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Athlete’s foot
Athlete’s foot
Der Fußpilz– nicht das einzige Pilzproblem der Sportler
Ein negative Begleiterscheinung des Sports kann der Fußpilz oder im Angloamerikanischen der athlete’s foot sein. Es ist wenig schmeichelhaft, wenn ein Krankheitsbild nach der Kohorte von Sportlern und Wettkämpfern benannt ist. Jedoch ist der Fußpilz (lat.: tinea pedis) in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen, nicht Sportlers alleiniges Pilzproblem. In Abhängigkeit von der betriebenen Sportart lassen sich bestimmte Häufungen von Mykosen (Pilzerkrankungen) – an unterschiedlichsten Körperlokalisationen – diagnostizieren.
Das Krankheitsbild Mykosen
Aus „der ungeheuren Vielzahl von 250 000 Pilzarten sind an der menschlichen Pathologie“ lediglich 100 Arten beteiligt [1]. Tietz / Ulbricht gehen weltweit von „mehr als 300.000 verschiedenen Pilzarten“ aus [2]. Aus den drei Großgruppen, der durch Pilze verursachten Krankheiten superfizielle Mykosen, subkutane Mykosen und systemische Mykosen sind unter Sportgesichtspunkten primär die superfiziellen Pilzinfektionen, die „die keratinisierten Schichten der Haut (Hornhaut, Haare und Nägel) und die sichtbaren Schleimhäute“ [1] betreffen, von besonderer Bedeutung. Mykosen gehören weltweit zu den am häufigsten festzustellenden Hauterkrankungen. Sie können die gesamte Körperoberfläche befallen und kommen im Haarbereich, im Gesicht, am Körperstamm, im Genitalbereich und an den Füßen vor. Während die Durchseuchungsrate bei der mitteleuropäischen „Normalbevölkerung“ bei ca. 30 % liegt, konnten in der
Kohorte der Bundesligafußballer Prävalenzen von bis zu 82 % festgestellt werden, bei Langstreckenläufern werden knapp 70 % erreicht. Pilzerkrankungen der Haut fallen durch Juckreiz, Schuppung, Schwellung und Rötung auf. Der Zwischenzehenbereich kann bei der tinea pedis interdigitalis weißlich aufgequollen erscheinen. Ist die Nagelplatte betroffen (Onychomykose), verändert sich ihre Transparenz hin zum bräunlich- bernsteinfarbenen oder es entwickeln sich helle Stellen. Weitere Erscheinungsbilder der Onychomykose sind das verstärkte Dickenwachstum (subungualer Hyperkeratose), welches zum bis zu 1 cm starken „Hornnagel“ führen kann, die dystrophische Veränderung (wird bröselig und bricht leicht ab) der Nagelsubstanz sowie die komplette oder partielle Abhebung vom Nagelbett. Pilze benötigen für ein optimales Wachstum viel Feuchtigkeit. Starkes Schwitzen lässt die Haut mazerieren, den Pilzerregern gelingt es, von der Hautoberfläche in sie einzudringen. Die klassischen Lokalisationen für den Ausbruch von Pilzerkrankungen sind demnach Zehenzwischenräume, bevorzugt der Hohlraum zwischen dem 4. und 5. Zeh, die Inguinal- bzw. Leistenfalten, der Damm- und Afterbereich bzw. auch der obere Bereich der Adduktoren sowie die chselhöhlen. Die Hautfalten (im Bauch-, Hüft- oder Brustbereich) werden im Rahmen dieses Sportbeitrages vernachlässigt. Mykosen belasten – als Infektionserkrankungen – das Immunsystem. Im Verlauf der Dauer einer Mykose (was bei einer Onychomykose bis zu 1,5 Jahre sein können) wird der leistungsorientierte Sportler einen Teil seiner Regeneration für die Bekämpfung der Mykose „abschreiben müssen“ – Mykosen wirken somit leistungsmindernd.
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Ursachen von Pilzerkrankungen*
Um eine Mykose zu akquirieren, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Intakte Haut und Nagelplatten stellen grundsätzlich eine Infektionsbarriere zwischen dem Menschen und seiner „verpilzten“ Umwelt dar. Wird eine dieser Barrieren z.B. durch schlecht durchgeführte Pediküre, stumpfes Trauma eines Zehennagels oder Handverletzung bei der Gartenarbeit oder im Spiel mit Tieren geschädigt, so kommt es zu Eintrittspforten, locus minoris resistentiae, Orte reduzierter Widerstandskraft. Über diese Eintrittspforten
erhalten die Pilzerreger (Schmarotzer) Zugang zu ihrem Wirt. Neben der Eintrittspforte ist es für die Pilzerreger, z.B. Trichophyton rubrum oder Trichophyton mentagrophytes, „hilfreich“, wenn das Immunsystem des potenziellen Wirtes angegriffen ist. So finden sich bei Diabetikern oder bei Patienten, die das Immunsystem belastende Medikamente (Antibiotika, Cortison usw.) nehmen müssen, besonders hohe Prävalenzen. Neben o.g. Faktoren ist es notwendig, dass der „empfangsbereite“ Mensch mit humanpathogenen Pilzerregern in Kontakt kommt. Dies kann sowohl im medizinischen (Behandlungsräume) als auch privaten Umfeld (Schuhanprobe, Tierkontakt, Gartenerde usw.) geschehen.
