07.02.2012 16:14 - Über uns - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Sportslife RSS > Lawinengefahr = Lebensgefahr

Lawinengefahr = Lebensgefahr

Wintersport und seine Gefahren

Lawinen sind eine eindrückliche ­Natur­gewalt und faszinieren die ­Menschen seit langer Zeit.
Gleichzeitig stellen sie aber seit jeher ­eine ­Bedrohung dar, ­wes­wegen verschiedenste Mittel
und ­Methoden ein­gesetzt werden, um sich möglichst effizient vor den ­Lawinen zu schützen.

Als Schutz für Siedlungen und Verkehrswege wurden im 20. Jahrhundert zunehmend feste Bauwerke wie Anrissverbauungen, Dämme oder Galerien eingesetzt. Während früher – z.B. im Lawinenwinter 1950/51 – Lawinen­opfer vor allem in Gebäuden und auf Verkehrswegen zu beklagen waren, so sterben heute vorwiegend Personen in Lawinen, wenn sie sich in ihrer Freizeit in den Bergen bewegen und das Risiko in der Regel freiwillig eingehen. In den Alpen werden in jedem Winter rund 100 Lawinentote verzeichnet.

Wie entstehen Lawinen?

Die gefährlichsten Lawinen sind die Schneebrettlawinen. Dabei löst sich ­eine ganze Tafel der Schneedecke und erreicht in wenigen Sekunden hohe Geschwindigkeiten. Verschiedene Faktoren müssen gegeben sein, damit sich eine Schneebrettlawine lösen kann:
1. Das Gelände muss mindestens
30 Grad geneigt sein.
2. Es müssen innerhalb der Schnee­decke verschiedene Schichten
vorhanden sein. Für eine Schneebrett­lawine ist sowohl eine Schwachschicht, auf der das „Brett“ abgleitet, notwendig sowie auch eine
abgleitende Schicht – das „Brett“.

3. Als „Initial-Zündung“ muss ein Auslöse-Faktor, wie beispielsweise eine SchneesportlerIn ins Spiel kommen. Aber auch die Sonne,
Neuschnee, eine Sprengung oder ein Pistenfahrzeug können die Auslösung eines Schneebretts verursachen.

Die Bildung von Schneebrettlawinen hängt stark von den Wetter- und Schneeverhältnissen ab und ist ein komplizierter Prozess, bei dem auch die ­ExpertInnen noch viele Fragen haben.

Warum sind Lawinen gefährlich?

Wer von einer Schneebrettlawine erfasst wird, hat kaum eine Möglichkeit zu entkommen. Einmal in der Gewallt der Schneemassen, wird der Handlungsspielraum klein und Versuche, sich festzuhalten, die Skier zu lösen oder sich eine Atemhöhle zu bewahren, enden oft erfolglos.

Folgende Ursachen führen bei Lawinen­unfällen zum Tod (Daten aus der Schweiz von 1991 bis 1996):
Ersticken (46%) verursacht durch die Verschüttung des Kopfes
Mechanische Verletzungen (43%) durch den Absturz verursacht
Unterkühlung (7%)
Unbekannt (4%)

Die Überlebenschance bei einer Ganzverschüttung (Kopf unter dem Schnee) sinken sehr rasch und betragen im Durchschnitt nur 50%. Deshalb bedeutet Lawinengefahr immer Lebens­gefahr.

Wie kann ich trotzdem den Pulverschnee ­geniessen?

Neuste Studien zeigen, dass das Risiko bei Skitouren oder Variantenabfahrten nicht höher ist als beim Autofahren. Abfahrten in unberührtem Tiefschnee sind ein unbeschreibliches Erlebnis und können sehr grossen Genuss bereiten. Wichtig ist allerdings, dass jede SchneesportlerIn, die die gesicherten Skipisten verlässt, die Lawinengefahr ernst nimmt und die wichtigsten Spielregeln einhält. Diese werden am besten in Lawinenkursen oder von erfahren Personen ­erlernt. Die wichtigsten Regeln sind ­folgende:
1. Sich über die Wetter- und Lawinensituation informieren. Alle europäischen Lawinenlageberichte findet man auf www.lawinen.org
2. Nie alleine unterwegs sein.
3. Sich entsprechend ausrüsten: Lawinen-Verschütteten-Suchgerät, Schaufel und Lawinensonde mitführen.
4. Alarmzeichen wie frische Schneebrettlawinen, Wummgeräusche und Risse in der Schneedecke beachten.
5. Frische Triebschneeansammlungen meiden.
6. Extreme Steilhänge einzeln befahren, sich gegenseitig beobachten.
7. Steilste Hangpartien und Couloirs meiden.

Denjenigen Lesern und Leserinnen, die diese Regeln zum ersten Mal hören, sich aber trotzdem ab und zu neben den ­gesicherten Skipisten bewegen, empfehle ich dringend eine Weiterbildung. Zu guter Letzt wünsche ich allen wunderbare Erlebnisse in der tiefverschneiten Bergwelt.

Stichwörter:
Wintersport Lawinen

Ausgabe MSN 1 / 2006

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2006.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download