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Depression - Das dunkle Loch
Depression - Das dunkle LochDurch den tragischen Tod des Nationaltormannes Robert Enke ist plötzlich eine Thematik in den Blickpunkt der Öffentlichkeit getreten, die bisher unter den Teppich gekehrt wurde: die Depression. Schon bei „normalen“ Menschen ein Tabu-Thema, passt diese Krankheit schon gar nicht zum Bild eines erfolgreichen Spitzensportlers: strahlend, erfolgreich, stark und in perfekter Verfassung - ein Idol für viele.
Diametral dazu zeigen sich Befinden und Symptome eines depressiven Menschen: Betroffene sind niedergeschlagen und ohne (Lebens-)Freude. Sie sind unentschlossen und interessieren sich für nichts. Ihre Gefühlswahrnehmung ist deutlich reduziert. Neben dem fehlenden Antrieb können auch Denkbarrieren und Konzentrationsschwächen mögliche Symptome sein. Körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Herzrasen, Kopf- und Magenschmerzen, Appetitstörungen und gestörtes sexuelles Verlangen sind typische Symptome, wie sie fast immer bei Depressionen auftreten. In weiterer Folge finden sich ein vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, innere Leere, Traurigkeit bis hin zu Selbstmordgedanken. Hohes Risiko Die Chancen, an einer Depression zu erkranken, sind relativ hoch: man kann davon ausgehen, dass 20 % der Bevölkerung mindestens einmal im Leben an einer Depression erkranken. Genau diese Zahlen betreffen auch Leistungssportler. Nach einer aktuellen Studie der Universität Tübingen klagt jeder fünfte über gelegentliche Depressionen. Dies ist bei näherer Betrachtung auch nicht verwunderlich. Der Leistungsdruck, der gerade auf dem Profisportler lastet, ist ungeheuer hoch. Medien und Gesellschaft haben eine hohe Erwartungshaltung. Als Person öffentlichen Interesses kann der Sportler sehr schnell sehr hoch im Ansehen steigen, wenn die Leistung aber aus irgendeinem Grund nicht mehr ganz perfekt ist, ist der Fall, oder zumindest das Desinteresse genauso plötzlich. Das ist gerade für die besonders Erfolgsverwöhnten nicht leicht zu verkraften. Dazu kommt, dass Sportler ja auch rein körperlich bis an die äußersten Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gehen müssen. Ein derart beanspruchter Organismus hat dann natürlich weniger Reserven, um verschiedene andere Belastungen ausgleichen zu können. Gründe und Therapie
Die Ursachen sind mindestens so vielfältig wie die Symptome. Als relativ gesichert gelten eine gewisse genetische Veranlagung und ein Zusammenhang zwischen Stressbelastung und dem Auftreten einer Depression. Dafür spricht, dass die Spiegel des Stresshormons Cortisol in Blut und Harn in den meisten Fällen erhöht sind. Fazit Zusammenfassend ist zu sagen, dass die öffentliche Diskussion über dieses Thema sehr deutlich vor Augen geführt hat: Depressionen sind kein Zeichen von Schwäche oder Disziplinlosigkeit oder persönlichem Versagen. Sie sind auch nicht zwingend Folgen von äußeren Ereignissen oder inneren Wahrnehmungen. Sie können jeden treffen und machen auch vor den Stärksten nicht Halt. Sie sind keine Schande und professionelle Hilfe ist in vielen Fällen möglich und erfolgreich. Wenn diese Botschaft den Weg in das allgemeine Bewusstsein findet und mit Selbstverständlichkeit thematisiert wird, kann das dem tragischen Tod von Robert Enke ein wenig von der ohnmächtigen Verzweiflung nehmen, die dieses Ereignis in der Sportwelt hinterlassen hat. Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Jürgen Spona:
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