Dynamisches radergometrisches Plyometrictraining
Die Etablierung des Plyometrictrainings (Reaktivkraft-training) vor allem in den leichtathletischen Disziplinen und den Mannschaftsballsportarten, hat Ende der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts durch das apparative Beschleunigungstraining (Vibrationstraining) eine innovative Trainings-mittelerweiterung erfahren.
Damit wurde auch für das Kollektiv der relativ einseitig trainierenden Ausdauersportarten diese Trainingsmethode zugänglich gemacht. In den kurzen Trainingsperioden des Wintermesozyklus war es, wegen der Verletzungsanfälligkeit der an submaximale Kraftimpulse adaptierten biologischen Strukturen des passiven und aktiven Bewegungsapparates der Ausdauertrainierten, nicht möglich die zwangsläufig an hohe Kraftimpacts gekoppelten Trainingsinhalte des konventionellen Plyometrictrainings gefahrlos umzusetzen. Die biomechanische Stimulation (BMS), synonym auch als rhythmische neuromuskuläre Stimulation (RNS) bezeichnet, wurde durch sog. Whole Body Vibration (WBV) Systeme, die mit seitenalternierenden oder vertikalbeschleunigten Prinzipien arbeiteten, in den letzten Jahren kommerziell erschlossen und hat inzwischen eine breite Akzeptanz und umfangreich dokumentierte
Grundlagenforschungserkenntnisse. Problematisch bei der Umsetzung der WBV sind v. a. das Risikoprofil der (Eigen-) Resonanzproblematik (vgl. DIN ISO 2631) und die sich daraus ergebende zeitliche Limitierung sowie die statische Ausführung dieser effektiven Trainingsmittelanwendung, die im Wesentlichen über das Belastungsnormativ der Reizdichte seine Wirksamkeit entfaltet. Für den Ausdauertrainierten wäre die Integration des Beschleunigungsimpulses in einen dynamischen sportartspezifischen Bewegungsablauf die ideale Umsetzung des RNS Adaptationspotenzials zur kapazitiven Erweiterung seiner leistungsstrukturellen Parameter.
Mit dem neuen Trainingsmittel enformax® (ein Akronym das für endurance force maximizer steht), ein Radergometriesystem, das eine mechanisch entkoppelte, impulsbeaufschlagte Tretlagereinheit beinhaltet, ist ein DRP seit kurzem realisierbar geworden. Den (v.a. thorakalen u. cerebralen) Resonanzkonflikt der konventionellen WBV schaltet das DRP durch die Entkopplung des Oberkörpers als ruhendes Segment, das sich auf der Sattelfläche abstützt, aus. Der Beschleunigungsimpuls wirkt lokal auf die untere Extremität und wird mit einer deutlich gesteigerten Wirkdauer im Vergleich zur WBV nutzbar. Die Grenzwirkung der standardisierten Ausdauertrainingsmethodik im Kontext der Belastungsnormative ist durch die Faktoren Dauer, Umfang und Intensität unter Berücksichtigung der individuellen Belastbarkeit limitiert, einzig die Variation der Reizdichte bietet einen Ansatz zur Effektivierung der Gesamttrainingswirkung bei identischem Zeitbudget. Exakt an dieser Stelle setzt das DRP an. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen zeitintensiven Adaptationen (lipoenzymatische, hämatologische und hämodynamische Kapazitätszunahme) und reizintensiven Anpassungen (gesteigerte Kapillarisierung, Ausweitung der max. Sauerstoffaufnahme, Verbesserung der intramuskulären Koordination). Die Kapillarisierung wird bei dem DRP durch einen neoangiogenetischen Stimulus mittels einer veränderten Strömungsdynamik im Gefäßbett erreicht, ein gesteigerter Sauerstoffdurch- und -umsatz wird durch erhöhte Anforderung an die Bewegungsökonomie erzielt. Entscheidendes Kriterium ist dabei, dass unter DRP eine Anpassung mit geringerer energetischer Gesamtbilanz bei gleicher mechanischer Widerstandsbelastung pro Zeit/Wirkäquivalent im Vergleich zum konventionellen trainingsmethodischen Ansatz erfolgt. In Verbindung mit der kraftspezifischen Wirkung des DRP wird das komplexe individuelle Leistungsmerkmal der Kraftausdauer reiz- und zeitoptimiert maximiert. Im Gegensatz zu allen konventionellen Möglichkeiten, die eine Ausschöpfung der Trainingsquantität verfolgen, wird beim DRP eine höhere Trainingsqualität erzielt
Dieter Quarz
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