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Betrachtung des Laufstils unter sportwissenschaftlich-biomechanischen Aspekten

Laufanalysen werden heutzutage in jedem besseren Laufshop angeboten. Bei jedem Laufschuhkauf ist eine Analyse der Interaktion „Fuß-Schuh“ in Bewegung angebracht. Dies ist neben dem Wohlfühl-Faktor der zweitwichtigste Faktor beim Laufschuhkauf. Eine kompetente objektive Analyse des Laufstils stellt sicher, dass einerseits der Schuh zum Laufstil passt und andererseits Fehler im Laufstil aufgedeckt werden.

Je nach Literaturquelle liegt die Zahl der verletzten Freizeitläufer pro Jahr zwischen 30 – 50 % (laufassoziierte Beschwerden am Bewegungsapparat). Ob die Verletzungen aufgrund von falschen Bewegungsabläufen oder Überlastungsreaktionen entstehen, ist statistisch nicht eindeutig differenziert. Seit 2005 werden im Bewegungsanalyselabor des Orthopädischen Spitals Speising regelmäßig Laufanalysen bei Hobbysportlern durchgeführt. Hier zeigt sich, dass ein Großteil jener Sportler mit Beschwerden, die zur Laufanalyse kommen, primär ihren Trainingsumfang zu rasch gesteigert bzw. die körperlichen Grundvoraussetzungen nicht mitgebracht hat. Eine biomechanisch-sportwissenschaftliche Analyse beinhaltet neben der Erfassung des Laufstils auch eine Testung der Muskelfunktionen und Kraftvoraussetzungen. Auch eine umfassende Anamnese der bisher gesetzten Trainingsbelastungen bzw. der Beschwerdegeschichte ist eine Voraussetzung für eine gut durchgeführte Laufstilanalyse. Bei der Beurteilung des Laufstils ist es besonders wichtig, auch die Ziele des Sportlers zu kennen. Betreibt jemand den Laufsport, um sich körperlich fit zu halten und hegt keinen Wettkampfgedanken, so sind gewisse technische Fehler in der Bewegungsausführung wie die Armführung durchaus zulässig. Spielt jedoch der Wettkampfgedanke eine entscheidende Rolle, so ist jede technisch nicht einwandfrei ausgeführte Bewegung hinderlich in der Leistungssteigerung. So sollten bei einer guten Laufanalyse nicht nur die Interaktion Fuß-Schuh getestet werden, sondern auch die Bewegungen des gesamten Körpers. Idealerweise werden hier Videoaufnahmen von vorne, hinten, links und rechts durchgeführt. Bei der Beurteilung des Laufstils auf einem Laufband muss darauf geachtet werden, dass sich der Läufer einerseits ausreichend aufwärmen konnte und andererseits auch genügend Zeit hatte, sich an das Laufband und dessen Eigenheiten zu gewöhnen. Studien haben gezeigt, dass eine Einlaufzeit von mindestens sechs Minuten gegeben sein muss, damit ein Laufstil annähernd dem der Ebene erreicht werden kann. Speziell bei unerfahrenen Laufbandläufern kann sich die Einlaufzeit auch erhöhen, bis ein gleichmäßiger rhythmischer Laufstil erreicht wird.

Setup einer Laufbandanalyse

Herkömmliche Videokameras besitzen eine Aufnahmefrequenz von 50 Hz. Bei der Betrachtung des Aufsetzverhaltens reicht diese zeitliche Auflösung jedoch nicht immer aus, um eine genaue Analyse der Teilbewegungen durchzuführen. Deshalb ist es sinnvoll, Kameras mit einer höheren Aufnahmefrequenz einzusetzen. Je höher die Laufgeschwindigkeit, desto höher sollte die Aufnahmefrequenz des Aufnahmesystems gewählt werden. Kommerziell einsetzbare, bezahlbare Messsysteme liefern mit einer Aufnahmefrequenz von 200 Bildern pro Sekunde gute Detailaufnahmen der einzelnen Bewegungszyklen beim Laufen. Die beiden Kameras von dorsal arbeiten mit unterschiedlichen Aufnahmefrequenzen. Die Detailaufnahmen vom Fuß- und Unterschenkelbereich werden mit 200 Hz gefilmt, die Gesamtkörperaufnahme von hinten wird mit einer herkömmlichen Videokamera evaluiert. Die Aufnahmen von links bzw. rechts werden mit einer 200 Hz- bzw. einer herkömmlichen Videokamera aufgenommen. Von vorne filmt zusätzlich eine 100 Hz- Kamera, fokussiert auf den Kniebereich bei der Laufbewegung. Dieses Kamerasetup stellt eine optimale Konfiguration für Laufanalysen dar. Der Vorteil von Analysen im Labor liegt imstandardisierten Umfeld, die Kameraeinstellungen, Kamerapositionen lassen sich optimal gestalten und sind nicht von witterungstechnischen Einflüssen wie Veränderung des Lichts betroffen.

