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Die Besteigung der Seven Summits

Seven Summits – in Bergsteigerkreisen ein heiß begehrtes Ziel. Doch bis zu meinem Erfolg zählten weltweit nur ca. 128 Gipfelstürmer zu dem auserwählten Kreis, der die sieben höchsten Gipfel aller Kontinente bestiegen hat. Seit 2008 darf ich mich zu den „Seven Summitern“ zählen. Sieben Gipfel – oder genauer: Warum sind es sieben Kontinente? Afrika, Asien, Amerika, Europa, Australien, das sind die Kontinente, die - spätestens seit den olympischen Spielen - jeder kennt.

Die Kontinentalgrenzen jedoch können unterschiedlich ausgelegt werden, sowohl unter geografischem als auch geohistorischem Aspekt. Amerika zum Beispiel ist für uns aus historischer Sicht ein Kontinent, in Wahrheit jedoch handelt es sich um zwei Erdteile, die nur durch den Isthmus von Panama miteinander verbunden sind. Zudem hat der Seven-Summits-Begründer Dick Bass, ein Amerikaner, die Antarktis als eigenständigen Kontinent hinzugezählt. Summa summarum: Sieben Kontinente und damit Sieben Gipfel.

Der Amerikaner Dick Bass teilte die Erde in die folgenden sieben Kontinente auf:
Afrika mit dem Kilimandscharo (5895m)
Asien mit dem Mt. Everest (8850m)
Europa mit dem Elbrus (5642m)
Südamerika mit dem Aconcagua (6962 m)
Nordamerika mit dem Mt. McKinley (6195 m)
Australien mit dem Mt Kosciuszko (2228 m) und die
Antarktis mit dem Mt. Vinson (4892 m)

Am 30. April 1985 stand Bass auf dem Gipfel des Mt. Everest und hat damit als erster „Seven Summiter“ und Begründer dieser Idee einen Meilenstein in der Bergsteigergeschichte gesetzt. Reinhold Messner, der erste Bezwinger aller vierzehn Achttausender dieser Erde ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff, betrachtet allerdings nicht den sehr leicht zu besteigenden Mt. Kosciuszko in der Great Dividing Range in Australien, sondern die Carstensz Pyramide mit 4884 Metern auf Neuguinea als höchsten Berg des australischen Kontinentes. Neuguinea zählt zwar politisch gesehen zu Indonesien und damit eher zu Asien, aber aus geografischer Sicht gehören Tasmanien und Neuguinea zur selben Kontinentalplatte.
Als ich 1992 den Grundstein für mein heutiges Orthopädisches Fachzentrum im oberbayerischen Weilheim legte, ahnte ich noch nicht, dass zu meinen großen Lebenszielen auch einmal die Besteigung der Seven Summits zählen würde. Berge sind Teil meines Lebens. So lange ich denken kann, hat es mich in die Berge gezogen, ob als Kind mit meinen Eltern, als Jugendlicher mit dem Alpenverein, als Tourengeher oder Kletterer am heimischen Klettersteig, als staatlich geprüfter Skilehrer oder einfach zum Vergnügen mit Frau und Kindern. Berge. Und immer wieder Berge. Sie rufen mich und gerne nehme ich die Herausforderung an. Jeder Berg hat sein „Eigenleben“. Und mit jedem der Seven Summits habe ich eine eigene Geschichte. Und eines Tages hat mich auch der Kilimandscharo gerufen…

