Sportklettern - Die Gefahren der WandOutdoor
In der letzten Ausgabe der MedicalSportsNetwork berichtete Dr. Volker Schöffl vom Kampf an der Wand. Im zweiten Teil zeigt der Mannschaftsarzt der Deutschen Verletzungen beim Sturz
Durch die modernen Sicherungsmittel sowie die verbesserte Ausrüstung ist sicheres Stürzen für den Sportkletterer möglich geworden, für das Erreichen der höchsten Schwierigkeitsgrade essentieller Bestandteil des Sportes. So sind 10 Stürze pro Tag durchaus normal. Schubert, DAV Sicherheitskreis, unterscheidet dabei zwischen bewusstem absichtlichem „Springen“, wie im Sportklettern häufig, und den unkontrollierten „Stürzen“ mit häufigeren Verletzungsfolgen. Im Sportklettern ist, im Gegensatz zum alpinen Klettern, der Hüftsitzgurt etabliert, Verletzungen innerer Organe sind dabei sehr selten. Ein Hängetrauma (orthostatischer Kollaps) ereignet sich eigentlich nur beim bewusstlosen Kletterer. Allgemein versteht man unter einem Hängetrauma jene Körperschädigung, welche durch einen Kreislaufzusammenbruch beim freien Hängen in einem Anseilgurt verursacht wird. Beim Hüftgurt kann zusätzlich eine „Kopf tief, Beine oben Position“ erfolgen.
Führend bei Sturzverletzungen sind Traumata der unteren Extremität, ursächlich prinzipiell zwei verschiedene Unfallmechanismen; das Anpralltrauma und das Niedersprungtrauma. Das Anpralltrauma entsteht durch den Seilzug, der den Stürzenden gegen die Felswand zieht. Vor allem kurze Stürze mit hohem Sturzfaktor in wenig steilem Gelände sind hierfür ursächlich. Hierbei kommt es vor allem zu Kontusionen und Frakturen des Vor- und Mittelfußes sowie des Calcaneus. Tenosynovitiden
Die Sehnenscheidenentzündung einzelner Finger ist das häufigste Überlastungssyndrom bei Sportkletterern. Da Mittel- und Ringfinger beim Klettern am stärksten belastet werden, treten hier besonders häufig Entzündungen der Beugesehnenscheiden auf. Diagnostisch muss man bei ähnlichen Symptomen die Verletzung eines Ringbandes von der Sehnenscheidenentzündung abgrenzen. Dies gelingt leicht im Ultraschall am Finger. Bei einer Sehnenscheidenentzündung können zwar die Beschwerden während des Kletterns auch akut beginnen, aber es liegt nie ein echtes Trauma (Sturz, Hängenbleiben eines Fingers usw.) vor. Arthroseentwicklung
Durch die hochintensiven Belastungen, welche auf das Skelettsystem wirken, stellt sich die Frage, inwieweit ein hoch intensives Klettern in bereits jungen Jahren die Arthroseentwicklung in den Fingergelenken begünstigt. Im Rahmen einer Quer- und Längsschnittuntersuchung wurden die Mitglieder der deutschen Jugendnationalmannschaft Sportklettern sowie eine gleichstarke Gruppe an Freizeitkletterern untersucht, nun liegen die Auswertungen der 5-Jahreskontrolluntersuchung vor. Zum Zeitpunkt der Kontrolluntersuchung waren die 6 männlichen und 4 weiblichen Jugendkaderkletterer (JK) 21,0 ± 1,6 Jahre und die Freizeitkletterer (FK) (8 m, 2 w) 19,9 ± 1,9 Jahre alt. Nachdem in den letzten Jahren das Thema Magersucht (Anorexia nervosa) unter Hochleistungsathleten leider aktueller wurde, ist es als sehr positiv zu beurteilen, dass der Body-Mass-Index mit 21,8 ± 1,5 (JK) und 21,6 ± 3,1 (FK) im Normalbereich lag und somit keinerlei Gefährdung vorlag. Das Kletterniveau war im JK bei UIAA 10 und bei den FK bei UIAA 7. Als äußerst positiv ist die Aufklärungsarbeit durch Trainer und Betreuer in beiden Gruppen zu sehen. Insgesamt zeigte sich in der Längsschnitt- sowie bereits in der Querschnittsuntersuchung ein guter Gesundheitszustand unserer Jugendkaderathleten. Um auf die Anfangsfragestellung nochmals einzugehen, ob „jugendliches Leistungsklettern zu einer frühzeitigen Arthrose der kleinen Fingergelenke führt“, lässt sich Folgendes konstatieren: Die Risikofaktoren zur Entstehung einer Arthrose sind vielfältig (z.?B. genetische Disposition und anatomische Gegebenheiten) und sicherlich kann Hochleistungsklettern eine solche Arthrose bedingen. Dies vor allem dann, wenn wichtige Trainingsgrundsätze (Auf- und Abwärmen, Ausgleichssport, Vermeidung von maximalen Belastungen im Wachstumsalter (Campusboard), Fingergymnastik etc.) vernachlässigt werden. Bei einem vernünftigem Umgang mit dem eigenen Körper ist das Risiko jedoch vertretbar und jugendliches Leistungsklettern führt sicher nicht zwangsläufig zur Fingerarthrose. Die kompletten Ergebnisse der Studie wurden im American Journal of Sports Medicine veröffentlicht. Fazit Klettern, gerade wenn es im Sinne des Sportkletterns mit entsprechenden Sicherungsmöglichkeiten betrieben wird, stellt sich als unfallarme und sichere Sportart dar. Die meisten Verletzungen sind niedrigeren Schweregrades und betreffen die obere Extremität. Unter entsprechender Anleitung muss auch ein intensives Training in bereits jungen Jahren nicht zwangsläufig zur Früharthrose der Finger führen. Dr.Volker Schöffl Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Volker Schöffl: http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/5983 |
Ausgabe MSN 5 / 2008Der Autor:Weitere Artikel online lesen |



