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Gesundheit-2-go

Immer wieder glauben Patienten, denen eine ambulante Rehabilitation bewilligt wurde, dass sie nur eine „Reha light“ erhalten und im Vergleich zu den stationären Patienten schlechter gestellt würden. Die ambulante Rehabilitation ist allerdings eine sinnvolle und leistungsstarke Behandlungsmöglichkeit.

2001 führte die damalige SPD-Regierung die ambulante Rehabilitation ein. Seit diesem Zeitpunkt ist es möglich, tagsüber intensive medizinische Rehabilitationsmaßnahmen zu erhalten, die restliche Zeit jedoch im vertrauten Umfeld und bei der Familie zu verbringen.

*Vorteile der
ambulanten Rehabilitation*

Das vertraute Umfeld ist einer der Hauptvorteile der ambulanten Behandlung. Nicht nur, dass sich die Patienten nicht umgewöhnen müssen, es kann auch direkt auf Probleme eingegangen werden, die sich erst im Alltag zeigen. Insbesondere für Wirbelsäulen-Patienten ist es meist besser, auf der gewohnten (und im Vergleich zur Klinikmatratze hoffentlich besseren) Matratze zu schlafen. Statistiken der deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg belegen zudem, dass die Patienten in der ambulanten Reha durchschnittlich mehr Therapieeinheiten erhalten als im stationären Pendant. Wichtigstes Argument für die Kostenträger dürfte jedoch sein, dass die ambulante Rehabilitation trotz dieser intensiveren Leistungen circa 30 % günstiger ist.

Ein praktisches Beispiel

Im Reha-Zentrum Hess in Bietigheim-Bissingen nördlich von Stuttgart versorgen wir seit 2003 erfolgreich Patienten nach orthopädischen und neurologischen Erkrankungen. In der neurologischen Abteilung behandeln wir Patienten nach Schlaganfall, Schädel-/Hirnverletzungen, mit multipler Sklerose, Parkinsonsyndrom, Guillain-Barré-Syndrom sowie allen anderen zentralen oder peripheren neurologischen Erkrankungen. Unsere professionell ausgebildeten Therapeuten bieten alle gängigen klassischen und modernen Therapieverfahren an. In der orthopädischen Abteilung kümmert sich unser Team sowohl um operativ versorgte Patienten im Rahmen eines Anschlussheilbehandlungsverfahrens als auch um Patienten mit Erkrankungen im Bereich des Muskel- und Skelettsystems, welche nicht operiert wurden. Die Kombination der beiden Fachgebiete ist im Landkreis außergewöhnlich und ermöglicht weit reichende Kooperationsmöglichkeiten in einem interdisziplinären orthopädischneurologischen Team. Ergänzt wird dieses Team durch die enge Kooperation mit der nahe gelegenen Klinik und einer im Haus einliegenden Orthopädiefachgeschäft. Da das Rehazentrum über sämtliche Zulassungen der Rentenversicherung, Kassen und der BG verfügt, steht die Behandlung allen Patienten offen. Ein fließender Übergang ins „normale Leben“ ist durch die Zulassung für die ambulanten Nachsorgeprogramme gewährleistet. Da die Ärzte und Therapeuten durch ärztliche Privatpraxis, ambulante Physio-, Ergotherapie und Logopädiepraxis auch danach allen Patienten zur Verfügung stehen und zudem im angegliederten Medical Sport wie im Fitnessstudio trainiert werden kann, ist die allumfassende Versorgung, auch über Jahre hinweg, aus einer Hand gewährleistet. Die Patienten können im Alltag begleitet und unterstützt werden, je nach Bedarf mehr oder weniger intensiv. Da die Patienten durch einen Fahrservice täglich abgeholt und heimgefahren werden, gibt es im orthopädischen Bereich nahezu keine Patienten, die nicht aufgenommen werden könnten. Körperlich schwächere Patienten können z. B. auch nur 3-mal pro Woche behandelt werden und die übrigen Tage in ihrem bewährten Umfeld verbringen. Selbst eine parallele Dialysebehandlung stellt kein Hindernis dar, da die Patienten weiterhin „ihre“ Dialysepraxis aufsuchen können. Im neurologischen Bereich gibt es natürlich Patienten, die neben der Therapie eine intensive stationäre Pflege benötigen. Auch psychische Begleitfaktoren können eine stationäre Reha und somit einen „Tapetenwechsel“ erforderlich machen. Für Sportler stellt die ambulante Reha allerdings eine optimale Therapie dar. Die Behandlung kann idealerweise in enger Kooperation mit Mannschaftsarzt, Teamphysio und Trainer erfolgen, im Anschluss kann die fließende Reintegration ins sportspezifische Training garantiert werden.

Ausblick

Die Steigerung der ambulanten Rehabilitation ist dann die mobile Reha – der Therapeut kommt in den Lebensraum des Patienten und kann hier sofort die Erfordernisse erkennen und entsprechend behandeln. In diese Richtung gehende Konzepte werden momentan entwickelt.

Fazit

Ambulante Rehabilitation ist keineswegs eine Herabstufung, sondern eine meist sinnvolle Alternative zur bewährten stationären Rehabilitation. Wohnortnah ist die Weiterversorgung der Patienten aus einer Hand gegeben, die kurzen Wege zu den behandelnden Ärzten ermöglichen eine enge Kommunikation und Kooperation und die Möglichkeit der „Alltagserprobung“ gewährt eine bedarfsgerechte Therapie.

Ausgabe MSN 3 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2011.
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