Kilimandscharo – der Leichteste

21. Februar 1995, fünfzehn Uhr nachmittags, ein sonniger Samstag, 28 Grad Celsius. Sieben Männer und eine Frau sitzen gemütlich in einem wunderschönen exotischen Garten in Nairobi. Alle haben ein Ziel: die erfolgreiche Besteigung des höchsten Punktes Afrikas. Das „Dach Afrikas“ ist einer der höchsten freistehenden Berge dieser Erde und übt eine ganz besondere Faszination aus. „Kilima – njaro“ – „Das Haus Gottes“, wie ihn die am Fuße des Berges lebenden Chaggas
nennen.
Viele hundert Jahre zuvor, als die Vorfahren der Chaggas zum Gipfel emporblickten, glaubten sie, der Berg sei mit purem Silber bedeckt. Erst viel später erkannten sie, dass das „Silber“ in ihren Händen schmilzt, waren enttäuscht und wussten nicht, dass sie am Fuße eines der größten Naturwunder unserer Erde leben. An keinem anderen Ort unseres Planeten gelangt man so schnell von tropischer Hitze in arktische Kälte. Auf einer Strecke von „nur“ 25 Kilometern befindet sich eine Vielfalt von klimatischen Bedingungen, die sich sonst auf einer Entfernung von 10.000 Kilometern erstrecken würde. 1800 verschiedene Pflanzen und 35 verschiedene Säugetierarten haben hier ihr Zuhause.
Meine sieben Freunde und ich machen uns auf den Weg – und sind begeistert von der reizvollen Landschaft, die wir durchwandern. Sieben Vegetationszonen durchschreiten wir, vom tropischen Regenwald über Heide, Hochmoor, Stein- und Schuttwüsten bis hin zu Schnee und Eis. Wer den Kilimandscharo besteigen möchte, ist verpflichtet, einheimische Träger und Bergführer zu rekrutieren, die das gesamte Equipment wie Zelte, Nahrungsmittel und vor allem Wasser mit auf den Berg hinauftragen. Für die Einheimischen ist dies eine wichtige Einnahmequelle und von ihrem Lohn leben ihre Familien monatelang. Über Toni Tschank, einem örtlichen Trekking- und Reiseveranstalter, wird unser acht-köpfiges Bergsteiger-Team ab dem Transfer von Nairobi nach Loitokitok, dem Ausgangsort für die Kilimandscharo-Besteigung, bis auf den Gipfel des Kilimandscharo versorgt. Die Gruppe wählt eine sehr selten begangene Route. Die 1995 übliche Besteigungsstrecke, die „Coca Cola Route“, führte von Osten her zum Gipfel und auf derselben Strecke wieder zurück. Wir besteigen allerdings im März 1995 den Kilimandscharo auf der nördlichen Seite. Vom kenianischen Loitokitok geht es zur Grenze nach Tansania, welche 1995 seit über zwanzig Jahren geschlossen ist. Nur Toni Tschank hat die Sondererlaubnis, seine „Klienten“ von Kenia nach Tansania zu bringen, damit sie auf der Nordroute den Kilimandscharo besteigen können.
Geschlafen wird in Zelten, gegessen im Freien oder in Höhlen. Tropischer Platzregen ist in den ersten Tagen der ständige Begleiter und es braucht schon einen guten Teamgeist, damit die Stimmung nicht unter den Nullpunkt sinkt. Nasses Holz muss zur Zubereitung der Mahlzeiten und für das Lagerfeuer, die einzige Wärmequelle, verwendet werden. Beißender Qualm durchzieht die Lunge und schon bald riecht nicht nur alles, sondern schmeckt vor allem alles nach Rauch. Jeder Bergsteiger weiß, am Berg muss viel getrunken werden. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft dem Körper, sich zu akklimatisieren. Eine alte Regel besagt, drei bis vier Liter täglich wären optimal. Doch je höher man hinaufkommt, wird diese Regel zur Qual. Drei Liter rauchigen Tee – widerlich. Und doch nötig. Wer nicht trinkt, kommt nicht auf den Gipfel, und schon gleich gar nicht mehr herunter.
Da der Kilimandscharo keine klettertechnischen oder bergsteigerischen Höchstleistungen verlangt, erliegt man allzu leicht der Gefahr, viel zu schnell den Aufstieg anzugehen. Doch dieses rächt sich gewaltig. Wer zu schnell in die Höhe geht, läuft Gefahr, höhenkrank zu werden. Der Körper kann sich unmöglich so rasch akklimatisieren und Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schwindel bis hin zum lebensgefährlichen Lungen- und Hirnödem können sich einstellen.
Allgemein wird geglaubt, diese Symptome werden durch die Abnahme des Sauerstoffgehaltes in zunehmender Höhe hervorgerufen. Dieses stimmt aber so nicht. Der Sauerstoffgehalt in der Luft bleibt stets konstant. Was sich allerdings verändert, ist der Sauerstoffpartialdruck. Hierunter versteht man den Teildruck des Sauerstoffs, der vorhanden wäre, wenn man bis auf ihn alle anderen Gase aus einem Volumen (wie der Lunge) entfernt hätte. Dies hat zur Folge, dass der Sauerstoff, der sich in der Lunge befindet, nicht so gut in das Herz-Kreislauf-System aufgenommen werden und somit weniger Sauerstoff vom Körper verwertet werden kann. Der Körper reagiert darauf mit dem Erhöhen der Atemfrequenz, der Steigerung des Herzminutenvolumens, der Fettstoffwechsel wird gesteigert und die Produktion von roten Blutkörperchen nimmt zu – allerdings erst nach ca. vier Wochen. Dieser Prozess nimmt den Körper stark in Anspruch, umso mehr, je schneller er einem verminderten Sauerstoffpartialdruck ausgesetzt wird. Der Körper kann sich an solch veränderte Situationen anpassen, aber er braucht Zeit. Und genau diese Zeit geben die Menschen ihren Körpern am Kilimandscharo nicht. Es ist übrigens individuell verschieden, wie viel Zeit der Einzelne für eine gute Akklimatisation braucht. Bis heute ist es nicht erforscht, warum. Sind es die Gene, die den einen kaum höhenempfindlich und den anderen sogar sterbenskrank werden lassen? Man weiß es (noch) nicht. Die Höhenwissenschaftler empfehlen, nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter pro Tag aufzusteigen. Am Kilimandscharo bewältigen die Bergsteiger täglich bis an die 1000 Höhenmeter!
Mit drei Tagen Auf- und zwei Tagen Abstieg hatten wir die höhentaktischen Regeln nicht eingehalten. Und ich hatte auch auf keinem anderen der Seven Summits – nicht einmal auf dem Mount Everest Kopfschmerzen. Nur am Kilimandscharo. Da allerdings gewaltig. Der Kilimandscharo ist unter den Seven Summits bergsteigerisch der „leichteste“, doch am Gipfeltag erfordert auch er Durchhaltevermögen und eine gute Kondition. Die Höhe wird allzu oft unterschätzt und so liegt die Erfolgsquote für den Hauptgipfel (Uhuru Peak) bei nur ca. 45 Prozent. Doch wir haben es geschafft. Am 5. März 1995 um 9.15 Uhr bei minus 12 Grad Celsius stehen 7 Männer und eine Frau aus Bayern auf dem Uhuru Peak, auch Freiheitsspitze genannt. Der höchste Punkt Afrikas auf 5895 m ist erreicht!
Damals hätte ich mir nicht im Entferntesten träumen lassen, dass ich nach 16 Jahren als einer der wenigen „Seven Summiter“ wieder hier auf diesem Fleckchen Erde stehen sollte. Am 10. August 2009 stand ich zum zweiten Mal in meinem Leben auf dem höchsten Gipfel Afrikas, begleitet von meiner Frau Angelika, unseren Söhnen Florian und Korbinian und unserer Tochter Franziska.

