07.02.2012 15:51 - Über uns - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Sportmedizin - Das instabile Genickgelenk

Sportmedizin - Das instabile Genickgelenk

posttraumatische Instabilität des Genickgelenkes

Die häufigste körperliche Schädigung in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die posttraumatische Instabilität des Genickgelenkes. Seine strukturellen und funktionellen Besonderheiten unterscheiden sich von der übrigen Halswirbelsäule. ­Sehnenbänder und Muskeln zwischen Schädelbasis, erstem (Atlas) und zweitem Halswirbelkörper (Axis) ­sichern die Feinbeweglichkeit des Kopfes. Sie stellen aber auch eine außer­ordentliche Schwachstelle für Ge­walt­einwirkungen von außen dar.

Die reiche Ausstattung mit nervlichen Sensoren in Muskeln und Sehnenfasern machen es zu einem Sinnesorgan für die Schwerkraftregulation. Die besonderen Verläufe der beiden Wirbelsäulenschlagadern, die vegetativen Nervenstränge des nervus vagus, Nervus sympathicus und deren Verschaltungen zu Hirnnerven in Höhe des Genickgelenkes sowie das Atemzentrum im Halsmark in Höhe des 1. Halswirbelkörpers werden bei Genickgelenksschäden funktionell gestört. Auswirkungen betreffen das Hirn, die Sinnesorgane und letztendlich alle Organe des menschlichen Organismus.
In unserer Mobilitäts- und Freizeit­gesellschaft ist das Genickgelenk einer Kaskade von Traumatisierungen ausgesetzt. Sie schädigen additiv Bänder, Gelenkkapseln und die HWS-Muskulatur. Höhere Geschwindigkeiten, gesteigertes Risiko („no risk – no fun“) und zunehmende Waghalsigkeit im jugendichen Freizeitsport fordern ihren Tribut. Sie wagen ihren Hals! Schutzausrüstungen für Sprung-, Kniegelenke und der Sturzhelm schützen zwar diese Regionen, nicht jedoch die Halswirbelsäule. Besonders gefährlich sind Stürze auf den gedrehten oder fixierten Kopf bei dessen Aufprall auf den Boden oder Steckenbleiben im Schnee mit Nachdrücken, Drehung oder Überschlag des Körpers über die Halswirbelsäule. Analysen aus mehr als 1.600 Krankenakten ergaben folgende Traumatisierungsmöglichkeiten im Sportbereich:

Reitsport

Kampfsportarten wie Ringen, Judo, Karate, Boxen

Mannschaftssportarten wie Fuß-, Hand-, Wasserball, Hockey,

American Football

Geräteturnen, Eiskunstlauf, Motocross, fast alle Wintersportarten außer moderater Langlauf

Leichtathletik mit Hochsprung, Hürdenlauf, Turmspringen

Klinische Symptome der Genickgelenksschädigung

An erster Stelle steht eine zunehmende geistige Erschöpfbarkeit, eingeschränktes Konzentrationsvermögen und chronische Müdigkeit. Parallelhandlungen sind nicht mehr möglich. Bei Kindern
entwickelt sich ein Aufmerksamkeits­defizits-­Syndrom (ADS). Reizungen der Hirnnerven führen zu Trigeminussymptomen mit Kopfschmerzen, Migräne, Trigeminusneuralgien, projizierten Entzündungen in die Nasennebenhöhlen, Polypenbildung, nächtliche Zuschwellung der Nasenwege (besonders typisch), Zahnfleisch- und Zahnwurzelentzündungen, Kaugelenksstörungen. Vagusreizungen lösen nächtlichen Harndrang, sporadische Harndrangsattacken tags­über und ein überempfindliches Bronchialsystem bis hin zum Anstrengungs- und Kälteasthma aus. Facialisreizungen induzieren Trockenheit der Augen, ­Nasenwege und ein Lärmüberempfindlichkeit. Schlund- und Zungennerven führen zu Schluckstörungen und
schwerer Zunge beim Sprechen. Reizungen des Sympathicus induzieren Herzjagen, -stolpern, Schwitzattacken, Entwicklung eines Bluthochdruckes, Hautblässe und Darmfunktionsstörungen.

