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Die gesunde Basis

Sport treiben liegt im Trend. Insbesondere der leistungsorientierte Freizeitsport zeigt einen wahrhaften Boom. Die steigenden Teilnehmerzahlen bei Volksläufen, Stadtmarathonläufen oder auch Radmarathons sind Zeugnis dieser neuen, aktiven Volksbewegung.

Durch die Medien wird diese Bewegung unterstützt und die Klientel an Interessenten deutlich erweitert. Durch Sendeformate wie z.B. von „Null auf 42“, wird dem Konsumenten suggeriert, dass jeder in der Lage ist – mit der entsprechenden Vorbereitung – die Herausforderung einer langen Ausdauerbelastung zu bewältigen. Hierdurch werden allerdings auch Personen angesprochen, die lange nicht mehr sportlich aktiv waren, oder zumindest über einen längeren Zeitraum nicht konsequent trainiert haben.
In diesem Zusammenhang werden nicht nur im Leistungssport immer wieder tragische Fälle mit plötzlichem Herztod im Rahmen von sportlichen Belastungen berichtet [1, 2]. Diese plötzlichen Herztodesfälle treten insbesondere bei Sportlern und Normalpersonen auf, welche nicht oder nur unzureichend medizinisch untersucht sind und gelten in vielen Fällen als vermeidbar. Zwischenzeitlich existieren Vorgaben der internationalen Fachgesellschaften für „Screening“-Untersuchungen bei Sporttreibenden um solche Vorfälle zu vermeiden [3,4]. Diese sollten nicht nur für den Leistungssport, sondern auch für den Freizeitsport berücksichtigt werden.
In Deutschland haben die in Nationalmannschaften organisierten Leistungssportler über den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Anspruch auf eine ausführliche internistische und orthopädische Untersuchung in einem der lizensierten DOSB Untersuchungszentren [5]. Diese Untersuchungen können einmal pro Jahr beansprucht werden und sind durch den DOSB finanziert. Hierbei werden umfangreiche Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge und zur Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit durchgeführt.
Im Gegensatz dazu müssen sich ambitionierte Freizeitsportler um ihre medizinische Versorgung selbst kümmern.

Bevor ein regelmäßiges Training aufgenommen wird, sollte daher eine sportmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung durchgeführt werden. In den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) wird der Personenkreis, der eine Belastbarkeitsdiagnostik durchführen sollte eindeutig definiert. Diese kann bei sportmedizinisch weitergebildeten Hausärzten, Internisten oder aber bei sportmedizinischen Instituten im universitären und nicht-universitären Bereich durchgeführt werden. Entsprechend der Vorgaben der Fachgesellschaften sollte bei Personen unter 35 Jahren eine Anamnese, eine klinische Untersuchung und ein 12-Kanal Ruhe-EKG durchgeführt werden. Bei Personen über 35 wird zusätzlich ein Belastungs-EKG gefordert. Bei Auffälligkeiten muss eine weitergehende kardiologische Abklärung erfolgen [3]. Zusätzlich zu den internistischen Untersuchungen empfiehlt sich aber auch die Durchführung einer einfachen orthopädischen Untersuchung. Bei dieser sollten zu erwartende oder bereits vorhandene Probleme des Bewegungsapparates diagnostiziert und behandelt werden. Hierzu gehört neben den rein medizinischen Möglichkeiten (z.B. Einlagenversorgung, physikalische Therapie) auch die Beratung bzw. Optimierung der Sportgeräte (z.B. Schuhe, Kleidung).
Sind diese Grundvoraussetzungen erfüllt, steht einem sicheren und gesunden Sportvergnügen in der Regel nichts mehr im Wege.