Mount Vinson – der Schönste

Medantarktika, Expedition zum „Juwel unserer Erde“

Sechs Jahre später kam für mich eine neue Herausforderung : Medantarktika. Vier Ärzte aus Oberbayern, ein Internist, ein Dermatologe und zwei Orthopäden brachen im Jahr 2001 ins ewige Eis, ans Ende der Welt auf. Im Vordergrund stand das wissenschaftliche Experiment der Telemedizin, doch die Besteigung des Mount Vinson, des höchsten Berges der Antarktis war für mich dann ein Erlebnis der Superlative.
Wir wollten bei dieser Expedition beweisen, dass die Übertragung von Körperdaten während der Bergbesteigung (z.B. eines EKGs) auch vom Ende der Welt, der zentralen Antarktis aus, live gelingt. Bis zu diesem Zeitpunkt war dies nicht möglich. Mit Hilfe einer kleinen Rhythmuskarte und eines Satellitentelefons gelang es uns tatsächlich, unsere eigenen Körperdaten während der Besteigung an das Raumfahrtinstitut der Technischen Universität Berlin und an das Krankenhaus Peissenberg im heimischen Oberbayern zur Auswertung zu senden. Dieses gelungene Experiment sollte uns sogar im Jahre 2002 die Auszeichnung des Bayerischen Rundfunkes (BR) „Bayer des Jahres“ im Bereich Wissenschaft einbringen. Ein Preis, der nur an Menschen vergeben wird, die „im Laufe des Jahres Außerordentliches geleistet oder erreicht haben“, so der BR.
Antarktis, Weltteil der Extreme. Die Antarktis ist der entlegenste, einsamste, kälteste, windigste, aber auch trockenste und sauberste Kontinente unserer Erde. Mit 12,5 Millionen Quadratkilometern ist sie eineinhalb Mal so groß wie Europa. Durch die Lage mitten auf dem Eisschild haben es Tiefdruckgebiete schwer, bis dorthin vorzustoßen. Im Jahresmittel gibt es um 30 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, meist in Form von Eisnadeln und Polarschnee. Zum Vergleich: In Deutschland fallen ca. 600 Liter pro Quadratmeter in einem Jahr. Die tiefste je auf der Erde gemessene Temperatur stammt aus der Antarktis. Am 21. Juli 1983 wurden bei der ehemals sowjetischen Station Wostok (Vostok) minus 89,2° Celsius gemessen. Die Durchschnittstemperatur im antarktischen Sommer beträgt minus 40 Grad Celsius. Hinzu kommen gefährliche Winde (gemessene maximale Windgeschwindigkeit bis 327 km/h) die durch den sogenannten „windchill“ die Minusgrade als gefühlte Temperatur nochmals absinken lassen. Und nicht zu vergessen die Höhe: denn die knapp 5000 Meter des Mount Vinson wirken aufgrund der polarnahen Lage wie 6000 Meter im Himalaya. So gesehen, ist die Antarktis ein unwirtlicher Kontinent – und dennoch für mich einer der schönsten Orte der Welt.
Es war nicht gerade einfach, dorthin zu gelangen. Drei Wochen saßen wir an der Südspitze Chiles, in Punta Arenas fest. Die Wetterverhältnisse waren dermaßen schlecht, dass an ein Hineinfliegen in die Antarktis gar kein Denken war. Eine „Iljuschin 76“, das schwere russische Transportflugzeug musste gefahrlos die 2500 Kilometer Entfernung bewältigen können. Als es dann endlich in die Antarktis hineinging, war die Landung auf dem rumpelig-rauen Natureis ein wahres Abenteuer. Wer den Mount Vinson besteigen will, braucht eine enorm gute Ausrüstung. Daunenjacken, Schlafsäcke, Schuhe, Unterwäsche, etc., alles muss darauf ausgerichtet sein, Extremtemperaturen für den Bergsteiger erträglich zu machen. Ein operativ tätiger Arzt kann es sich nicht leisten, sich die Finger zu erfrieren. Genauso ist ein vorbereitendes Training absolute Voraussetzung für eine solche Expedition. Das bedeutet, im Vorfeld monatelanges Ausdauer-Kraft-Training konsequent durchzuziehen.
Ich ging dreimal pro Woche mindestens je eine Stunde Joggen, die Abende nach einem langen Praxis- und OP-Tag wurden nicht auf der Couch verbracht, sondern ich packte die Tourenskier zusammen und lief bis halb zwölf Uhr nachts das heimische „Hörnle“, ein 1500 m hoher Berg, rauf und runter. Und am Wochenende waren Trainingstouren auf höhere Berge in der Schweiz, Südtirol oder auch mal „schnell“ auf die Zugspitze angesagt. Sollte noch freie Zeit bleiben, dann ging es in die „Mucki-Bude“, oder besser gesagt zum Krafttraining.
Wir wurden aber belohnt für alle Trainingsmühen, für die lange, penible Vorbereitung der Expedition, die Durchführung des wissenschaftlichen Experimentes und letztendlich für alles Durchhalten in eisiger Kälte. Der Anblick des Mount Vinson in gleißendem Sonnenlicht um Mitternacht (!) – im antarktischen Sommer bleibt es 24 Stunden hell - , das Gefühl, ganz eins zu sein mit der unberührten Glitzerwelt der Antarktis macht das Herz weit und ich bin hochmotiviert, den langen Marsch zum Gipfel des Mount Vinson in Angriff zu nehmen.
In der Antarktis gibt es keine Motorschlitten, Lasttiere und auch keine Träger. Wir müssen unser Gepäck in Schlitten selbst hinter uns herziehen. Stunde um Stunde gehen wir auf Skiern unserem Ziel entgegen. Eisige Winde und die 30 kg schwere Last im Rücken scheinen ein Weiterkommen nahezu unmöglich zu machen. Der erste Team-Kamerad gibt auf. Die Mühsal ist zu groß. Ich kämpfe weiter – ein Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Und am 11. Januar 2002 stehe ich mit Wilhelm Fischer, meinem Freund und Kollegen aus der Heimat, dem österreichischen Bergführer Walter Laserer und dem südtiroler Kameramann Wolfgang Thomaseth (es wurde eine Dokumentation über die Medantarktika Expedition für das TV gedreht) am höchsten Punkt der Antarktis, dem 4892 m hohen Mount Vinson. Nur vier aus dem 7-köpfigen Bergsteigerteam haben den Gipfel erreicht. Ein unglaublicher Anblick in unendliche Weiten aus ewigem Eis bietet sich uns. Es ist kaum zu beschreiben, welch ein Ereignis diese Expedition in die Antarktis war. Es war ein Geschenk, wahrnehmen zu dürfen, welch ein Juwel dieser Kontinent ist, aber auch welch ein Schatz für die Menschheit in der Antarktis verborgen liegt. Denn dort sind 80 % der Trinkwasservorräte unserer Erde gelagert.
Auf der Rückreise lernte ich ein Team aus Lettland kennen. Die lettischen Bergsteiger schwärmen mir von den „Seven Summits“ vor. Ein Schwärmen, das mich auf die Idee brachte, es auch mit den Seven Summits zu „probieren“. Zwei von sieben waren ja bereits geschafft.