Häufig treten Ein-, Durchschlaf­störungen mit Unvermögen zur Rücken­lage, Sympathicusattacken, nächtlicher Harndrang, Alb-, Angstträume, Muskel­krämpfe und Schnarchen mit Apnoe auf. Seitens der Sinnesorgane entwickelt sich eine gesteigerte Empfindlichkeit gegen Licht, Lärm, Zugluft, Stress, Chemikaliengerüche und gegen schon geringe Mengen Trinkalkohols.
Besonders morgendlich auftretende Nackenverspannungen, Schmerzen und Steifigkeit der Gelenke und der Lenden­wirbelsäule, zunehmend tagsüber auftretende springende Gelenkschmerzen, -ergüsse und Entwicklung eines Gelenkrheumatismus. Rückwärtsbeugung oder schnelles Drehen des Kopfes lösen Schwindel aus. Unsicherheiten beim Treppabgehen oder bei Gehen auf hartem Trottoir mit Anstoß-, Stolperneigung, Ausfallschritten, Links- oder Rechtsdrall. Tätigkeiten in vorgebeugter Haltung, das Angehen schräger Anstiege lösen Luftnot, Nacken- und Lendenwirbelsäulenschmerzen aus. Die Muskelkraft lässt nach. Sie ist leicht erschöpfbar und schmerzhaft schon nach geringen Belastungen. Hautsymptome äußern sich in Ekzemen, Trockenheit, Nagelwuchsstörungen, Rosacea oder Schuppenflechte. Ebenso kann der Verdauungsapparat in Mitleidenschaft gezogen werden. Es entsteht ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Blutfett-, Leber­werterhöhung mit Fettleber, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, frühe Entwicklung einer Zuckerkrankheit. Starke Müdigkeit nach Mittagsmahlzeiten mit s.?g. „Fressnarkose“.

Durchblutungsminderungen des Hirn­stammes lösen zahlreiche hormonelle Dysregulationen der Schilddrüsen-, der Hypophysen-, Nebennierenrindenhormone aus. Zusätzlich finden sich starke Schwankungen mit hohen und niedrigen Werten an Sexualhormonen, an Prolaktin (Ovarzystenbildung), Gastrin, Histamin und den Stresshormonen wie Serotonin, Cortisol, Adrenalin.
Minderdurchblutete Hirnregionen setzen Stickstoffmonoxid (NO) frei. Aufgrund seiner starken Eisenbindungsfähigkeit zeigt es folgende Auswirkungen:

Hemmung der mitochondrialen Energiebildung, Folgen sind chronische Müdigkeit, rasche geistige, körperliche Erschöpfbarkeit, Esszwang in kürzeren Abständen. Es entwickelt sich eine mitochondriale Cytopathie.

Aktivierung von Entzündungsen­zymen, Entwicklung chronischer Darm-, Gelenkserkrankungen und Autoimmun­opathien

Hemmung von Hämproteinen durch Nitrosierung z.?B. der Schilddrüsen­peroxidase (Hashimoto-Thyreoiditis), Störungen der Blutbildung bis hin zu Porphyrien

Schädigung der Mitochondrien und Entwicklung von Autoimmunerkrankungen wie Erythematodes visceralis

Hemmung der Cholesterinumwandlung in Gallensäuren mit diätresistenter Cholesterinerhöhung

toxische Schädigung der Bauch­speicheldrüse

Hemmung der endothelialen physiologischen NO-Bildung mit Entwicklung eines Bluthochdruckes und erhöhtes Risiko für Arteriosklerose

hohes Risiko für Hirnreifungs­störungen Neugeborener bei Müttern mit HWS-Instabilität und s.?g. nitrosativem Stress (Schreikind, Polypen, verzögerte motorische Entwicklung, gestörte visuelle, akustische Kognition)

NO bildet neurotoxisches Peroxinitrit. Dieses ist für Nervenschäden im Hirn und peripheren Nervensystem verantwortlich. Folgen sind MS, ALS, RLS, frühzeitige Demenz, Sehnervenschäden u.?a. Nervenkrankheiten. Im Blut finden sich erhöhte Eiweiße, die auf Schädigung der weißen und grauen Hirnzellen hinweisen.

NO verbraucht irreversibel Vitamin B12. Folgen sind frühe Polyneuropathien und Stoffwechselstörungen.

Warum wird das instabile Genickgelenk bis heute nicht in seiner Bedeutung erkannt?

Die Ursachen liegen in einer zu geringen Gesprächsdauer zwischen Arzt und Patient. Jeder Facharzt interessiert sich nur für „sein Organsystem“. Außerdem ist die noch vorherrschende Lehrmeinung, dass HWS-Trauma abheilen ­würden. Dies gilt für höchstens ein oder zwei Traumen leichteren Ausmaßes, nicht aber für ein schon vorgeschädigtes Genickgelenk. Ein weiterer Punkt sind ungeeignete Diagnostik­maßnahmen durch statische Unter­suchungen wie Röntgen, MRT, CT. Es wird nach Knochenbrüchen, Bandscheibenschäden gesucht. Die pathologische Überbeweglichkeit des Genick­gelenkes kann jedoch nur durch Funktions­untersuchungen erkannt werden, d.?h. durch Bewegungen in Vor-, Rückwärtsbeugung, Links-, Rechtsrotation des Kopfes, otoneurologische Unter­suchungen, Gesichtsfeldkontrollen in Ruhe und nach Kopfkreisbewegungen u.?a.. ­Werden Symptome nicht durch geeignete
Diagnostikmaßnahmen bestätigt, gelten die Beschwerden als psychosomatisch oder depressiv. Damit wird einer geeigneten Therapie der Weg verbaut.

Dr. Bodo Kuklinski

Stichwörter:
Genickgelenk Sportmedizin

Ausgabe MSN 6 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 6 / 2008.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Der Autor:

Weitere Artikel online lesen