Unterschiede in der Laufbewegung in der Ebene oder am Laufband

Es gibt eine Vielzahl von Studien, die sich mit dem Bewegungsmuster am Laufband und in der Ebene beschäftigt haben. Diese Vergleichsuntersuchungen sind jedoch nicht einheitlich im Ergebnis. Manche berichten von einer gesteigerten Schrittanzahl, einer reduzierten Schrittlänge, einer reduzierten Knieflexion, andere beschreiben keine Veränderungen oder teilweise sogar gegenläufige Veränderungen zum zuvor Genannten. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass Sportlern eine genügend lange Einlaufzeit gewährt wird, um sich an das Laufband zu gewöhnen. Die Oberkörpervorlage wird in fast allen Studien als eine Veränderung am Laufband beschrieben. Dies ist damit zu erklären, dass der Sportler versucht, den Laufuntergrund mit dem Auge zu erfassen und dies ist nur mit einer gewissen Oberkörpervorneigung möglich.

Die Analyse

Neben der Betrachtung des Laufstils im mitgebrachten Laufschuh ist auch eine Begutachtung der Lauftechnik beim Barfußlaufen sinnvoll. Hier wechseln über 90 % der Fersenläufer auf den Vorfußlauf. Nach einer Einlaufzeit wechselt ein Teil der Läufer wieder auf den Fersenlauf zurück. Trotzdem lässt sich gut erkennen, wie sich das Abrollverhalten und die Fußstellung in der mittleren Stützphase darstellen und ob der Schuh eine ausreichende Führung / Unterstützung gewährleistet. Bezüglich des Laufstils gibt es eine Vielzahl verschiedener Ansichten; ob nun der Fersenlauf, der flache Fußaufsatz oder der Vorfußlauf propagiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits von der gewählten Laufdistanz / Disziplin, andererseits auch von den individuellen Präferenzen des jeweiligen Läufers und seinen körperlichen Voraussetzungen. In manchen populärwissenschaftlichen Artikeln ist zu lesen, dass der Fersenaufsatz eine starke Bremskraft aufweist, der Vorfußlauf jedoch nicht. Diese Aussage trifft jedoch nur auf den Sprint bzw. auf den Fußaufsatz hinter dem Körperschwerpunkt zu. Sobald der Fußaufsatz vor dem Körperschwerpunkt stattfindet, entsteht eine Bremskraft. Je nach Fußaufsatztyp verlagern sich die Belastungssituationen. Der Vorfußaufsatz bedeutet eine erhöhte Belastungssituation in der Achillessehne bzw. Wadenmuskulatur und im Sprunggelenk.

Wie beurteilt man nun den Laufstil?

Die Beurteilung des Laufstils hängt von der Zielvorgabe (Leistungsgedanke, Laufen für das allgemeine körperliche Wohlbefinden, Abnehmen usw.) ab. Läuft jemand, um sein körperliches Wohlbefinden zu steigern, spielt die Durchführung des Armeinsatze seine untergeordnete Rolle. Je nach Fußaufsatz sind gewisse Gelenksstellungen bereits vorgegeben, wenn jedoch eine zu starke Kniebeugung in der mittleren Stützphase auftritt, sollte der Laufstil korrigiert werden. Somit bedeutet eine Beurteilung des Laufstils auch, die Ziele des Läufers zu kennen, um dementsprechende Empfehlungen abgeben zu können. Winkelangaben zu einzelnen Zeitpunkten sind hilfreich bei der Analyse, jedoch ist der Verlauf der Gelenkswinkel viel interessanter. Messungen wie die Stellung der Ferse in der mittleren Stützphase geben zwar eine Auskunft, jedoch ist zu beachten, dass diese geringen Winkelveränderungen mit herkömmlichen Videokameras nur schwer erfassbar sind. Im Bereich des Laufschuhs etablierten sich in der letzten Zeit immer mehr Laufschuhe, die die natürliche Abrollbewegung so gut wie möglich zulassen. Hier sind die Begriffe „Natural Running Shoe“ und „Barefoot Running Shoe“ die aktuellen Trends. Diese Schuhtypen sind eine gute Wahl, wenn keine Fehlstellung/Fehlbewegungen bestehen, ansonsten muss versucht werden, mittels richtiger Schuhwahl und/oder zusätzlicher Einlagen gegenzusteuern.

Fazit

Laufanalysen helfen, eine Optimierung des Laufstils durchzuführen, sind hilfreich bei der Überprüfung der gewählten Laufschuhe und sollen immer eine Analyse des gesamten Körpers beim Laufen beinhalten.

Literatur beim Autor

Ausgabe MSN 3 / 2012

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2012.
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