Sportspezifische, pradisponierende Faktoren
Im täglichen Sport- und Wettkampfbetrieb kommt es zu vielfältigen Schädigungen der Schutzbarrieren Haut und Nagelplatten. Ganz gleich, ob es beim Laufen Druckstellen und Blasen im Fußbereich gibt, beim Fußball ein hartes Tackling oder unzählige harte Schüsse die Nagelplatte schädigen, der nasse Triathloneinteiler – in Kombination mit Schweiß, Erfrischungsgetränken und ggf. Urin – den Genitalbereich während der Rad- und Laufstrecke andaut, sich Kampfsportler (Judo, Ringen usw.) über die Matten ziehen und sich dabei Exkoriationen (Hautabschürfungen) zufügen, die natürliche Schutzbarriere der Haut ist durchbrochen, die Pilzerreger können sich einnisten. Maßvoll betriebenes Training steigert nachgewiesenerweise die Immunabwehr und das Wohlbefinden. Extensives Training und Hochleistungssport belasten den Körper physisch und psychisch. Unmittelbar nach der körperlichen und auch oft psychischen Höchstleistung tritt eine immunologische Lücke auf, diese ist als so genanntes Open-Window-Phänomen bekannt. In diesem Zeitraum, der in Abhängigkeit von der Ermüdung/Erschöpfung bis zu gut einer Woche andauern kann, ist der immunsuppressive Athlet besonders anfällig für Infektionserkrankungen. Die Akquise von Pilzerregern ist im sportlichen wie auch häuslichen Umfeld nicht schwierig. Ganz gleich, ob es sich um die private Badezimmermatte, die Sammelumkleide im Schwimmbad oder in der Sporthalle, das kollektive Duschen nach dem Wettkampf oder Training, die gemeinsame Entspannung in der Sauna oder den Hotelteppich handelt, man kann sicher sein, dass hier schon ein „Sportkamerad“ seine Pilzerreger hinterlegt hat. Klassisch sportive Infektionsstätten sind Turn-, Gymnastik- und Kampfsportmatten, Leihschuhe im Bowlingcenter oder in der Eissporthalle oder beim Skischuhverleih – wer hat sich da nicht schon häufiger gefragt: Wer hat das wann wie desinfiziert bzw. in unserem Fall antimykotisch behandelt? Eine Studie des Autors bei Langstreckenläufern erbrachte die in Tabelle 1 aufgeführte Kumulation von Risikofaktoren.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose und Therapie von Mykosen gehört in die Hände des Dermatologen. Wenn es zwischen den Zehen oder an anderen Körperstellen juckt, die Nagelplatte sich verfärbt oder verdickt, könnte es ein Pilz sein – muss es aber nicht. So engagiert Internetrecherchen und Diagnostikversuche in Zusammenarbeit mit dem Apotheker sein mögen, sie ersetzen nicht die klinische Begutachtung und den Pilznachweis mittels angelegter Kultur. Sollte eine Mykose diagnostiziert werden, gilt es festzustellen, wie groß die betroffenen Areale sind bzw. wie viele Nägel Symptome zeigen. Grundsätzlich wird zwischen topischer und systemischer Therapie unterschieden, die Kombinations- oder Pulstherapie verknüpft lokale und systemische Applikation. Vor der systemischen Therapie – welche in der Regel nur bei großflächig befallenen
Patienten angewendet wird – schließt der behandelnde Arzt Kontraindikationen aus. Während der systemischen Therapie müssen die Laborwerte kontrolliert werden. Bei der topischen Therapie stehen – in Abhängigkeit der betroffenen Körperpartien – unterschiedlichste Applikationsformen zur Verfügung. In der Batrafen®-Serie finden sich z.B. der Lack für die Nagelplatten, das Gel für den Zwischenzehenbereich, die Creme für trockene Hautpartien (Ferse, Ellenbogen, ggf. Fußsohlen), die Lösung für behaarte Hautareale (Bart, Brustbehaarung), das Shampoo (Kopfhaar) und das Puder zur parallelen Trocknung z.B. zwischen Hautfalten oder – auch therapiebegleitend sehr empfehlenswert – zur Dekontamination der Schuhe. Parallel zur Behandlung des Humanmaterials gilt es – um Reinfektionen zu vermeiden – das gesamt (textile) Umfeld möglichst antimykotisch zu behandeln, d.h. Textilwäsche mit mindestens 60 °C oder entsprechende Waschzusätze verwenden.
Fazit – Praventionsmasnahmen
- Wählen Sie Ihre Sportschuhe, -textilien und Sportgeräte (Fahrradsattel) so aus, dass es auch bei längeren Tragezeiten oder ggf. schnellen Richtungswechseln nicht zu Druckstellen kommt.
- Vermeiden Sie jeden direkten oder indirekten Kontakt (z.B. das auf beiden Seiten genutzte Saunatuch, die schweißnasse Trainingsbank im Fitnessstudio usw.) mit Infektionsquellen – tragen Sie Badeschlappen.
- Waschen Sie Ihre 30°- und 40°-Wäsche niemals mit der Wäsche eines an Mykosen Erkrankten (denken Sie an Mannschaftssportarten, bei denen teilweise ganze Mannschaftssätze zusammen gewaschen werden).
- Versiegeln Sie geschädigte Nagelplatten mit entsprechenden antimykotischen Lacken (z.B. Batrafen®-Lack).
- Meiden Sie in öffentlichen Bädern ggf. noch vorhandene Fußdesinfektionsanlagen, sie stellen den Infektionsaustauschort erster Güte dar.
Ein Trost mag bleiben: Nicht nur sportlich Aktive, sondern auch couch-potatos können athlete’s foot bekommen.
Um die Tabelle zu sehen, bitte das PDF runterladen
Literatur:
[1] Qadripur, Said A.: Pilze und Pilzerkrankungen - Ein Leitfaden für die Praxis, Stuttgart: Thieme Verlag, 1996, S. 14.
[2] Tietz, Hans-Jürgen; Ulbricht, Horst: Humanpathogene Pilze der Haut und der Schleimhäute – Entnahme, Anzucht, Differenzierung, Hannover: Schlütersche GmbH 1999, S.46.
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