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Herzfrequenzvariabilitätsmessung - Lebensstilberatung - H

Die Herzfrequenzvariabilitätsmessung (HRV) zur Begleitung von Empfehlungen für Freizeit- und Gesundheitssporttreibende im Training und Alltag

Im Rahmen der gesundheitsorientierten Lebensstil­beratung ist die Herstellung eines optimalen Gleichgewichts zwischen Aktivität und Ernährung ein wesentliches Ziel.

Dazu bedarf es einer sport- und ernährungsmedizinisch sowie sportwissenschaftlich fundierten Diagnostik und Erfassung eines umfassenden und objektiven Ganzkörperstatus des Sporttreibenden. Aus der Ana­lyse der Gesamtergebnisse heraus können präzise Empfehlungen zur Trainingssteuerung und Energieregulation im Alltag und unter Trainings- und Wettkampfbedingungen abgeleitet werden.
Eine professionelle Lebensstilberatung bedarf einer ausführlichen Anamnese und standardisierten Erfassung des ­Aktivitäts- und Ernährungsstatus. Zusammen mit zusätzlichen, fundierten Untersuchungsmethoden können schließlich konkrete und individuelle Empfehlungen für den Sporttreibenden ausgesprochen werden. Zunehmend bedeutend für eine professionelle Beratung ist auch die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität (Heart Rate Variability, HRV) nach einem wissenschaftlich evaluierten System. Während Messungen zur Energiebereitstellung im Sinne der Leistungsdiagnostik fast immer ange­boten werden, fehlen meist die wichtigen Aussagen zur vegetativen Regulation über HRV-Messungen. Dabei lassen sich über die HRV-Analyse zusätzlich zur Leistungsdiagnostik wichtige Trainings- und Gesundheitsempfehlungen ableiten.

Voraussetzung für Trainings- und Gesundheitsempfehlungen ist eine valide und repräsentative Methode zur HRV-Analyse. Nur so lässt sich das ­Zusammenspiel vom sympathischen und parasympatischen Nervensystem reproduzierbar abbilden. Grundlage der HRV bilden die fortlaufend gemessenen zeitlichen Abstände zwischen zwei jeweils aufeinander folgenden Herzschlägen. Nach der üblichen Definition ist die Herzfrequenz ein auf die Dauer von 60 Sekunden bezogener Wert (Schläge/min), der allerdings mit den intermittierenden Zeitintervallen von Schlag zu Schlag schwankt. Große zeitliche Schwankungen zwischen zwei Herzschlägen sprechen für eine ausgeprägte Variabilität der Herzfrequenz, minimale Schwankungen für eine geringe Variabilität; die intermittierenden Intervalle bewegen sich im Bereich von nur wenigen Millisekunden. Über die sogenannte „Frequenzdomäne“ wird die Qualität dieser Schwankungen mit dem mathematischen Verfahren der „Fast Fourier Transformation“ erfasst und einer Schwingungsfrequenz zugeordnet.

Die Analyse der HRV misst und beurteilt so die elektrischen Impulse, die vom Nervensystem ausgehen; sie unterscheidet dabei einerseits zwischen hochfrequenten elektrischen Impulsen des Parasym­pathikus (HF; 0,15–?0,5 Hz), die z. B. zu einer Absenkung der Herzfrequenz in Ruhe führen. Andererseits werden die Impulse des Sympathikus mit niederer Frequenz erfasst (LF; 0,05–?0,15 Hz), die z. B. eine Anhebung der Herzfrequenz bewirken. Anhand der Variabilität, d. h. anhand der Reaktion des Herzens auf die autonome Steuerung, kann man nun die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus an innere und äußere Einflüsse sichtbar machen und in einem definierten Kurzzeittest (15-minütiger Lagewechseltest: T1-liegend, T2-stehend, T3-sitzend) auch beurteilen. Die HRV zeigt individuelle Ergebnisse, die vom Alter, Geschlecht, Trainingszustand und der genetischen Disposition abhängig sind. Zudem kann zwischen Ruhe- und Stresssituationen sowie nach Art und Intensität der Trainingsaktivität in der HRV differenziert werden. Ein Mensch mit optimalem Lebensstil weist eine HRV mit guten Absolutwerten (Total Power) und einem guten Verhältnis von sympathischen und parasympathischen An­teilen (Relative Power; LF-/HF-Quotient) auf. Im Altersverlauf und bei schlechtem Fitnesszustand sinkt nicht nur die „Total Power“, sondern auch die Fähigkeit der Herzfrequenzanpassung und damit ihre ­Variabilität; der LF-/HF-Quotient verändert sich ungünstig und steigt an.

Wo gibt es eine maßgeschneiderte Lebensstilberatung für Sport­treibende?

Die oben genannten Anforderungen für eine qualifizierte Beratung zur Trainingssteuerung wie auch zum Lebensstil werden zunehmend in spezialisierten Zentren berücksichtigt und umgesetzt. Auch das neu etablierte Institut für Präventive Medizin (IPM) Freiburg sieht seinen Schwerpunkt in einer individuellen Erfassung von Daten zum ­Aktivitäts- und Ernährungsstatus sowie von Kenngrößen der Stoffwechselregulation in Ruhe und unter Belastung. ­Hierdurch sollen einerseits gesundheitsschädliche Bedingungen wie Übertraining, Burn-Out-Syndrom, Underperformance-Syndrome erkannt und therapiert, andererseits aber auch krankmachende Verhaltensweisen wie Fehlernährung und Aktivitätsmangel einer adäquaten Verhaltensänderung zugeführt werden. Ziel für die Zukunft muss es sein, weitere multidisziplinäre Kompetenzteams aufzubauen, die ärztliche Leistungen aus dem Bereich der Inneren Medizin einschließlich der Kardiologie sowie aus der Sport- und Ernährungs­medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Gastroenterologie anbieten. Begleitet werden sollten diese Leistungen von ­Angeboten zur Verhaltenspsychologie, Sporttherapie, Gesundheitsförderung und Ernährungsberatung.

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Aloys Berg:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6905

Stichwörter:
Herzfrequenzvariabilit

Ausgabe MSN 5 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 5 / 2009.
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