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Core stability

Core stability

Vermeidung von Sportverletzungen

Einzelfalldaten in der wissenschaftlichen Literatur und der Publikumspresse sprechen dafür, dass eine verbesserte Core-Stabilität Verletzungen und Leiden der unteren Extremitäten sowie des Lendenbereichs und der oberen Extremitäten vorbeugt. Es wurden jedoch noch keine strengen wissenschaftlichen Studien durchgeführt, um evidenzbasierte Kriterien für die Aufnahme oder den Ausschluss von Core-Stabilitätsübungen festzusetzen.

Was ist „Core“?

„Core“ ist ein vager Begriff, der jedoch häufig verwendet wird, um einen bestimmten Teil des Körpers zu beschreiben, der sich etwa von der Mitte des Oberschenkels bis zur Mitte der Brust erstreckt – einschließlich der Gelenke der unteren Brust-und Lendenwirbelsäule und der Hüftgelenke sowie der Muskeln, die Bewegungen über diese Gelenke bewirken. Einige Forscher haben sich wegen ihrer Funktion für die Beckenstabilisierung auf die Muskeln konzentriert, die die
Hüfte kreuzen. Diese Muskeln sind auch primäre Beweger der unteren Extremitäten. Andere Forscher haben sich wegen ihrer Funktion in der Ätiologie von Schmerzen im unteren Rückenbereich auf die Rumpfmuskulatur konzentriert, d.h., die Muskeln, welche die Lendenwirbelsäule kreuzen, um die Bewegung des Oberkörpers zu generieren. Diese Muskeln können auch durch die Stabilisierung des Rumpfes oberhalb des Beckens Einfluss auf die Kräfte haben, die auf die unteren
Extremitäten wirken.

Was ist „Stabilität“?

„Stabilität“ kann als die Fähigkeit eines Systems definiert werden, als Reaktion auf eine interne oder externe Störung in seine ursprüngliche Position oder Lage zurückzukehren. Ein stabiler Sportler kann seine Position auf ein Ziel halten, auch wenn er von einem gegnerischen Spieler getroffen wird, während ein instabiler Athlet möglicherweise aus der Bahn geworfen oder in eine Position gebracht wird, aus der heraus Verletzungen auftreten können. Bedenkt man die Rolle der Stabilität, ist es äußerst wichtig, dass sie nicht dieselbe Bedeutung wie Festigkeit oder Kraft hat. So wie eine Seiltänzerin schnelle Anpassungen vornehmen muss, um ihre Position auf dem Seil zu halten, ist die Fähigkeit zur schnellen Anpassung für einen Sportler zur Aufrechterhaltung der Stabilität genauso wichtig wie Kraft.

Wie kann Core-Stabilität Sportverletzungen verhindern?

Die meisten muskuloskelettalen Sportverletzungen entstehen durch übermäßige Krafteinwirkung auf Risikostrukturen. Diese übermäßigen Krafteinwirkungen können akut zu schlichten Rissen wie des vorderen Kreuzbandes führen oder sie können chronisch auf einem Niveau auftreten, das gerade hoch genug ist, um Mikroschäden hervorzurufen, die sich im Laufe der Zeit häufen wie im Fall einer Tibia-Stressfraktur. Speziell bei den unteren Extremitäten entsteht ein großer Teil der einwirkenden Kräfte als Folge der relativ großen Masse und des Bewegungsmoments des Rumpfes. Ein Mangel an Core-Stabilität könnte daher möglicherweise zu Situationen führen, in denen der Oberkörper außerhalb der Unterstützungsbasis lehnt, was die Kräfte auf die unteren Extremitäten verstärkt. Bei Wurfbewegungen wird die Energie zuerst in den Beinen erzeugt und dann über den Core auf den Wurfarm übertragen. In diesem Fall könnte ein Mangel an Core-Stabilität diese Energieübertragung verhindern, was möglicherweise dazu führt, dass der Werfer zur Kompensation seine Schultermuskulatur übermäßig einsetzt, um die gewünschte Geschwindigkeit des Balles zu erzeugen. Obwohl diese Theorien nicht konsequent bewiesen wurden, gaben sie den Anstoß zu einer ganzen Palette von Übungen und Geräten, die zur Stärkung der Rumpfmuskulatur vorgeschlagen werden.

Welche Beweise gibt es für Core-Stabilität bei der Vermeidung von Sportverletzungen?

Sehr wenige strenge wissenschaftliche Studien haben die Rolle der verbesserten Core-Stabilität zur Vermeidung von Sportverletzungen etabliert. Zwei aktuelle Studien, die an der Yale University an Athleten von verschiedenen Colleges durchgeführt wurden, untersuchten Defizite in der Rumpf-Propriozeption und neuromuskulären Kontrolle des Rumpfes nach plötzlichen Störungen und stellten fest, dass bei allen Sportarten jedes dieser Defizite mit einer zwei- bis dreimal höheren Wahrscheinlichkeit mit der Entstehung einer nachfolgenden Knieverletzung zusammenhing. Andere Forschungsstudien aus den USA, Kanada, Deutschland und Norwegen ermittelten mehrere erfolgreiche Präventionsprogramme für Verletzungen der Kreuzbänder, die Core-Stabilitätsübungen einschließen. Es ist jedoch weiterhin nicht klar, ob die Core-Stabilitätskomponente dieser Programme irgendeinen Nutzen bietet. In einer kürzlich abgeschlossenen Studie unserer Gruppe an der Ohio State University hatten die am häufigsten verschriebenen Übungen zur Rumpfstabilisierung – einschließlich Basic Plank und Side Plank, Supine Sridge, Ausfallschritt und Bauch-Curls – keine Auswirkungen auf die Core-Stabilität oder die Gesamtkräfte der unteren Extremitäten, obwohl sie Core-Kraft und Ausdauer verbesserten. Diese Übungen waren nicht so dynamisch und zudem lagen keine äußeren Störungen der Athleten vor, wie das bei den erfolgreichen Präventionsprogrammen zur Kreuzbandverletzung der Fall ist. Dies lässt darauf schließen, dass dynamische Bewegungen und Störungen erforderliche Elemente zur Verbesserung der Core-Stabilität sein können.

Fazit

Trotz der Vielzahl an Übungsprogrammen und Geräten, die zur Verbesserung der Rumpfstabilität in der wissenschaftlichen Literatur und Publikumspresse vorgeschlagen und am Markt angeboten werden, gibt es keine Beweise, die zu Empfehlungen für die Einbeziehung oder den Ausschluss von Core-Stabilitätsübungen im Sport zur Verhütung von Verletzungen führen können. Zukünftig wird eine strenge Beurteilung der Wirksamkeit dieser bestehenden Programme und Geräte erforderlich sein einschließlich der Verfolgung der Verletzungsraten, um festzustellen, ob eine Verbesserung der Rumpfstabilität Schutz vor Sportverletzungen bietet.

Foto: © PhD Ajit M.W. Chaudhari

Ausgabe MSN 5 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 5 / 2011.
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