass die Infektanfälligkeit nach einem Marathonrennen erhöht ist. In unserer Studie konnten wir zeigen, dass durch die Aufnahme von ca. 400 mg Polyphenolen pro Tag (entsprechend 1 – 1,5 Liter Testgetränk pro Tag) für 3 Wochen vor bis 2 Wochen nach dem Rennen folgende positive Effekte nachzuweisen sind: Die Entzündungsparameter (IL-6, Leukozyten und CRP) waren in der Interventionsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe teilweise um bis zu 20 % reduziert. Ebenfalls signifikant erniedrigt war die Anfälligkeit für Infekte der oberen Atemwege in den 2 Wochen nach dem Marathonrennen (Odds Ratio: 3,3; Anzahl der notwendigen Behandlungen [NNT]: 8). Somit scheint eine Mischung aus verschiedenen Polyphenolen positive Effekte sowohl auf die Inflammation als auch auf die Infektanfälligkeit zu haben. Ob sich diese positiven Effekte auch für das Herzkreislaufsystem nachweisen lassen, soll durch weitere Analysen untersucht werden.

Fazit

In Zusammenschau der Ergebnisse scheint also für eine Supplementation mit Polyphenolen vor allem eine ausreichend lange Loading-Phase sowie die Aufnahme einer Polyphenolmischung, wie sie in natürlichen pflanzlichen Rohstoffen und ihren Endprodukten (wie z.B. Bier) vorkommt, von entscheidender Bedeutung zu sein. Somit lässt sich schlussfolgern, dass eine ausgewogene Ernährung, welche die entsprechende Menge an Polyphenolen jedwelchen pflanzlichen Ursprungs enthält, essenziell für die optimale Leistungsfähigkeit eines Sportlers ist.

Ausgabe MSN 1 / 2012

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2012.
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