Aconcagua – der Unterschätzte

Die „Idee“ nahm immer mehr Gestalt an und im Jahr 2004 macht ich mich auf, den Aconcagua, den höchsten Gipfel des südamerikanischen Kontinentes zu besteigen. Mit seinen 6959 Metern ist er der höchste Berg außerhalb des Himalayas und höchster Gipfel der Südhalbkugel. Technisch gesehen, zählt der Aconcagua nicht zu den schwierigsten Bergen, aber mühsam ist seine Besteigung. Der Aufstieg über die Normalroute ist ein einziger Sand- und Schotterhaufen. Der zweitägige Anmarsch führt durch das trockene, heiße und staubige Horcones Tal, wo das Hauptgepäck bis zum Basislager (Plaza de Mulas) von Muli-Karawanen befördert wird. Vom Basislager aus, steigt man zum Hochlager auf. Mit zehn Gipfelaspiranten beschloss ich, nur ein einziges Hochlager auf 5380 Metern zu errichten. Das „Nido de Condores“, das „Nest der Kondore“, wie das Hochlager hieß, dient den Bergsteigern als Depot für Vorräte und Ausrüstung. Zweimal muss es erstiegen werden, einmal um das Depot zu errichten und zum zweiten Mal, um von dort aus den Gipfel in Angriff zu nehmen. Das Groß der Bergsteiger errichtet ein zweites Hochlager, um am Gipfeltag eine nicht gar so lange Strecke bewältigen zu müssen. Doch meine Begleiter und ich handeln nach dem Motto: „Oben muss man schnell sein“. Ab dem Nido de Condores macht der „Viento Blanco“, der gefürchtete eiskalte Höhensturm den Gipfelaspiranten zu schaffen. So manchem Bergsteiger wurde dieser Wind sogar zum Verhängnis. Am Aconcagua gibt es mehr Tote als am Everest. Die Notwendigkeit einer sorgfältigen Akklimatisation wird auch an diesem Berg allzu oft unterschätzt. Aber um das Risiko der Höhenkrankheit und einer Erfrierung zu reduzieren, ist sie zwingend erforderlich.Habe hier einen Satz gestrichen.Den Gipfel erreicht man über die sogenannte Canaletta, eine Schutt-, Eisrinne, die den Bergsteigern auf 7000 Metern Höhe noch einmal alles abverlangt. Von 10 Gipfelaspiranten erreichen am 11. Dezember 2004 nur fünf den Gipfel des Aconcagua. Ich hatte damit meinen dritten der Seven Summits geschafft.

