Schulterluxation und AC-Gelenkluxation im SportAkute SchulterverletzungenNeben Verletzungen des Kniegelenkes und Sprunggelenkes sind akute Verletzungen des Schultergelenkes häufig in der sporttraumatologischen Ambulanz anzutreffen. Dominierende Sportarten sind Handball, Mountainbiken, Snowboarden und Kite-/Windsurfen. 30 % betreffen hier die Schulterluxation, die in 95 % der Fälle nach ventral gerichtet ist. In seltenen Fällen handelt es sich um eine dorsale Luxation. Eine Verletzung des AC-Gelenkes durch einen direkten Sturz auf das Gelenk selbst bzw. auf den ausgestreckten Arm ist neben der Klavikulafraktur an zweiter Stelle zu nennen. Schulterluxation Die Einteilung der Schulterinstabilität erfolgt im europäischen Raum meist nach Gerber. Je nach Richtung der Luxation und zusätzlicher Laxität werden die Sportler in unterschiedliche Gruppen eingeteilt (Tab.). Meist sind die Sportler hier in der Gruppe B2/B3 zu finden. Wesentlich für die Unterscheidung ist die klinische Untersuchung auf Hyperlaxität. Die Akutdiagnostik zeigt dorsal eine leere Pfanne mit einem ventral palpablen Kopf. Ein Plexusschaden sollte ausgeschlossen werden. Nach der Röntgendiagnostik erfolgt die schonende Reposition in den Methoden nach Hippokrates, Arlt oder Matsen. Die Luxation hinterlässt meist einen strukturellen Schaden. Die MRT-Diagnostik der traumatischen anterioren Erstluxation sollte zeitnah erfolgen, da das Hämarthros die Verletzung des Kapsel-Labrum-Komplexes sehr gut zur Darstellung bringt (Abb.1). Der Ort der Schädigung wird erfasst.
- Glenoidseitig: Bankart (Abb. 2.), knöcherner Bankart (Abb. 3), Perthes Insbesondere sollte man auf die indirekte Reposition in der ARO-Position des Armes achten. Wegen der hohen Rezidivrate (bis zu 90 %) ist operative Stabilisierung heute immer noch die Methode der Wahl. Sie wird meist arthroskopisch durchgeführt und erreicht in erfahrenen Händen eine Rezidivhäufigkeit von 5 – 7 % (siehe Abb. 4 – 7). Bei gutem Repositionsergebnis in der ARO-Aufnahme kann eine konservative Therapie im Aussenroations-Abduktions-Kissen in Erwägung gezogen werden. Ob die Ruhigstellung in Außenrotation einen Vorteil bringt, ist noch nicht endgültig geklärt. Die konservative Therapie bzw. Nachbehandlung nach Operation erfolgt nach einem speziellen Nachbehandlungsschema mit Lagerung im Ortho-Soft-Kissen für 3 Wochen. AC-Gelenksluxation Die Einteilung erfolgt nach Rockwood. Bei den Verletzungen Typ I und II handelt es sich um eine Zerrung bzw. Teilruptur der corako-klavikulären sowie acromio-klavikulären Bänder. Bei Typ III beträgt die corakoklavikuläre Distanz in der Panoramaaufnahme 25 – 100 % im Vergleich zur gesunden Gegenseite, wogegen es sich beim Typ V um eine Distanz von mehr als 100 % handelt (Abb. 8). Bei der Typ IV-Verletzung handelt es sich um eine horizontale Instabilität. Erstes Anzeichen kann hier ein etwas verbreiterter Gelenkspalt in der a.p.-Aufnahme darstellen. Es wird aber hier zusätzlich die axiale Aufnahme oder die Alexanderaufnahme empfohlen (Abb. 9). Bei der klinischen Untersuchung findet sich bei den Typ I- und II-Verletzungen ein lokalisierter Druckschmerz über dem AC-Gelenk. Bei der Typ V-Verletzung fällt ein deutlicher Hochstand der lateralen Klavikula auf, wogegen bei der Typ III-Verletzung klinisch meist kein besonderer Hochstand imponiert. Die dorsale Verschieblichkeit kann als klinisches Zeichen der horizontalen Instabilität (Typ IV) gewertet werden. Auf Zusatzverletzung muss geachtet werden. Eine MRT-Diagnostik ist meist nicht notwendig. Bei den Typ I- und II-Verletzungen erfolgt eine konservative Therapie mit Schlingenverband für 10 – 14 Tage. Es muss hier hervorgehoben, dass es sich hier um lang schmerzhafte Verletzungen handelt und dies dem Sportler bei der Erstdiagnose mitgeteilt werden sollte. Typ IV und Typ V werden operativ versorgt. Neben der klassischen Methode der Zuggurtung kommen in letzter Zeit immer mehr Fadenschlingensysteme zum Einsatz. Hier erfolgt die Reposition entweder „minimalopen“ oder in einer rein arthroskopischen Technik mit speziellen Instrumenten. Dies hat den Vorteil, dass der Zweiteingriff mit der Metallentfernung entfällt. Die Nachbehandlung erfolgt wie bei der Schulterluxation nach einem standardisierten Schema mit anfänglicher Bwegungslimitierung von 40 Grad Flexion und Abduktion. |
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