Ein Tropfen für die LeistungLeistungsdiagnostik
Laufen ist mehr als nur eine Und schon stellt sich die Frage nach dem „richtigen“ (unschädlichen, individuell dosierten) Lauftraining. Die Messung der Herzfrequenz (Puls) ist die gebräuchlichste, dabei völlig problemlose Methode, den aktuellen Funktionszustand des Herz-Kreislauf-Systems zu überprüfen und das Training individuell exakt zu steuern. „Aber welche Pulsfrequenz ist für mich die richtige? Gibt es eine Formel zur Berechnung?“
Die Herzfrequenzmessung stellt das „Missing Link“ zwischen dem subjektiven Belastungsempfinden und den zugehörigen Stoffwechselvorgängen dar. Die Herzfrequenz bildet den aktuellen Funktionszustand unseres wichtigsten Transportsystems ab (Spedition, Logistik). Sie passt sich schnell, fast blitzschnell allen Belastungssituationen an, reagiert auf innere (Körpertemperatur, Flüssigkeitsverlust usw.) und äußere Einflüsse (Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit usw.), und dennoch ist das Herzfrequenzverhalten spezifisch für jedes Individuum. Eine universelle Formel gibt es nicht, anhand derer sich die optimale Belastungsherzfrequenz berechnen ließe. Zu viele Einflussgrößen spielen eine Rolle wie z. B. das Geschlecht, das Alter, der Somatotypus, die Trainingsjahre usw. Der Vorteil der Herzfrequenz: Sie lässt sich leicht messen, verstehen, speichern. Der Herzfrequenz quasi zur Seite steht der Laktatwert (Milchsäure). Er entzieht sich bislang dem alltäglichen Zugriff des Trainierenden aufgrund der vergleichsweise aufwendigen Messmethodik. Das Laktat stellt eine Herzfrequenz und Laktatwert verändern sich während einer Ausdauerbelastung immer nach einer individuellen, komplizierten Proportionalität zueinander – für jeden Menschen spezifisch. Die Berechnung der optimalen Belastungsintensität per Formel (z. B. 180 minus Alter = Trainingsherzfrequenz) wird immer wieder angestrebt, ist aber nur für ca. 50?% aller Menschen einigermaßen zutreffend. Alle ähnlichen Formeln erzielen keine wesentlich höhere Genauigkeit – allesamt sind sie zu ungenau, um darauf die Trainingsberatung für eine Einzelperson aufbauen zu können. Die Berechnung per Formel hat allerdings eine Berechtigung: Sie gewährleistet eine gewisse Sicherheit, sich im Training nicht zu überfordern. Viele Menschen allerdings würden sich damit unterhalb des optimalen Belastungsbereiches bewegen und insofern weniger Wirkung erzielen als angesichts der aufgewendeten Trainingszeit eigentlich möglich wäre. Der Hintergrund bewährter Messverfahren besteht in der Nutzung der individuellen, belastungsabhängigen Beziehung von Herzfrequenz und Laktatwert. Das zuverlässigste Testverfahren ist der Laktat-Stufen-Feldtest. Dabei legt der Proband eine definierte Teststrecke (flach, ohne Windeinfluss, ca. 1.200 bis 2.000?m) in verschiedenen, ansteigenden Geschwindigkeitsstufen zurück. Mindestens drei, besser vier bis fünf Stufen. Nach jeder Belastung werden Wertepaare (Laktatwert und zugehörige Herzfrequenz) ermittelt. Die Auswertung erfolgt per Software, die eine Laktat-Leistungskurve (e-Funktion) und eine Herzfrequenzkurve (Gerade, die sich im höheren Frequenzbereich asymptotisch einer Horizontalen = der maximalen Herzfrequenz nähert). Die Auswertung auf Basis verschiedener Hypothesen (Freiburger Modell, Mader Modell usw.) liefert Trainingsbereiche, die praktikable Hinweise für den Dauerlauf bieten ruhiger Dauerlauf: uneingeschränkt gesundheitlich wertvoll; entspannende, stresslösende Wirkung; Stärkung des Immunsystems; Förderung des Fettstoffwechsels usw. (bis ca. 2 mmol/l Laktat) ?mittlerer Dauerlauf: bestes Aufwand-Wirkungs-Verhältnis; beste Effekte auf die kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit und die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit (ca. 2–3 mmol/l Laktat). ?Schneller Dauerlauf: höherer Energieverbrauch; leistungsförderndes Trainingsmittel für wettkampforientierte Sportler (über ca. 3 mmol/l Laktat). Die Bestimmung dieser Trainingsbereiche erfolgt also über die Messung des Laktatwerts, die anschließende Trainingssteuerung über die entsprechenden Herzfrequenzbereiche. Das Endziel allerdings besteht darin, die technischen Hilfsmittel nach und nach wieder überflüssig zu machen und unser eigentlich hervorragendes Belastungsempfinden zu schulen. Leider ist es uns auf dem Weg durch die Jahrzehnte des Lebens in der Überflussgesellschaft vorübergehend (?) abhanden gekommen. Dr. Thomas Wessinghage Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Thomas Wessinghage: http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6577 |
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