|
Sportmedizin
>
Schwangerschaft und Sport
Schwangerschaft und SportEin Widerspruch, eine Aufforderung, ein Muss?!Es gibt besondere Situationen, in denen man (frau) sich nicht recht traut, Sport zu treiben. Aus Angst, eine bestehende Situation könnte sich verschlechtern oder einfach aus Unsicherheit, weil die möglichen Folgen sportlicher Aktivitäten nicht klar abschätzbar erscheinen. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit Schwangerschaften. Es gibt Vorbehalte gegen sportliche Aktivität in der Schwangerschaft. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch seitens der Ärzte wird Schwangerschaft zum Teil immer noch als eine vor allem mit Funktionseinschränkungen, Beschwerden und Gefahren für Mutter und Kind verbundene Zeit angesehen. Das Wissen um die weit überwiegenden positiven Effekte sportlicher Aktivität auch während der Schwangerschaft ist noch nicht bei allen, die es betrifft verankert. Ziel dieses Artikels ist es, inhaltliche Grundlagen zu vermitteln, Bedenken abzubauen und einige praktische Hinweise zu geben. Bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel finden im mütterlichen Organismus deutliche Veränderungen statt, die die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen:
- Steigerung der Herzfrequenz, erhöhtes Herzminutenvolumen
Frauen, die bereits vor Eintritt der Schwangerschaft regelmäßig Sport betrieben haben, möchten während der der Schwangerschaft nicht darauf verzichten. Sie möchten sich auch in dieser Zeit ihr Lebensgefühl und ihre körperliche Fitness erhalten. Leistungssportlerinnen können sich mit einer mehr oder weniger deutlichen Reduktion des Ausmaßes der sportlichen Aktivität gegen Ende der Schwangerschaft abfinden. Dennoch geht es Ihnen darum, während der Schwangerschaft ein bestimmtes Niveau ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten und möglichst nach der Entbindung wieder den Einstieg in ihre sportliche Karriere zu finden. IOM-Empfehlungen zu BMI und Gewichtszunahme in der Schwangerschaft:
- Untergewicht vor der Schwangerschaft (nach IOM ein BMI unter 20): zwischen 12,5 und 18 kg Gewichtszunahme Regelmäßige sportliche Aktivität führt zu einer Verbesserung der psychischen Befindlichkeit, der Stimmung und des Wohlbefindens. Depressive Gestimmtheit, Angstzustände und Stressempfinden werden reduziert. Insgesamt trägt sie zu einer Verbesserung des Körperbildes und des Selbstwertgefühles bei. Risiken senken
Der Gestationsdiabetes mit dem Risiko des wiederholten Auftretens auch in zukünftigen Schwangerschaften und dem grundsätzlichen Risiko im weiteren Leben einen manifesten Diabetes mellitus zu entwickeln, hat in Deutschland eine Prävalenz von 5 – 10 %. Sport sowohl während als auch vor der Schwangerschaft wirkt hier präventiv. Das Risiko für die Entwicklung eines Gestationsdiabetes kann um 30 – 70 % reduziert werden. Vor allem Übergewichtige profitieren auch bei bereits bestehendem Gestationsdiabetes von regelmäßigem Ausdauertraining. Insbesondere bei Beanspruchung großer Muskelgruppen wird die Glucoseaufnahme in die Zellen verbessert und die Insulinsensitivität erhöht. Eine Insulintherapie kann somit vielfach vermieden oder deren Beginn hinausgezögert werden. Bewegungsaktive Schwangere haben ein reduziertes Risiko, eine Präeklampsie zu entwickeln im Vergleich mit Frauen die in den ersten 20 SSW keiner regelmäßigen körperlichen Aktivität nachgingen. Allerdings gelten eine bestehende Präeklampsie oder ein schlecht eingestellter Hypertonus als Kontraindikation. Kontraindikationen für sportliche Betätigung in der Schwangerschaft (nach ACOG, SOGC, CSEP und Bung/Hartmann ) Absolute Kontraindikationen schwangerschaftsbezogen:
- vorzeitige Wehentätigkeit internistisch:
- hämodynamisch relevante Herz-Kreislauferkrankungen Vorsicht ist geboten/relative Kontraindikationen schwangerschaftsbezogen: - Intrauterine Wachstumsretardierung internistisch:
- Anämie Warnsymptome, bei denen die Aktivität unmittelbar abgebrochen werden muss
- Vaginale Blutung Praktische Hinweise Bei der sportlichen Betreuung Schwangerer ist es von besonderer Bedeutung. das richtige Maß zu finden. Ausmaß und Belastungsintensität müssen den Fähigkeiten der werdenden Mutter angepasst sein. Ziel ist es nicht primär, eine maximale Leistung zu bringen, sondern Ausdauer und Beweglichkeit zu trainieren, zu erhalten oder auszubauen. Wichtig ist, dass die Aktivität und ein eventuell bestehender Trainingsplan flexibel genug gestaltet sind, um bei Beschwerden jederzeit angepasst zu werden. In idealer Weise und vor allem mit zunehmendem Gestationsalter geeignet sind Sportarten im Wasser. Gut geeignet und empfehlenswert sind
- Aquagymnastik, Aquafitness, Aquajogging, Aquaspinning Mäßig geeignet, je nach Vorerfahrung sind
- Schnorcheln Ungeeignet und zu vermeiden sind
- allgemein: „high-impact-exercise“ Sportarten Empfohlene Herzfrequenzen während des Ausdauertrainings (nach RCOG Statement, Guidelines der SOGC und Korsten-Reck) Alter der Schwangeren/Angestrebte Herzfrequenz [Schläge/min] Unter 20/140 - 155 20 - 29/135 - 150 30 - 39/130 - 145 über 40/125 - 140 Die angestrebte Herzfrequenz für untrainierte oder übergewichtige Frauen sollte über die HF-Reserverate (HFmax – HFruhe) berechnet werden und ? 60 % Ruheherzfrequenz liegen. Das Training kann außerdem individuell über % HFRuhe und den Belastungsgrad nach der Borg-Skala gesteuert werden. Letzterer sollte zwischen 12 und 14 liegen. Für die Wiederaufnahme des Trainings nach der Entbindung sollte der Abschluss des Wochenbettes abgewartet werden. Dringend zu empfehlen ist die Teilnahme an einer kompetent geleiteten Rückbildungsgymnastik und einem Beckenbodentraining. 6 – 8 Wochen nach der Entbindung kann dann mit dem ersten lockeren Schwimmen, Walken, Radfahren begonnen werden. Fazit Je besser betreuende Frauenärzte, Hebammen und auch Allgemeinärzte über den Nutzen sportlicher Aktivität in der Schwangerschaft informiert sind, desto leichter können sie den Schwangeren Anregung und explizite Anleitung zu sportlicher Aktivität geben. Auf diese Weise werden sie zur Verbesserung des Wohlbefindens ihrer Patientinnen, des Schwangerschaftsverlaufes und der Entbindung beitragen. Außerdem kann die Verbesserung der Situation einiger schwangerschaftstypischer Risikokonstellationen erreicht werden. Literatur
[1] Informationsflyer der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention:http:/ Foto: © Dr. med. Susanne Weber |
Ausgabe MSN 3 / 2012Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download Der Autor:Weitere Artikel online lesen |



