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Telemedizin im Sport

Teletherapie in der Kardiologie

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologienstrahlen ­inzwischen immer spürbarer auf die sportmedizinische Praxis aus. ­Besonders in der Kardiologie ist die Telemedizin weit fortgeschritten und demonstriert innovative telethera­peutische Verfahren im Bereich der Rehabilitation und Prävention.

Die Teletherapie mit begleitendem Ergometertraining stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, Patienten im häuslichen Umfeld durch qualifizierte sporttherapeutische Expertise dauerhaft zu unterstützen. Die Probleme der traditionellen stationären Rehabilitation, die Befolgung ärztlicher Anweisungen und die damit ebenso verbundene langfristige Sicherung des Therapieerfolgs stehen hier vor einer Lösung. Gerade deshalb muss die Durchdringung der Telemedizin in die sportmedizinische Alltagspraxis beschleunigt werden.

Zu den Telemedizin-Pionieren in Deutschland gehört das AUTARK-Programm des Instituts für angewandte Telemedizin (IFAT) in Bad Oeynhausen:
Wir wissen heute, dass insbesondere ein hoher Blutdruck, Übergewicht, ­Hypercholesterinämie, Bewegungsarmut und ein Diabetes mellitus zum ­Risikopotenzial der Arteriosklerose gehören. Die Folge sind Erkrankungen, die oftmals aufwändige Eingriffe unter Einsatz der Herz-Lungenmaschine erforderlich machen. Allein eine regel­mäßige körperliche Aktivität in Form von Ausdauersport ist ein wegweisendes Konzept, um Gefäßerkrankungen vorzubeugen. Sportliche Betätigung hilft Menschen auch dann, wenn sie bereits erkrankt sind, häufig sogar besser als teure Tabletten und Hightech-Medizin. Zum anderen berichten Patienten, dass sie sich nach körperlicher Aktivität deutlich wohler fühlen. Wichtig ist, dass Bewegungskonzepte zur Akzeptanz in das häusliche und soziale Umfeld der Betroffenen getragen werden müssen. Kontrollierte Studien haben gezeigt, dass nach Eingriffen wegen Herz-/Kreislauferkrankungen eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit über geplante körperliche Trainingsprogramme erzielt werden kann. Allerdings ist das heutige kardiologische Rehabilitationswesen auf 3–3,5 Wochen ausgelegt, danach verlieren sich häufig die erworbenen Fähigkeiten. Untersuchungen ergaben, dass ambulante kardiale Rehabilitationsmaßnahmen in der Lage sind, die körperliche Belastbarkeit der Patienten signifikant zu steigern und Risikofaktoren wie erhöhter LDL-Cholesterinspiegel und Triglyzeride zu senken.

Im Konzept AUTARK (Telemedizinisch basierte ambulante Rehabilitation nach Koronar-/Klappen-Operationen) werden Patienten sieben Tage nach den Eingriffen am Herz-/Kreislaufsystem in ein telemedizinisches Programm eingewiesen. Die Patienten werden kardiologisch untersucht und bekommen ein individuelles Ergometer-Trainingsprogramm, das sie auf ihrem zur Verfügung gestellten Ergometer täglich und telemedizinisch betreut 12 Wochen lang absolvieren. Während dieser 12 Wochen wird der Patient nach 3, 6 und 9 Wochen beim niedergelassenen Arzt kontrolliert. Zusätzlich wird ein regelmäßiges Präventionsprogramm telemedizinisch abgearbeitet, sodass das erlernte Trainingsprogramm zu Hause direkt umgesetzt wird und eine regelmäßige ­Anwendung erfährt.

Bei dieser ambulanten Rehabilitation von inzwischen mehr als 400 Patienten am IFAT, bei der alle Patienten zu Hause trainiert und sich selbst in häuslicher Umgebung versorgt haben, konnte eine Kostenreduktion von annähernd 50?% im Vergleich zu den stationären Rehabilitationskosten erreicht werden. Die Patienten waren nach dem 12-wöchigen Trainingsprogramm deutlich besser belastbar im Vergleich zu stationär rehabilitieren Patienten. Sie konnten höhere Leistungen mit niedrigerem Puls durchführen, es konnte eine medikamentöse Reduktion begonnen werden und das Risikoprofil war positiv beeinflusst. Dieser Erfolg konnte auch noch nach 6 bzw. 12 Monaten nachgewiesen werden und verdeutlicht sowohl die Qualitätsverbesserung als auch die Wirtschaftlichkeit der Telemedizin, eine Entwicklung,
die eine gesundheitspolitische Neuorientierung ­herausfordert.

Dr. med. Heinrich Körtke

Stichwörter:
ehealth telemedizin sportmedizin

Ausgabe MSN 1 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2009.
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