Bildgebende Verfahren der Sportmedizin - Leben ist Bewegung
Die bildgebenden Verfahren können bei Sportverletzungen und Überlastungsschäden sehr hilfreich sein. Wir haben die Möglichkeit, uns einen Überblick über den Status der Gelenke, der Wirbelsäule und der Organe zu machen. Dies kann der Vorsorge und der Planung von Trainingseinheiten dienen oder die sportlichen Betätigungen begleiten oder aber im Fall der Fälle nach einem Sportunfall mit eingetretenen Schäden die entstandenen Schäden aufdecken, die Therapieplanung unterstützen und den Heilungsverlauf begleiten.
Das konventionelle Röntgen ist und bleibt das erste Verfahren bei der Diagnostik von Verletzungen. Die Hightech-Medizin hat aber weit mehr zu bieten. Mit der Magnetresonanztomographie haben wir ein Verfahren, welches einen hohen Weichteilkontrast bietet, weit höher als bei der Computertomographie. In diesem Vorteil liegt der Schlüssel für die Anwendung der MRT bei Fragen nach Schäden an Gelenken, der Wirbelsäule, des Beckens. Der Magnet mit den Gradientensystemen ist zunächst eine große Kiste, die zur Generierung eines starken Magnetfeldes dient, um Protonen (üblicherweise
Wasserstoffkerne) auszurichten. Mithilfe von Hochfrequenzimpulsen werden die ausgerichteten Wasserstoffkerne angeregt. Kehren die Wasserstoffkerne wieder in ihre Ausgangslage, parallel zum Magnetfeld zurück, senden sie Signale aus. Und genau hier setzen die Sequenzprotokolle und Spulensysteme an. Die Gerätehersteller investieren in die Entwicklung von Spulen und neue Sequenzen. Gerade sogenannte Oberflächenspulen, die an die zu untersuchende Körperregion direkt angelegt werden, dienen dem optimalen Signalempfang. Erst die Kombination aus
dem Magneten mit den integrierten Gradientensystemen, den Sequenzen und den zur Anwendung kommenden Spulen macht eine qualitativ hochwertige MRT-Untersuchung aus.
Der Trend geht zu einer immer weiter ausgefeilten Spulentechnik in Verbindung mit Innovationen in der Sequenztechnik, die es ermöglichen, in immer kürzerer Zeit Aufnahmen mit gleicher oder höherer Auflösung und Aussagefähigkeit zu generieren.
In unserer Klinik wurde im letzten Jahr ein offenes MRT-System aufgestellt. Hierbei handelt es sich um das Panorama-MRT 1.0?T (Philips, NL), das den stärksten Magneten unter den offenen MRT-Systemen besitzt. Mit der höheren Feldstärke wird ein
besseres Signal-Rausch-Verhältnis gewonnen und zur Steigerung der Bildqualität genutzt. Hochfeldmagneten bieten gegenüber Niederfeldmagneten bei der Signalausbeute deutliche Vorteile. Hat das MR-System dann noch ein offenes Design, ist der Nachteil der beengenden Röhren von geschlossenen Hochfeldsystemen aufgehoben.
Was kann ein offenes Gerät?
Neben den gewohnten statischen Untersuchungen des gesamten Körpers und insbesondere der Gelenke, bietet das Panorama-MRT die Möglichkeit, Bewegungsabläufe zu studieren und so dynamische pathologische Prozesse direkt sichtbar zu machen.
Wir kennen verschiedene radiologische Methoden, die Bewegungsanalysen ermöglichen, z. B. die Röntgendurchleuchtung (Analyse von Instabilitäten an der Halswirbelsäule), die Kinematographie zur Abklärung von vermuteten Bandverletzungen am Handgelenk oder gehaltenen Aufnahmen am Knie- und Sprunggelenk zur Prüfung des Ausmaßes einer Instabilität nach Bandverletzungen. All diesen Verfahren ist gleich, dass sie nur indirekt auf eine Läsion, z.?B. eine Kreuzbandruptur schließen lassen. Im Unterschied dazu ist die dynamische MRT in einem offenen System in der Lage, den Bewegungsablauf mit allen morphologischen Strukturen zu erfassten und als „Film“ darzustellen. Wir können sozusagen in der Bewegung in das Gelenk hineinschauen.
