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Triathlon - Interview mit Norman Stadler

Normann, Sie gehören zu den ganz großen ­Triathleten der Welt. Wie würden Sie die Faszination ­„Triathlon“ aus Ihrer Sicht beschreiben?

Stadler: Im Triathlon stößt man immer wieder an seine ­Grenzen. Ich betreibe diesen Sport nun mittlerweile seit fast 18 Jahren und keiner meiner Wettkämpfe war wie der andere. Abgesehen von der sportlichen Herausforderung, verdanke ich dem Triathlon viele gute Freunde und viele höchst ­interessante Bekanntschaften, da Triathlon häufig unge­wöhnliche Persönlichkeiten anzieht. Und wer Kona/Hawaii Mitte ­Oktober einmal erlebt hat, den wird irgendwann wieder die Sehnsucht packen und er wird zurückkehren.

Dieser Sport gewinnt jedes Jahr mehr und mehr Anhänger, aktiv wie passiv. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Stadler: Diese Entwicklung befürworte ich natürlich sehr. Einerseits weil Triathlon durch die Kombination von drei Sportarten zu einer kompletten Ausdauer führt. Es entsteht keine einseitige Belastung des Körpers. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der körperliche Fitness eine so wichtige ­Rolle spielt, kann sich fast jeder zumindest mit einer der drei Disziplinen identifizieren. Für viele Menschen ist es inzwischen ein Traum, einmal selbst einen Ironman zu ­finishen, andere sind einfach von der körperlichen Leistung an sich begeistert.Andererseits ist gerade für uns Profis das öffentliche Interesse „lebensnotwendig“. Und obwohl in den vergangenen Jahren Triathlon stärker wahrgenommen wird, steht diese Entwicklung hoffentlich noch an ihrem Anfang.

Kaum eine Sportart erfordert so hartes, konsequentes und zeitintensives Training wie Triathlon. Gibt es für einen Top-Athleten wie Sie ein Leben neben dem Sport?

Stadler: Mein Beruf lässt sich nicht so einfach von meiner Freizeit trennen, wie das vielleicht bei manch anderem der Fall sein mag. Ich muss nicht nur im Training diszipliniert sein, sondern 24 Stunden am Tag. Das beginnt mit gesunder ­Ernährung (eigentlich immer eine Art Müsli – Haferflocken, Obst, Quark etc. …) und ausreichend Schlaf (ca. 9 Stunden und wenn es der Haushalt zulässt ein kleines Mittagsschläfchen) und setzt sich in einem regelmäßigem Tagesablauf fort. Dabei ist eine harmonische Beziehung essentiell wichtig,
da ich nur effizient trainieren kann, wenn ich mental ausge­glichen bin.
*Sie bewältigen täglich ein enormes Trainingspensum von 8 Stunden. Wie motivieren Sie sich, was treibt Sie an?*

Stadler: Ich habe das Ziel die Weltmeisterschaft (Ironman Hawaii) zu gewinnen. Da ich 2004 schon einmal gewonnen habe (Normann Stadler gewann den Ironman Hawaii 2004 und den Ironman Germany 2005), weiß ich, dass ich das Potenzial dazu besitze. Ich weiß auch, dass ich mir hinterher nicht ­vorwerfen möchte, im Vorfeld nicht alles gegeben zu haben.
Während harter Trainingseinheiten stelle ich mir exakte Situ­ationen oder den Ablauf eines Rennens vor – in etwa wie eine kleine Jagd, Momente aus vergangenen Rennen und Visionen. Triathlon ist mein Beruf und meine Leistung wird nur an diesem ­einzigen Tag beurteilt. Deswegen ist eine gute Platzierung auf Hawaii auch finanziell sehr wichtig für uns Profis.
*Welche sportlichen Erfahrungen haben Sie neben dem ­Triathlon gesammelt? Können Sie die Belastungen und ­Beanspruchungen miteinander vergleichen?*

Stadler: Ich habe eine solide Leichtathletik-Ausbildung ­erhalten, bevor ich zum Triathlon kam. Außerdem habe ich früher Tischtennis und Judo ausgeübt, war im Schützenverein und habe Fußball gespielt. Das waren alles grundverschiedene Sportarten, die man nicht miteinander vergleichen kann. Für mich war von Anfang an klar, dass nur ein Ausdauersport in Frage kommt.

Welche der drei Disziplinen im Triathlon birgt das größte Verletzungsrisiko? Welche Verletzungen und Probleme ­treten primär auf?

Stadler: Beim Fahrradfahren besteht natürlich Sturzgefahr. Viele Fehler werden beim Laufen gemacht, z. B. durch falsches Schuhwerk oder durch seltenen Neukauf von Schuhen, ­außerdem durch einseitige Belastung (Trainieren nur auf ­Asphalt etc.) und Überbeanspruchung.

Beim Ironman 2006 in Frankfurt haben Sie sich bei zwei Stürzen vom Rennrad verletzt und sich trotzdem ins Ziel ­gekämpft. Welche Beeinträchtigungen hatten Sie körperlich und wie groß war der mentale Druck? Was geht Ihnen in solchen Momenten durch den Kopf, wie groß ist die ­Erlösung im Ziel anzukommen?

Stadler:? Ich habe mir beim Sturz auf die rechte Seite ein ­Gesäßmuskelhämatom, eine Rippenprellung sowie mehrere Schürfwunden zugezogen. Der mentale Druck war v.?a. ­
deshalb so groß, weil ich als Titelverteidiger an den Start ­gegangen war. Mir war sofort nach dem Sturz klar, dass ich meine Führungsposition verlieren würde und keine Chance mehr hatte, noch einmal zu gewinnen. Irgendwann war es nur noch wichtig das Rennen zu beenden. Ich wollte mich von meinen Schmerzen nicht zum Aufgeben zwingen lassen. Ich hatte das Gefühl, dies meinen Fans, meinen Freunden und meiner Familie schuldig zu sein. Die Erlösung im Ziel war dann riesengroß. Obwohl ich nur Elfter geworden bin,
möchte ich diese Erfahrung nicht missen.
*Wie sehen Sie den Ironman im Vergleich zur Tour de France? Kann man diese Top-Wettkämpfe überhaupt ­miteinander vergleichen?*

Stadler:? Man kann diese beiden Sport-Events nur schlecht miteinander vergleichen. Dafür gibt es mehrere Gründe:
• Beim Ironman gewinnt der Beste, bei der Tour gewinnt der, der das beste Team hat.
• Die Tour stellt eine dreiwöchige Belastung dar, bei uns ­(Profi-Triathleten) dauert die Belastung ca. acht Stunden.
Im Wettkampf sind Triathleten komplett auf sich allein ­gestellt, es gibt weder Material- noch Verpflegungswagen etc.

Dopingskandale treten gehäuft vor allem in der Radsportszene (insbesondere der Tour de France) auf, weniger beim Ironman. Wie ist das zu erklären?

Stadler:? Gedopt wird nicht nur im Radsport. Dopingfälle gab es schon in fast jeder anderen Sportart, so auch im Triathlon. Warum im Sport immer wieder gedopt wird, kann ich beim besten Willen nicht beantworten. Allerdings werte ich es als positiv, dass in letzter Zeit soviel Licht ins Dunkel gekommen ist und hoffe, dass dies der Abschreckung dient und Dopingfälle in Zukunft wieder seltener werden.

Wir hoffen, dass Sie trotz Ihrer momentanen Verletzungen in Hawaii in Topform an den Start gehen können und wünschen Ihnen viel Erfolg. Vielen Dank, Mahalo Normann Stadler

Ausgabe MSN 1 / 2006

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2006.
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