Elbrus – der schnellste

Bereits ein Jahr später ging es von den höchsten südamerikanischen Höhen in den Kaukasus nach Russland. Nicht der Mont Blanc mit 4807m, sondern der Elbrus mit 5642 m ist der höchste Berg Europas. Der erloschene Vulkan ist nur 250 Meter niedriger als der Kilimandscharo, aber 850 Meter höher als der Mont Blanc. Der charakteristische Zwillingsgipfel liegt noch in Europa, nur elf Kilometer von der Kontinentalgrenze entfernt, direkt an der Grenze von Russland zu Georgien. Ich war zu diesem Zeitpunkt so durchtrainiert, dass ich die Besteigung mit Skiern in nur zwei Tagen schaffte. Doch andere Teammitglieder mussten diesen Akklimatisationsfehler schwer büßen. Acht von zehn Bergsteiger wurden höhenkrank, so dass mancher beim Abstieg gesichert werden musste, geschweige denn, dass er fähig gewesen wäre, mit Skiern selbst abzufahren. Auch ein Berg wie der Elbrus hat es in sich. Ein Jahr später wurde eine Bergsteigergruppe mit 15 Leuten von einem Temperatursturz überrascht und bis auf einen mussten alle ihr Leben am Berg lassen. Für mich war am 25. Mai 2005 das Ziel der Seven Summits um einen weiteren Gipfel näher gerückt. Doch die größten Herausforderungen dieses „Grand Slams der Bergsteiger“ lagen noch vor mir.

Carstensz Pyramide – der exotischste

War ich in der Antarktis am tatsächlichen Ende der Welt angelangt, so war Neuguinea für mich das „gefühlte“ Ende der Welt. Die Ureinwohner, die Danis, Monis und Damals, leben noch weitgehend unberührt von der Zivilisation. Die Männer tragen teilweise noch eine Koteka, einen „Penisköcher“ aus Kürbisrohr und die Frauen Baströcke. Bis in die 70er Jahre kam wohl noch Kannibalismus vor. Schon die Anreise zum Berg war Abenteuer pur. 15 Flüge mit nicht sehr vertrauenserweckenden Kleinflugzeugen und mit einem Helicopter mussten absolviert werden. Die Carstensz Pyramide liegt im indonesisch regierten Teil Neuguineas. Aufgrund von Unruhen und Stammesfehden war die letzten fünf Jahre das gesamte Gebiet für Touristen und somit auch für Bergsteiger gesperrt. Unser Team konnte sich glücklich schätzen, dass endlich eine Genehmigung aus Jakarta kam – allerdings durften wir nicht zu Land reisen.
Mitten im Dschungel wartet auf mich eine 700 Meter fast senkrechte Wand, die auf 5000 Meter Höhe hinaufreicht. Die Carstensz Pyramide gilt als der technisch schwierigste Gipfel unter den Seven Summits. Es gilt hier, Kletterstellen bis zum Schwierigkeitsgrad 5 plus zu überwinden. Für mich eine echte Herausforderung. Hatte ich zuhause zwar systematisch das Klettern trainiert und geübt, so kostet mich der Aufstieg in der senkrechten, vom tropischen Regen glitschigen Wand beinahe den letzten Nerv. Sprünge über tiefe Bergspalten lassen die Knie weich werden und man stellt sich schon zwischendurch die Frage, warum man das alles macht. Doch als der Gipfel erreicht ist, überwiegt das Triumphgefühl. Regen und Nebel verhindern den sonst wunderschönen Ausblick auf den Regenwald, doch dem Ziel der Ziele entscheidend näher gekommen zu sein, entschädigt für Vieles. Am 12.Juli 2005 waren fünf Gipfel der höchsten Berge aller Kontinente geschafft.