Die Beteiligung der Wirbelsäule an Sportschäden auch im jugendlichen Alter ist mit 10-15?% häufig. Morphologische Veränderungen bei der Altersgruppe junger Athleten sind häufiger zu erwarten, so müssen Indikationsstellungen zur Bildgebung und Bildinterpretation angepasst werden. Das Konzept der Bewegungskette hilft bei der Bewertung von typischen Manifestationsformen von Sportverletzungen.
Der akute Bandscheibenvorfall ist ein weit verbreitetes Leiden. Konservative, interventionelle und operative Therapiekonzepte stehen bei der Frage des Langzeitverlaufes und Langzeiterfolges wieder neu zur Diskussion.
Eine Lagerung in Biegung (Inklination) wird bei einem Bandscheibenleiden an der Lendenwirbelsäule mit einer Rückverlagerung prolabierten Bandscheibenmaterials in das Bandscheibenfach in Verbindung gebracht. Damit kann die Beeinträchtigung auf den Spinalkanal und die Neuroforamen reduziert werden. Funktionsstudien in einem offenen MRT-System konnten belegen, dass das prolabierte Volumen des Bandscheibenvorfalls unter Biegung geringer als in neutraler Lage und Lagerung in Reklination war. Des Weiteren erfuhren die Patienten in endgradiger Lagerung eine Linderung der lumbalen Beschwerden.
Vielleicht können die Ergebnisse aus der Funktionsuntersuchung an der LWS bei Fragen nach der Therapiestrategie helfen.
Die Schulter ist das Gelenk mit dem größten Bewegungsumfang und in Abhängigkeit mit seiner täglichen Belastung degenerativen Prozessen ausgesetzt. Zur kompletten Evaluierung der Weichteilstrukturen des Schultergelenkes ist die MRT nahezu unumgänglich. Frische Sehnenrupturen lassen sich mit hoher Sicherheit feststellen, wobei der Beitrag einer degenerativen Vorschädigung nicht außer Acht gelassen werden kann. Gerade knöcherne Verletzungen können mit hoher Sensitivität festgestellt werden. Das konventionelle Röntgen kann gerade in der Frühphase bei der Frage nach einer knöchernen Verletzung negativ sein. Die MRT deckt eine im Röntgen nicht sichtbare Fraktur (okkulte Fraktur), eine Kontusion, eine Fissur bis hin zu verschobenen Frakturen auf.
Die belastungsassoziierten morphologischen Veränderungen an den unteren Extremitäten bei Laufanfängern bis hin zu trainierten Marathonläufern können mittels MRT verifiziert werden. Zum einen können die während des Trainings auftretenden Probleme, auf Vorschäden zurückzuführen sein. Zum größten Teil handelt es sich um laufinitiierte Schäden, welche bezüglich der Entität und der Ausprägung in der MRT am genauesten diagnostiziert werden (Stressfrakturen, Sehnenüberlastungen, Achillessehnenschmerzen). Vorbestehende Knorpelschäden und Arthrosen erfahren häufig eine quantifizierbare Verschlimmerung. Die Leistungslimitierung erhält so einen Namen, adäquate Therapiekonzepte oder Trainingsempfehlungen können erarbeitet werden. Inwieweit eine MRT der unteren Extremitäten neben einer sportmedizinischen Untersuchung bei Laufanfängern im mittleren Lebensalter vor dem Trainingsbeginn auf eine (Halb-)Marathondistanz zu empfehlen ist, sollte diskutiert werden. Drohende Schäden am Bewegungsapparat können so rechtzeitig erkannt, vermieden oder zumindest aufgeschoben werden.
Die verschiedenen Schäden und Verletzungen bedürfen einer individuellen Betrachtung, so kann das am besten geeignete bildgebende Verfahren indiziert werden, um Therapieverzögerungen zu vermeiden, aber auch unnötige Untersuchungsschritte auszuschließen. Bei diesen Fragen ist die Expertise des Radiologen entscheidend.
Dr.med. Grit Rademacher
Stichwörter:
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