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Sportslife
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Entwicklung der Sportmedizin
Entwicklung der SportmedizinNeugierige SportmedizinDie Sportmedizin hat sich in den letzten Jahren merklich weiterentwickelt. Während sie früher eine Art „Schattendasein“ führte, gehen von ihr heute Innovationen für die gesamte Medizin aus. Dr. med. Oliver Dierk, Mannschaftsarzt der Fußball-Profis des Hamburger SV, sprach mit MedicalSportsNetwork über neue Trends, die Möglichkeiten von Operationen und über intelligente Muskeln. Der Sportorthopäde ist seit 2000 Teamarzt des HSV. 10 Jahre, in denen sich auch in der Fußball-Bundesliga die Rolle und Bedeutung der Sportmedizin verändert hat. Der Stellenwert der medizinischen Betreuung nimmt mit jedem Jahr zu, das beginnt schon bei der ersten Beratung des Vereins bezüglich Neuverpflichtungen. „Bevor der Spieler Kontakt mit dem Verein hat bzw. den Vertrag unterschreibt, ist der Vereinsarzt für Beratung, Risikoabwägung, Verletzungsanalyse und Prophylaxeanalyse zuständig. Meine ersten Arbeitsschritte beginnen also schon einige Zeit bevor der Spieler im Verein ist“, so Dr. Dierk. Dass die Belastungen für Profi-Fußballer in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, steht außer Frage. Im Vorfeld der WM lastete ein wahrer Verletzungs-Fluch auf der DFB-Elf. Mit Ballack (Innenbandriss und Syndesmose- Teilriss im oberen rechten Sprunggelenk), Adler (Rippenverletzung), Träsch (schwere Kapsel-Bandverletzung im rechten Sprunggelenk) Rolfes (Knorpelschaden im Knie) und Westermann (Kahnbeinbruch) haben sich gleich fünf Nationalspieler verletzt und die WM verpasst. Für Dr. Dierk sind das allerdings nicht die Folgen irgendwelcher trainings- oder medizinischer Defizite. Vielmehr müssen die Spieler auf diesem Weltniveau regelmäßig und noch viel öfter als früher an ihre körperlichen Grenzen gehen. Eine Zunahme der körperlichen Belastungen der Spieler führt zu einer Anhäufung von Verletzungen. „Ich glaube, dass der Fußball sogar noch athletischer werden wird, weil die Methoden, die zum Einsatz kommen, die Optimierung der Leistungsfähigkeit durch Leistungsdiagnostik, die Optimierung der Ausdauergrundlagen etc. das Spiel noch schneller machen werden. Das Ende ist noch nicht erreicht“. Verletzt – und dann?
Wenn es zu einer Verletzung kommt, ist eine Operation oftmals die beste Wahl. „Der Charme einer OP ist die Optimierung der Situation. Wenn ich eine Verletzung habe, die im Gips heilen könnte oder aber durch eine Naht mit anschließendem Gips, dann habe ich natürlich durch die Tatsache, dass ich die Strukturen in der OP anatomisch wieder dahinsortiere wo sie hingehören und anschließend mit einer Sicherungsnaht fixiere, optimalere Gestaltungsmöglichkeiten. Man muss allerdings immer das Risiko der OP abwägen. Sicher gibt es Fälle, in denen man gepflegt über OP und Nicht-OP diskutieren kann.“ Zu seinen Spezialgebieten gehört u.a. der Kreuzbandersatz. „Neuere Trends in der Medizin halten natürlich meistens zuerst in der Spitzensportmedizin ihren Einzug. So auch der Versuch der anatomischen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes in der so genannten Doppel- Bündel-Technik“, erklärt der Sportorthopäde. Zunächst werden die zerstörten Bänder aus dem Kniegelenk entfernt und die als Ersatz benötigte Sehne aus dem Oberschenkel entnommen und geteilt. Der Operateur bohrt zwei Kanäle vom Oberschenkel Intelligente Muskeln Damit es gar nicht erst zu Verletzungen kommt, benötigt man funktionierende, leistungsfähige und gesunde Muskel. Neben Kraft und einer gewissen Vorbereitung auf die Aufgaben, die sie leisten sollen, müssen sie wissen, was sie arbeiten sollen. „Intelligente Muskeln passen sich geschickt der jeweiligen Anforderung an. Das kann man unter dem Deckmantel der Propriozeption subsummieren, d.h.der Körper muss in erlernten Bewegungsabläufen wissen, wann er welche Muskelkontraktion durchführen muss, um eine Bewegung optimal ablaufen zu lassen. Mehrere Studien belegen, dass gerade Propriozeptionstraining vor allem im Bereich der Knie- und Sprunggelenke Verletzungsprophylaxe ist.“ Man darf daraus aber keine falschen Schlüsse ziehen. Wenn man seine Muskeln auf diese Art und Weise trainiert und fit macht, bedeutet das noch nicht, dass man sich auf das Niveau eines Leitungssportlers begibt. „Der Arzt muss darauf achten, dass er einen Hobbysportler vor sich hat. Gewisse Sportarten implizieren ein Risiko an Verletzungen, Folgeschäden, Verschleiß usw. . Da muss man als Arzt auch ein wenig regulativ eingreifen – den Sportler darauf hinweisen und bremsen. Ein Spitzensportler hat eine andere Rechtfertigung und Motivation an seine körperlichen Limits zu gehen, als wenn man den Sport als Hobby betreibt. Leider ist es oft so, dass die Leute ihren Körper fordern, z.B. wenn sie sich auf einen Marathon vorbereiten, und desolate Arbeitswerkzeuge haben. Das fängt schon an bei den Laufschuhen. Orthopädisch sinnvolle Einlagenversorgung findet bei vielen Leuten gar nicht statt. Das ist schade, da hat man primär schonmal eine ungünstige Ausgangssituation.“ Blick in die Zukunft Eine Weiterentwicklung der Sportmedizin ist gesichert. „Das ist ein wenig vergleichbar mit der Formel 1. Der Entwicklungsdruck, der Zwang zum Erfolg, lässt die Mediziner in der Spitzensportmedizin immer neugierig sein. Da wird getüftelt und ausprobiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Ideen und Entwicklungen flächendeckend und kostengünstig allen Leuten angeboten werden können“, gibt sich Dr. Dierk überzeugt. Außerdem werde es bald nicht mehr den „einen Sportmediziner“ geben, sondern den „orthopädischen Sportmediziner“ und den „internistischen Sportmediziner“. |
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