|
Sportslife
>
Sportmedizin: Interview mit Dr.med. Johannes M. Peil
Sportmedizin: Interview mit Dr.med. Johannes M. PeilAn jedem Ort der WeltSpitzensportler sind ständig unterwegs. Wettkämpfe, Trainingslager, Vorbereitungsspiele, im Hochleistungssport müssen die Athleten teilweise weit reisen und sind häufig auch lange Zeit von der gewohnten Umgebung und den gewohnten Abläufen entfernt. Dies kann negative Auswirkungen auf die Leistung haben, wenn nämlich die notwendige Routine in den Abläufen, Verlässlichkeit und Vertrauen in die medizinischen und physiotherapeutischen Maßnahmen fehlen und den Leistungssportler von seinem Sport ablenken. Die Sportklinik Bad Nauheim bietet eine weltweite sportmedizinische Versorgung im Leistungssport an. MedicalSportsNetwork sprach dazu mit dem leitenden Arzt der Sportklinik Bad Nauheim, Dr. med. Johannes M. Peil. Was können wir uns unter einer weltweiten sportmedizinischen Versorgung vorstellen und inwieweit ist dies schon Realität? Die von uns betreuten Sportler werden rund um den Globus und rund um die Uhr individuell betreut. Realität ist bereits, dass speziell geschulte Physiotherapeuten ständig mit dem Sportler reisen und ihm sowohl für die Trainingsgestaltung als auch für physiotherapeutische Anwendungen jederzeit zur Verfügung stehen. Bei Bedarf, z.B. bei der Rallye Dakar, wird das Team um einen Facharzt mit ausgewählter Qualifikation ergänzt. Hat das etwas mit einem Netzwerk-Gedanken zu tun? Wie sieht solch eine „weltweite“ Kette aus?
Ein Netzwerk im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Denn der Sportler verlangt zu Recht einen oder zwei Bezugstherapeuten und nicht ständig wechselnde Ansprechpartner bzw. Therapeuten. Daher bestehen die Teams meist aus zwei Therapeuten, die sich bei der Betreuung eines Athleten im Ein- oder Zwei- Wochenrhythmus abwechseln. Nur im äußersten Notfall wird auf Reisen medizinische Hilfe vor Ort in Anspruch genommen, etwa bei schweren Unfällen Was bedeutet das ganz direkt für den Leistungssport und damit auch für die Spitzensportler? Für den Sportler bedeutet das die notwendige Routine in den Abläufen, Verlässlichkeit und Vertrauen in die Maßnahmen und ein sich „Nicht-mehr- kümmern-müssen“. Der Sportler kann sich voll und ganz seinem Sport widmen, da er sicher sein kann, dass alles so funktioniert, wie er es kennt – an jedem Ort der Welt. Damit geben wir dem Sportler Sicherheit. Und es wird keine Zeit für unnötige Abstimmungen und Organisationsdinge vertan. Kann man davon ausgehen, dass diese Entwicklungen sich dann wieder „runter“ auf den Breitensport bis hin zur Behandlung von Nichtsportlern auswirken und Nutzen für alle bringen?
In der ambulanten muskuloskeletalen Reha gibt es bereits Bezugstherapeuten. Also auch hier haben wir individuelle Ansprechpartner, die Vertrauen fördern und dem Patienten Sicherheit geben. Durch die persönliche Ansprache ist der Sind uns andere Länder wie z.B. die USA, England oder auch Australien einen Schritt voraus? Ja und nein. Die allgemeine Versorgung ist in Deutschland sicher deutlich besser gewährleistet. Wir sehen das z.B. am Bemühen von Präsident Obama, eine allgemeine Krankenversicherung jetzt erst zur Pflicht werden zu lassen. Bei einzelnen Therapien sind wir aber u.a. aufgrund unseres starren Gesundheitssystems hinsichtlich Individualisierung und Flexibilisierung noch steigerungsfähig. Auch hier wären unsere Fragen: Was müsste verbessert werden und wo besteht Handlungsbedarf?
Die medizinischen Möglichkeiten sind bekannt, die Umsetzung ist das Problem. Lobbyismus, ökonomische Zwänge und viele verschiedene Kostenträger, die sich alle gegeneinander abgrenzen müssen, um die Versicherten an die Kassen zu binden, stellen unser Gesundheitssystem vor unnötige Herausforderungen. Starre Strukturen und auf kurzfristig orientiertem Sparen basierendes Denken verhindern oft die schnelle und effektive Zuweisung oder Therapie. Damit Vielen Dank für das Gespräch! |
Ausgabe MSN 4 / 2010Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download |


