Prävention im Fußball
Fußball ist eine der beliebtesten Sportarten der Welt. Allein in Deutschland sind über 6 Millionen Mitglieder in über 26000 Sportvereinen organisiert. Sowohl im Profi- als auch im Amateurbereich tritt eine Fülle von Verletzungen auf. Meistens ist die untere Extremität betroffen. Pro 1000 Spielstunden kommen ca. 30 Verletzungen vor. Im Training werden ca. 6 Verletzungen pro 1000 Trainingsstunden beobachtet.
Bei großen Turnieren, wie Fußballweltmeisterschaften, liegt die Inzidenzrate für Verletzungen pro 1000 Matchstunden mit ca. 69 deutlich höher (Dvorak J. et al.: Br J Sports Med, 2007). Etwa 2/3 aller Verletzungen sind akut, während 1/3 auf Überlastungsschäden zurückgeführt werden können. Die Verletzungsvermeidung im Fußball, speziell im Profibereich, ist eine wichtige Aufgabe für die Trainer und die medizinischen Abteilungen. Es konnte ferner mit einem gezielten Präventionsprogramm der FIFA gezeigt werden, dass die Anzahl von Verletzungen im Fußball deutlich verringert werden kann. So zeigte sich anhand einer umfangreichen Analyse von FIFA Weltmeisterschaften, dass 85 % der Verletzungen im Profibereich durch Körperkontakt mit anderen Spielern verursacht wurden. Die häufigsten Verletzungen im Spielbetrieb werden zwischen der 31. und 45. Minute bzw. der 76. und 90. Minute beobachtet. Die Schiedsrichter haben jedoch nur in 47 % der Fälle auf Foulspiel entschieden. Allein durch Interventionen auf der Ebene des Schiedsrichterwesens konnte ein Rückgang von Kopfverletzungen von 50 % verzeichnet werden. Im Amateurbereich treten ca. 70 % aller Verletzungen ohne Gegnerkontakt auf. Dies spricht dafür, dass andere Maßnahmen (z.B. konsequent durchgeführtes Trainingsprogramm) notwendig sind, um Verletzungen zu vermeiden.
Verletzungsverteilung:
> Hamstrings (ca. 20 %)
> Sprunggelenk (ca. 17 %)
> Kniegelenk (16 %)
> Unterschenkel- (14 %) und Leistenregion (11%)
Verletzungsmanagement
Kommt es zu einer Verletzung, müssen zwei wichtige Ziele verfolgt werden:
1. Eine möglichst schnelle Wiederherstellung der Spielund Wettkampffähigkeit
2. Die Vermeidung von Rezidivverletzungen
Um diese Ziele umsetzen zu können, sind eine exakte Diagnosestellung und eine schnelle Einleitung der entsprechenden Therapieverfahren notwendig. Dabei steht die klinische Untersuchung an erster Stelle, wobei die Untersuchungsumstände zu berücksichtigen sind. Die Erstuntersuchung auf dem Feld stellt eine Ausnahmesituation dar. Eine möglichst genaue Rekonstruktion des Verletzungsereignisses ist bereits wegweisend für das weitere Vorgehen. In einer Wettkampfsituation ist die erste grobe Einordnung der Schwere der Verletzung zunächst wichtig, um entscheiden zu können, ob der Spieler weiterspielen kann oder sich ein Ersatzspieler für den Einsatz vorbereiten sollte. Dies ist dem Trainer sofort zu signalisieren. Im weiteren Verlauf werden dann die entsprechenden Erstmaßnahmen eingeleitet. Eine gute Erstversorgung verkürzt den Heilverlauf deutlich. Für die weiteren klinischen Untersuchungen sollten die entsprechend notwendigen bildgebenden Verfahren (z.B. Sonografie, MRT, Röntgen oder CT) angeschlossen werden, um die Diagnose zu untermauern. Wenn sich ein Spieler verletzt hat, besteht die erhöhte Gefahr einer Rezidiv- oder Neuverletzung. Mit einem systematischen Aufbautraining kann das Risiko für eine Rezidivverletzung um ca. 66 % reduziert werden (Hägglund M. et al.: AJSM, 3/2007).
Wann ist der Spieler wieder fit?
Eine grobe Orientierung zur Schwere einer Verletzung gibt die Literatur. Es werden kleine (1–3 d, kein Mannschaftstraining (MT)), milde (4–7 d, kein MT), moderate (8–28 d, kein MT) und schwere Verletzungen (> 28 d, kein MT) unterschieden. Diese Einteilung entbehrt nicht der Erfahrung des Mannschaftsarztes oder Physiotherapeuten. Die klinischen Untersuchungen des Arztes stehen bei der Verlaufskontrolle stets im Mittelpunkt. Darüberhinaus ist die sonografische Diagnostik als dynamische, bildgebende Diagnostik sehr gut geeignet, um den Verletzungsverlauf zu begleiten. Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen sind maßgeblich für die weitere Prognose des Spielerausfalls. Die Nachbehandlung einer Verletzung sollte frühfunktionell nach Maßgabe von Schwellung und Schmerzen gestaltet werden. Je schwerer die Verletzung ist, desto häufiger sollte der Spieler vor Wiedereintritt in die Wettkampfspiele mit der Mannschaft trainieren und ggf. auch schon Testspiele absolviert haben.
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