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Surfen - Interview mit Marlon Lipke
Surfen - Interview mit Marlon Lipke
Marlon Lipke ist Deutschlands bester Surfer. Das allein ist zwar schon nicht schlecht, doch im internationalen Surfzirkus nicht gerade ein repräsentativer Titel. Vor 25 Jahren beschlossen Conny und Dago Lipke ihrer Heimat Deutschland den Rücken zu kehren und siedelten sich in dem portugiesischen Fischerort Lagos an. Drei Jahre später kam ihr erster Sohn Marlon zur Welt. Schon früh entdeckte der kleine Blondschopf die Liebe zu dem tiefblauen Meer direkt vor seiner Haustür. Mit acht Jahren probierte er das erste Mal die Kunst des Wellenreitens und surfte die Weißwasserwogen auf seinem 6´0´Shortboard. Die Strände der Algarve wurden sein Spielplatz, Vater und Sohn konnten täglich in den Wellen der näheren Umgebung beobachtet werden. Nach einigen Jahren wurden portugiesische Surfer auf Marlons immer besser werdende Surfkünste aufmerksam und fragten Vater Dago, ob sein Sohn nicht an einem Contest in Costa de Caparica teilnehmen wolle. Der erst zwölfjährige Marlon war sofort Feuer und Flamme und belegte auf Anhieb den dritten Platz in der Klasse der unter 14-Jährigen. Nicht nur Familie Lipke war von dem überraschenden Erfolg begeistert, auch die Portugiesen drängten Marlon beim nächsten Event in Ericeira teilzunehmen. Dort versammelten sich alljährlich die großen Surfclubs Portugals um den besten Surfer des Landes zu ermitteln. Marlon belegte in seiner Altersklasse einen sensationellen zweiten Platz. Nach seinem erfolgreichen Debüt vor der gesamten Surfszene Portugals folgten die europäischen Junior-Meisterschaften. Marlon stand vor der Wahl für Portugal oder Deutschland zu starten und entschied sich für Deutschland. Begeistert von seinem Können lud der Präsident des deutschen Wellenreitverbandes ihn zur Junior Weltmeisterschaft nach Huntington Beach, Kalifornien ein, um unter deutscher Flagge zu surfen. Im nächsten Jahr folgten die Deutschen Meisterschaften, wo er mit dreizehn Jahren den zweiten Platz belegte. Ein Jahr später durfte er sich das erste Mal Deutscher Meister nennen. Die Karriere nahm seinen Lauf. 2004 gewann er unter anderem die European Junior Pro und konnte in namhaften Contests stets einen der vorderen Plätze für sich beanspruchen. In bestechender Form präsentierte sich Marlon bereits Anfang 2006 und ist nach etlichen guten Resultaten nun auf dem besten Wege in die erste Liga der besten 44 Surfer der Welt aufzusteigen. Eine Schulterverletzung, die er sich beim Surfen zuzog, schien seinen Triumphzug vorerst zu stoppen. Trotz Schmerzen surfte sich Marlon beim Rip Curl Pro in Seignosse, an der französischen Atlantikküste auf einen beachtlichen 9ten Platz. Auszüge aus einem Interview mit Marlon Lipke, während einer 4-wöchigen Wettkampfpause in seinem Elternhaus in Lagos. Wie stark schränkt dich deine verletzte Schulter derzeit ein? Lipke: Eigentlich überhaupt nicht mehr. Ich bin selbst überrascht. Hoffentlich war dies ein einmaliger Unfall ohne weitere Folgen. Wie sieht dein derzeitiges Trainingsprogramm aus? Lipke: Eigentlich mache ich zurzeit nicht viel. Ich mache täglich mehrere Sätze Liegestützen oder arbeite mit dem Theraband um die Rotatorenmanschette der Schulter zu stabilisieren. Ab und zu gehe ich auch mal Laufen und natürlich surfe ich fast jeden Tag. Wie bereitest du dich auf die Wettkampfperiode vor?
Lipke: Eigentlich gibt es keine feste Vorbereitung, wie man sie aus anderen Sportarten kennt. Ich trainiere mich weitestgehend alleine, indem ich soviel surfe wie möglich. 2- bis Im Vergleich zu anderen Sportarten scheint das wenig professionell, gerade wenn man das Niveau bedenkt. Lipke: Das ist in der Tat so. Trotzdem ist dies nicht ungewöhnlich für den Surfsport. Selbst etliche der Topfahrer trainieren weitestgehend ohne ständige professionelle Anleitung. Der alte Soulgedanke ist halt immer noch dabei. Die Brasilianer gehen seit einiger Zeit andere Wege. Hier werden Talente schon sehr früh gefördert und entsprechend kontinuierlich betreut. Trotzdem gibt es immer wieder riesige Talente, die einfach auftauchen und nie richtig von jemandem trainiert wurden. Wie ist das zu erklären? Lipke: Der Surfsport nimmt hier sicher eine Ausnahmestellung ein. Tatsache ist, dass Surfen immer noch für die meisten Surfer eine Lebenseinstellung ist. Selbst Surfer, die keinerlei Wettkampfambitionen hegen, verbringen täglich mehrere Stunden im Wasser und erreichen allein durch diese Trainingshäufigkeit ein beachtliches Niveau. Ich habe Freunde, die fast täglich 2 bis 3 Stunden surfen. Was ich so hörte, scheint auch ein Fußballprofi nicht viel mehr zu trainieren. Zudem sind Wellenbedingungen immer unterschiedlich. Man hat es also mit ständig wechselnden Herausforderungen zu tun was den Schwierigkeitsgrad der Welle, bzw. die Intensität des körperlichen Einsatzes angeht. Allein das bringt schon einen wesentlichen Trainingseffekt mit sich. Ich persönlich setze mir bei jeder Surfsession bestimmte Ziele, an denen ich dann konzentriert arbeite um Schwächen zu beheben. Darüber hinaus glaube ich, dass die Motivation gut zu surfen und der Wunsch den Kick in großen schwierigen Wellen zu spüren, oftmals ohne unmittelbaren Leistungsgedanken einfach in jedem Surfer drin steckt, egal ob Profi oder nicht. Vielleicht entwickelt sich hieraus auch eine gewisse Lockerheit im Umgang mit dem ganzen Wettkampfgeschehen, die einfach hilft gewisse Leistungen zu bringen. Wie geht es jetzt weiter? Lipke: In 3 Wochen bin ich auf den Kanaren. Danach geht es weiter nach Brasilien und anschließend folgt der Abschluss in Hawaii. Dort finden die letzten Contests der WQS (world qualifying series) statt. Jeder Wettkampf ist wichtig für mich, um die entsprechenden Punkte einzufahren. Welche Resultate würden dich weiter bringen? Lipke: Ich hoffe in allen drei Wettkämpfen unter die ersten 6 zu kommen. Dann hätte ich es wohl geschafft. |
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