Mount Everest – der höchste

Mount Everest. Der Berg der Berge. Seine 8850 Meter machen ihn zum höchsten Gipfel der Erde, zum Dach der Welt. Kein anderer Berg hat so viel Geschichte geschrieben wie er.Der britische Landvermesser Sir George Everest gab ihm seinen Namen. Die Nepalesen nennen ihn „Sagarmatha“, „Stirn des Himmels“ und die Tibeter sagen zu ihm „Chomolungma“, „Mutter des Universums“. Die Sherpas betrachten ihn als heiligen Berg und Sitz der Götter. Der Mount Everest befindet sich in der Region Khumbu in Nepal an der Grenze zu Tibet. Am 29. Mai 1953 gelang es Edmund Hillary und dem Sherpa Tenzing Norgay als erste Menschen auf dem höchsten Gipfel der Erde zu stehen. Dieses Ziel habe auch ich mir gesetzt – übrigens in einem Alter von 53 Jahren, in dem Jahr als sich auch die Erstbesteigung des Everest zum 53. Mal jährte (anno 2006) und zudem ist mein Geburtsjahr das Jahr der Erstbesteigung: 1953.
2006 schrieb ich meine ganz persönliche Geschichte. Für jeden Höhenbergsteiger ist es von enormer Bedeutung, möglichst gesund im Basislager anzukommen. Dies ist allerdings angesichts der manchmal mehr als fragwürdigen hygienischen Verhältnisse in den jeweiligen Ländern ein großes Problem. Und so hatte es auch mich „erwischt“. Während der gesamten Besteigung kämpfte ich mit Diarrhöe. In der Höhe kann eine zusätzliche Schwächung des Körpers fatal sein. Zudem ist es nicht gerade angenehm, bei erheblichen Minusgraden neben der Gletscherspalte aufs „Örtchen“ zu müssen… In den kommenden Wochen war die vordringlichste und einzige Aufgabe, sich richtig zu akklimatisieren. Und so begann der lange Weg bereits in Lhukla (2800?m), in einer knappen Woche liefen meine beiden altbewährten Bergfreunde Walter Laserer, Markus Büel und ich den ganzen Weg zum Everest Basecamp (5300?m). Wir überwanden 2500 Höhenmeter und gaben unseren Körpern Zeit, sich langsam an die Höhe zu gewöhnen. Im Basecamp angekommen, bezogen wir unser karges Zuhause. Ein kleines Zelt auf eiskaltem harten Gestein war das Domizil für die nächsten 11 Wochen. Die Dusche ist ein Eimer mit warmem Wasser aus der Küche und ein Becher, mit dem das Wasser über den Kopf gegossen wird – die so genannte „Pocket-Dusche“. Die Mahlzeiten werden im großen Gemeinschaftszelt eingenommen, Dresscode sind Winterstiefel, Daunenjacke und warme Mütze. Das Basislager auf 5300?m lag gerade noch auf einer Höhe, auf der sich der menschliche Körper regenerieren kann. In größeren Höhen baut der Körper sukzessive ab – bis zum Tod.
Der Berg sollte in mehreren Etappen bestiegen werden. Die Bergsteiger gehen zum Lager 1 hoch, übernachten und kommen wieder zum Basecamp zurück. Bei der nächsten Begehung gehen sie bis Lager zwei (6400 m), übernachten und gehen wieder auf 5300?m zurück. Und so geht es immer weiter. Wir gingen also nicht nur einmal die steilen Wände des Everests hinauf, nicht zweimal, sondern drei- bis viermal. Nur das letzte Gipfelstück wird ein einziges Mal begangen. Wir wählten die Südroute zur Besteigung – es ist auch die Route der Erstbesteiger. Vom Basislager aus führt sie zunächst durch den enorm gefährlichen Khumbu Eisbruch. Gefährlich deswegen, da er ein schnell fließender Gletscher mit großen Bewegungen ist. Haushohe Eispfeiler, die „Seracs“, können jederzeit bersten. Wer den Khumbu Eisbruch zur falschen Tageszeit geht, bezahlt es unter Umständen mit dem Leben. Leider sind auch wir am Everest nicht von Katastrophen verschont geblieben.
Ein Sherpa-Team stieg am ersten sonnigen Tag, an dem sich alle Expeditionen 2006 erstmals in diese „Todesfalle Nr. 1“ hineinbewegten, durch den Khumbu Eisbruch auf, um Fixseile und Leitern zu verlegen und um Proviant in die höheren Lager zu bringen. Wärme macht die Seracs jedoch instabil und als es einen fürchterlichen Knall gab, hielt das ganze Basislager den Atem an. Ein Serac war geborsten und hat sieben Sherpas (drei Worte gestrichen) verschüttet, drei kamen ums Leben, die anderen konnten geborgen werden. Unbeschreiblich die Trauer, die das ganze Basislager zum Erlähmen brachte. Erst als die Sherpas nach einer Woche von sich aus sagten, sie würden dennoch weitermachen, kam wieder Leben auf. Vom Khumbu Eisbruch aus geht es durch das „Tal des Schweigens“, das sog. „Western Cwm“ ist ein kesselförmiges Tal, umzingelt von Everest, Lhotse und Nuptse. Wenn die Sonne in das Kar brennt, kann es trotz der Höhe von ca. 6000?m zu Temperaturen von etwa +?30 Grad Celsius kommen. Die 3?km Länge des höchsten Tales der Welt wird so zu einer mörderischen Tortur. Doch ich sehnte mich nach diesem Tal, als ich zum ersten Mal die berüchtigte Lhotse-Flanke vor mir sah. Eine 60 Grad steile Wand aus purem Eis und Schnee, die 1200?m hinauf zum Südsattel führt. Auf dem Südsattel auf knapp 8000?m befindet sich das Hochlager für die Gipfeletappe. Hier beginnt das wirklich große Gipfelabenteuer. Bis zum Jahr 2006 haben weltweit ca. 14.000 Bergsteiger versucht, den Gipfel zu erreichen, doch nur 3057 waren erfolgreich. Das heißt, nur jeder Fünfte schafft es. Über den Süd-West-Grat gelangt man zum Südgipfel, ca. 100 Höhenmeter unter dem eigentlichen Gipfel. Eigentlich ist es nicht mehr weit. Doch wenn einem hier die Sauerstoff­maske vereist, wie es mir passierte, und man genau weiß, dass ein Hinunterkommen nur dann möglich ist, wenn genügend Sauerstoff durch die Lungen fließt, wird dieser Grat zur Ewigkeit. An dieser Stelle war ich bereits so fertig – psychisch wie physisch –, dass ich eigentlich nur noch umkehren wollte. Mir war klar, dass hier die größten Katastrophen am Mount Everest passiert sind. Nicht nur Rob Hall, einer der besten Bergführer der Welt, und Hannelore Schmatz, die erste deutsche Frau am Gipfel des Mount Everest, ließen hier ihr Leben. Und zu allem Überdruss liegt noch der „Hillary Step“ vor mir, eine senkrechte Felskante, die 12?m hoch überwunden werden muss. Erst dann ist man am Ziel. Aufgrund meiner vereisten Sauerstoffmaske stieg Panik in mir hoch. Und nur meinem Gipfel-Sherpa hatte ich es zu verdanken, dass ich durch dessen Zuspruch zu neuem Mut fand und meine Angst überwinden konnte. Am 16. Mai 2006 um 6.41 Uhr stand ich am Gipfel des Mount Everest. Der höchste Punkt der Erde, mich erfasste tiefe Demut. Der höchste Berg der Erde war geschafft. Eigentlich wäre das genug. Doch ein Berg fehlte noch: der Mount McKinley in Alaska.

