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Spiroergometrie
SpiroergometrieAtemgasanalyse für die Diagnostik und TrainingspraxisIn der leistungsdiagnostischen und sportmedizinischen Praxis werden routinemäßig fahrradergometrischen Tests bzw. Laufbanduntersuchungen mit Atemgasanalysen, Herzfrequenzmessung, EKG-Untersuchungen und Laktatdiagnostik gekoppelt.
Die Ziele dieser spiro(ergo)metrischen Untersuchung sind: 1.) die Objektivierung der maximalen und submaximalen kardiopulmonalen Leistungsfahigkeit unterschiedlicher Zielgruppen, 2.) eine Beurteilung von Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel sowie 3.) die Erhebung von Kenngrosen zur Trainingssteuerung. Anhand moderner Atemgasanalysen lassen sich mehrere Parameter zur Messung der Leistungsfahigkeit und des Stoffwechsels ableiten. Die wohl wichtigsten Grosen fur die Trainingspraxis hierbei sind die maximale Sauerstoffaufnahme, die submaximale Sauerstoffaufnahme bei gegebener Belastungsintensitat zur Bestimmung der Bewegungsokonomie sowie der respiratorische Quotient zur Ermittlung des Energieverbrauchs bzw. der Stoffwechselsituation. Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) erfasst integral die Kapazitat vom sauerstoffaufnehmenden (Lunge), O2-transportierenden (Herz-Kreislaufsystem) sowie O2-verwertenden Systemen (Muskulatur). Daher wird die VO2max auch als „Bruttokriterium“ der Ausdauerleistungsfahigkeit angesehen. Bei Ausbelastungstests werden bei sehr guten mannlichen Ausdauerleistungssportlern VO2max-Werte von uber 80 ml/min/kg gemessen (Wilmore & Costill 2004). Sportstudenten weisen Werte von ca. 55 ml/min/kg auf, bei Sportstudentinnen liegen diese Werte im Mittel bei ca. 48 – 52 ml/min/kg, die VO2max untrainierter „Normalpersonen“ liegen in der Regel deutlich darunter.
Aus diesem Grund haben sich in der leistungsdiagnostischen Sportpraxis submaximale Kenngrosen etabliert. Diese submaximalen Parameter konnen entweder uber eine reine Atemgasanalyse oder mit blutlaktatbasierten Modellen („aerob-anaeroben Schwellen“) quantifiziert werden. Die Bestimmung dieser submaximalen Kenngrosen haben in der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik den Vorteil, dass hierfur, im Gegensatz zur VO2max-Bestimmung, keine korperliche Ausbelastung, mit entsprechendem Risiko oder notwendiger Motivation, erforderlich ist.
Bei stufenformigen Belastungstest ist es moglich eine Aussage uber die globale Bewegungsokonomie zu tatigen. Dabei wird bei gleichbleibender submaximaler Belastungsintensitat (ca. ? 80 % der VO2max) die Sauerstoffaufnahme als Mas fur die Bewegungsokonomie definiert. Nach einer Trainingsphase sollte, bei entsprechender zentraler (Herz-Kreislaufsystem) und peripherer (Muskulatur) Okonomisierung, die Sauerstoffaufnahme bei gleicher Leistung oder Laufgeschwindigkeit reduziert sein. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Bewegungsokonomie von etlichen Faktoren wie Korperbau, Korperzusammensetzung, physiologischen, biomechanischen und neuronalen Faktoren, Schuhwerk, etc. beeinflusst wird. Atemgasanalytische Messungen erlauben keinen Ruckschluss auf die einzelnen Teilkomponenten, sie konnen aber sehr wohl als globaler Marker fur die Okonomisierung des Gesamtkorpers verwendet werden. Fazit Durch den kombinierten Einsatz verschiedener Methoden, ist es moglich eine Vielzahl von Belastungskenngrosen zu erheben. So konnen durch den Einsatz z.B. von Atemgasanalyse, Laktatdiagnostik und Ergometrie die maximale und submaximale Leistungsfahigkeit erhoben werden und je nach Belastungsmarker, Zielsetzung und Belastungsprotokoll diese auch zur Trainingsteuerung bzw. zur Quantifizierung von Trainings- oder Therapieeffekten genutzt werden. Insbesondere im Gesundheits- und Fitness-Sport ist die Erfassung submaximaler atemgasbasierter Kenngrosen zu empfehlen, da auf eine Ausbelastung des Sportlers verzichtet werden kann. Hierbei stellt die indirekte Kalorimetrie unter Einhaltung standardisierter Testverfahren, im aeroben Bereich, Aussagen uber den Energieverbrauch bzw. die Kohlenhydrat- und Fettstoffwechselsituation, eine sehr gute, non- invasive, Methode dar. Neuere Messsysteme haben zudem den Vorteil, dass Atemmasken nicht dauerhaft, sondern nur zu punktuellen Messung benutzt werden mussen, da Atemmasken im Freizeit- und Gesundheitssport nicht selten als unangenehm und subjektiv atmungseinschrankend empfunden werden. Welches Modell zur Bestimmung submaximaler Bezugspunkte zur Trainingssteuerung das optimale darstellt, obliegt letztlich der Zielgruppe, der technischen Ausrustung sowie der trainingspraktischen Erfahrung des Diagnostikers, Trainers oder Therapeuten. Literatur Mader, A., Liesen. H., Heck, H., Philippi, H., Rost ,R., Schürch, P., Hollmann, W. „Zur Beurteilung der sportartspezifischen Ausdauerleistungsfähigkeit im Labor.“ Sportarzt und Sportmedizin, 1976: 80-88 und 109-112. Wilmore JH, Costill DL: Cardiovascular and Respiratory Adaptation to Training. In Wilmore JH, Costill DL (Hrsg) Physiology of Sport and Exercise. Human Kinetics, Champaign, 2004, 270-304. Faude O, Kindermann W, Meyer T: Lactate threshold concepts: how valid are they? Sports Med 39 (2009) 469-490. Heck H, Beneke R: 30 Jahre Laktatschwellen - was bleibt zu tun? Dtsch Z Sportmed 59 (2008) 297-302 McArdle WD, Katch FI, Katch VL: Measurement of Human Energy Expenditure. In: McArdle WD, Katch FI, Katch VL (Hrsg): Exercise Physiology. Energy, Nutrition, and Human Performance. Lippincott Williams & Wilkins, Baltimore 2001, 174-186. Jeukendrup AE, Wallis GA: Measurement of substrate oxidation during exercise by means of gas exchange measurements. Int J Sports Med 26 (2005) S28-S37. Foto: © Dr. Billy Sperlich |
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