Sport treiben – nur die richtige Belastung bringt den richtigen Spaß

Für viele Menschen kommt die Motivation zum Sporttreiben aus der Intention körperliche Unzulänglichkeiten zu beheben. Neben Übergewicht und mangelnder Leistungsfähigkeit, werden hierbei auch immer häufiger zumindest leichte Formen von Krankheiten, welche früher mit Medikamenten therapiert wurden, durch körperliche Aktivität behandelt. Hier sind milde Formen des Bluthochdrucks, Fettstoffwechselerkrankungen und andere sogenannte metabolische Störungen zu nennen. Zum Teil sind diese Erkrankungen aber auch Folge einer längerfristig reduzierten körperlichen Aktivität – genau hier liegt aber ein großes Problem für den motivierten Neu- oder Wiedereinsteiger in den Sport!
Welchen Sport soll ich am Anfang wählen? Mit welcher Belastung steige ich in den Sport ein? Wie soll ich die Belastung steigern? Diese und viele andere Fragen müssen kompetent beantwortet werden um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen.
In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder die gleichen Fehler gemacht und insgesamt ist es auffällig, dass gerade Freizeitsportler in aller Regel zu hohe Trainingsintensitäten wählen. Dies hat häufig eine unbefriedigende oder fehlende Leistungsentwicklung zur Folge und kann sogar zu medizinischen Beschwerden in Form von Überbelastungsschäden führen.
Hier hilft eine Trainingsberatung, am besten auf der Basis einer fundierten Leistungsdiagnostik weiter. Eine leistungsdiagnostische Untersuchung kann entweder im Rahmen der oben genannten medizinischen Untersuchung, oder im Rahmen einer Trainingsplanung mit sportwissenschaftlichem Hintergrund durchgeführt werden. Bei der Auswahl des Anbieters sollte darauf geachtet werden, dass grundlegende Qualitätskriterien gewährleistet sind. Diese sind zum Beispiel an Zertifikaten zu erkennen, wie sie unter anderem die DGSP vergibt. Des Weiteren sollten die entsprechenden Einrichtung einen ausreichenden Erfahrungsschatz in der Diagnostik und Beratung von Sportlern und/oder sporttreibenden Patienten haben. Insbesondere für Patienten mit internistischen Grunderkrankungen sollte eine leistungsdiagnostische Untersuchung immer in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Sportmediziner ausgewertet werden.
Die Art der leistungsdiagnostischen Untersuchung kann flexibel gewählt werden. Aktuell werden in erster Linie die Bestimmung der Milchsäure im Blut (Laktatleistungsdiagnostik) und die Auswertung der Atemgase unter Belastung (Spiroergometrie) angeboten. Beide Methoden sind grundsätzlich als gleichwertig anzusehen, Erfolg oder Misserfolg einer Auswertung hängen in erster Linie von der Kompetenz und der Erfahrung des Untersuchers ab. Die Art und Weise der Belastung kann beim Gesunden nach der im Training am häufigsten durchgeführten Sportart ausgewählt werden. Personen die in erster Linie Walken oder Laufen sollten auf dem Laufbandergometer belastet werden, solche die eher Fahrrad fahren werden bevorzugt auf dem Fahrradergometer belastet. Dies vereinfacht die Ermittlung von Herzfrequenzen für die Trainingsbelastung und erhöht die Genauigkeit der Vorhersage der Leistungsfähigkeit.

Bei einer typischen Stufentestuntersuchung mit Laktatmessung wird in der Regel eine kontinuierliche Steigerung der Belastung in festgelegten Abständen bis zur Ausbelastung durchgeführt. Hierbei werden vor, während und nach der Belastung in festgelegten Abständen Herzfrequenz, Laktat und Blutdruck gemessen. Aus diesen Werten wird dann die sogenannte Laktatleistungskurve bestimmt (Grafik). Diese Auswertung ist Grundlage für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit und Basis für die Erstellung von individuellen Trainingshinweisen. Abbildung 1 zeigt eine Laktatleistungskurve aus einer typischen leistungsdiagnostischen Untersuchung auf dem Fahrradergometer. Als Ausgangsbelastung wurden 100 Watt gewählt, im Verlauf wurde alle drei Minuten die Belastung um 30 Watt erhöhte, bis bei 370 Watt die Ausbelastung erreicht wurde. Mittels einer speziellen Software wurde die Laktatleistungskurve erstellt und ausgewertet. Über die Programmvorgaben lassen sich jetzt konkrete Herzfrequenzvorgaben für unterschiedliche Belastungsbereiche ableiten. Hier wird z.B. zwischen Regenerationstraining, Grundlagentraining und sog. Schwellentraining unterschieden. Mit Hilfe dieser Auswertungen kann im Freizeit- wie im Leistungssport ein differenzierter Trainingsplan erstellt werden und die Gefahr der falschen Belastung durch zu geringe oder zu intensive Trainingsbelastungen wird deutlich minimiert.

Dr. med. Bernd Wolfarth

Stichwörter:
Leistungsdiagnostik Laktat Prävention

Ausgabe MSN 1 / 2007

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2007.
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