Mount McKinley – der Gefährlichste

Mein letzter Berg ist mit 6195 Metern der Mount McKinley, der höchste Berg Nordamerikas. Der 25. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, William McKinley, gab dem Berg seinen Namen. In Alaska jedoch, dort wo er den höchsten Gipfel der Alaskakette bildet, nennt ihn jeder: Denali, was so viel wie „der Hohe, der Große“ bedeutet. Der Denali ist in Bergsteigerkreisen aufgrund seiner extremen Wetterverhältnisse gefürchtet. Er gilt mit dem Mount Vinson in der Antarktis als kältester Berg der Erde. Immer wieder fegen Orkanstürme mit Windgeschwindigkeiten bis zu 120 km/h, bei Jetstream sogar bis zu 160 km/h über den Berg. An Schönwettertagen ist es besonders kalt am Denali. Die Temperaturen am Gipfel variieren zwischen minus 15 und minus 30 Grad Celsius, wenn der Orkan kommt, ist es noch kälter. Der Mount McKinley ist auch der Berg, den ich zweimal besteigen musste. Beim ersten Versuch im Jahr 2007 verhinderten genau diese extremen Wetterverhältnisse - anhaltender Schneefall, akute Lawinenhöchstgefahr, orkanartige Stürme und minus 25 Grad Celsius – das Erreichen des Gipfels. Umkehren. Aufgeben. Daran hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt zwar so manches Mal gedacht, aber nie getan. Es ist eine neue Erfahrung für mich. Zum ersten Mal verlasse ich einen der Seven Summits, ohne auf dem Gipfel gestanden zu haben. Dieses Umkehren-Müssen kostet mir den „Treppchen-Platz“, nämlich der dritte Deutsche zu sein, der alle Seven Summits bezwungen hat und unter den ersten 100 Seven Summiter weltweit zu sein. Doch Ziel bleibt Ziel. Und ich breche im Frühjahr 2008 erneut zur Expedition auf den Denali auf. Ich werde den „eiskalten Riesen“ auf der West-Buttress-Route besteigen. Vom Basislager (2100 m) aus führt der Weg auf Skiern durch eine Welt aus Eis und Schnee und extremer Kälte: Aufstieg zum Ski Hill, weiter zum KahiltnaPass (3000 m), Windy Corner (4100 m), ABC-Camp (4350 m) und über das Hochlager (5250 m) sowie den Denali-Paß zum Gipfel. Mindestens fünf Camps müssen errichtet werden. Dazwischen heißt es immer wieder, Lager auf- und abbauen, Schnee schmelzen, kochen, schwere Lasten tragen und ziehen, um die Ausrüstung und Verpflegung zum nächsten Lager zu bringen. Die meisten Strecken werden wie am Mount Everest zur Akklimatisation mehrfach begangen.
Am 27. Mai 2008 hat unser Team den strategischen Punkt, die 5300 Meter-Marke erreicht. Hier entscheidet es sich: Lassen die Wetterbedingungen den Aufstieg zum Gipfel zu? Zeigt sich der Denali gnädig oder nicht? Zwei Oberbayern und ein Südtiroler und machen sich auf den gefährlichen Weg. Zwei weitere Bergsteiger aus dem Team haben die Expedition aufgrund der Wettergefahren bereits abgebrochen. Doch Manfred Pongratz, Wolfgang Thomaseth und ich wollen es versuchen. Dort oben musst Du schnell sein. Trotzdem darfst Du in den stark vereisten Passagen nie die Konzentration verlieren. Die geringste Unaufmerksamkeit kann zum Absturz führen.
Die 50 bis 60 Grad steile Eisflanke zum Westgrat-Sattel liegt völlig im Schatten. Stürmischer Wind pfeift uns um die Ohren, die minus 20 Grad Celsius lassen den Atem gefrieren und machen den Bergsteigern schwer zu schaffen. Meter für Meter kämpfen wir uns in die Höhe. Manfred hatte sich bei einem Aufstieg in den Tagen zuvor Erfrierungen im Gesicht zugezogen und muss an dieser gefährlichen Stelle erkennen, dass ein weiterer Aufstieg für ihn ein allzu großes Gesundheitsrisiko bedeuten würde. Manfred kehrt um. Er hatte die richtige Entscheidung getroffen. Für die, die am Berg bleiben, bedeutet allerdings das Aufgeben eines Teammitgliedes zunächst einen moralischen Einbruch. Und es dauert eine Weile, bis man sich wieder von diesem Schock erholt hat. Doch der Berg fordert und mein Ziel liegt greifbar nahe. Vom Hochlager aus sind es acht Kilometer Wegstrecke mit 1800 Höhenmetern. Dieser Gipfeltag ist einer härtesten in meinem Leben. Noch 300 Höhenmeter bis zum Gipfel auf der „Summit Ridge“. Mit 80 bis 100 km/h bläst der eisige Wind uns zwei Gipfelstürmer beinahe vom Grat. Wir bohren die Skistöcke in den Schnee, um wenigstens etwas Halt zu finden. Mühsam geht es voran. Noch 100 Höhenmeter bis zum Gipfel. Minus 30 Grad Celsius, Windstärke ca. 100 km/h. Thomaseth und ich mobilisieren die letzten Kräfte. 14:15 Uhr, 30. Mai 2008. Ich stehe auf dem Gipfel des Denali, auf dem höchsten Punkt Nordamerikas, auf meinem letzten Gipfel der Seven Summits.

Ich habe mein großes Ziel erreicht. Mein Lebenstraum ging in Erfüllung.

Symptome der Höhenkrankheit

Man unterscheidet zwischen der akuten Bergkrankheit und dem lebensbedrohenden Höhenödem, dem Höhenlungen- und Höhenhirnödem.
// Leitsymptom der akuten Bergkrankheit ist der Höhenkopfschmerz, zusätzlich können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit, Schwäche, Schlafstörungen und
Lidschwellungen auftreten.
// Leitsymptom beim Höhenlungenödem ist ein erheblicher Leistungsknick, verbunden mit Kurzatmigkeit beim Rasten, schneller Puls und schnelle Atmung, Blaufärbung von Haut und Lippen, Husten und Rasselgeräusche beim Atmen.
// Leitsymptom beim Höhenhirnödem ist eine Sturzneigung (Koordinationsstörung), zusätzliche Symptome: anhaltende Kopfschmerzen trotz Kopfschmerzmittel, Übelkeit mit Erbrechen, Halluzinationen, „unvernünftiges Verhalten“, Bewusstseinsstörungen
Die Symptomatik ist jedoch nicht immer eindeutig zuzuordnen. Die drei Formen der Höhenkrankheit können parallel auftreten und ineinander übergehen
Bei den ersten Anzeichen von Höhenkrankheit sollte der Aufstieg abgebrochen werden. Bei anhaltenden Beschwerden muss der Abstieg erfolgen. Ist die Nachtruhe dann ohne Symptomatik verlaufen und man fühlt sich wieder wohl, kann der Aufstieg mit erhöhter Vorsicht fortgesetzt werden.

Höhentaktik am Berg

1. Komme gesund im Basislager an! Sich langsam an die fremden Gegebenheiten gewöhnen. Auf Hygiene achten! Die Versorgung mit Trinkwasser und Verpflegung kann problematisch sein.

2. Nicht zu hoch schlafen! Das Nachtlager der ersten zwei bis drei Tage sollte unter 3000 m liegen.

3. Nicht zu schnell hochsteigen! Über 3000 m soll der maximale Höhenunterschied von Schlafstelle zu Schlafstelle 300 bis 600 Höhenmeter täglich nicht übersteigen.

4. Einen zusätzlichen Akklimatisationstag einlegen! Bei höheren Tagesetappen (> 600 Höhenmeter) oder Kopfschmerzen einen zusätzlichen Akklimatisations- / Ruhetag auf der erreichten Höhe einlegen.

5. Höher steigen als die Schlafhöhe! Bei Ankunft am Schlafplatz sollte man zusätzlich weitere 100 – 200 Höhenmeter aufsteigen und dann zum tiefer gelegenen Schlafplatz zurückehren.

6. Ehrlichkeit im Team und sich selbst gegenüber! Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und andere Symptome müssen sich selbst und der Gruppe gegenüber eingestanden werden.

7. Gegenseitiges Beobachten unter den Teammitgliedern! Da Anpassungsprobleme oft ignoriert werden, sollte man sich bzgl. Krankheitssymptomen gegenseitig beobachten. (unsicherer Schritt, taumeln, Störung in der Ansprechbarkeit u. ä.).

8. Nur in gutem Gesundheitszustand weiter hochsteigen! Bei grippalen Infekten, Durchfall- und Atemwegserkrankungen sollte wegen schlechterer Ausheilungschancen und erhöhtem Risiko höhenkrank zu werden, nicht weiter aufgestiegen werden.

9. Nur aerobe Belastung während der Akklimatisation! Der Puls sollte 140 Schläge pro Minute nicht überschreiten, der morgendliche Ruhepuls keine 20 % über dem Wert von zuhause liegen.

10. Trinke ständig! Pro Tag sollten mindestens 2 – 3 Liter nichtalkoholischer Getränke konsumiert werden – eine helle Urinfärbung dient zur Orientierung (mind. 1 Liter Urinmenge täglich!).

11. In Höhen über 5300 m kurz aufhalten! Über 5300 m baut der Körper trotz optimaler Verpflegung unaufhörlich ab – man verliert sukzessive an Körpergewicht und Leistungsvermögen.

12. Sofortiger Abstieg bei Auftreten von Höhenkrankheit! Sollte eine schwere Höhenkrankheit auftreten, ist sofortiger Abstieg nötig oder ein Abtransport zu organisieren. Der Betroffene darf nicht allein gelassen werden.

Therapie bei Auftreten von Höhenkrankheit

Therapie der ersten Wahl bei einem Höhenlungen- oder Höhenhirnödem ist die sofortige Verbesserung der Sauerstoffversorgung. Dazu dienen:
* Abstieg/Abtransport um mindestens 1000 Meter
* Flaschensauerstoff
* Überdrucksack
* Medikamente / Notfallmedizin: Höhenlungenödem: Nifedipin 20 retard alle sechs bis acht Stunden Höhenhirnödem: Dexamethason 8 mg, dann 4 mg alle sechs Stunden Acetazolamit (Diamox) dient ebenfalls als Notfallmedikation – kann auch vorbeugend verabreicht werden bei einem unvermeidbar schnellen Anstieg in größere Höhen (z.B. bei einer Rettungsaktion) oder zur unterstützenden Therapie bei Höhenhirnödem
Die milde Form der Höhenkrankheit, die Akute Bergkrankheit, bedarf zur besseren Anpassung oder Ausheilung oft nur eines Ruhetages. Gegen Kopfschmerzen kann man Ibuprofen 600 mg verabreichen (max. 3 x 1 Tbl./Tag)

Weitere Infos unter www.ofz-online.de

Ausgabe MSN 1 / 2012

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2012.
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