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Verletzungen des Kniegelenks beim alpinen Skifahren
Verletzungen des Kniegelenks beim alpinen Skifahren
Seit der Einführung der statistischen Erfassung von Verletzungen im Skisport von der Auswertungsstelle für Skiunfälle im Jahre 1979 zeigt sich eine stetige Abnahme der Anzahl von verletzten Ski fahrern, die einer medizinischen Behandlung bedürfen [1]. Schädelverletzungen konnten durch die vermehrte Benutzung von Helmen deutlich reduziert werden [4, 6]. Auch die Einführung der Carvingski hat nicht den befürchteten Anstieg der Verletzungszahlen herbeigeführt [3,5,7].
Bei den verletzten Körperregionen konnte eine Veränderung von ehemals häufigen Unterschenkel- und Sprunggelenksverletzungen hin zu Knieverletzungen gesehen werden, die nun aktuell die häufigsten Verletzungen im alpinen Skisport darstellen [1]. Subjektiv scheint es, dass in den letzten Wintern die schweren Knieverletzungen zugenommen haben. Um dieser Frage nachzugehen, erfassen wir seit dem Winter 2006/07 prospektiv die Verletzungen des Kniegelenks beim Skisport in unserer Abteilung für Unfallchirurgie in Garmisch-Partenkirchen und Murnau.
In jeder Saison werden in unserer Abteilung ca. 1200 Patienten behandelt, die sich Verletzungen beim alpinen Skifahren zugezogen haben. Der Anteil der Knieverletzungen ist mit 42 % die am häufigsten zu behandelte Verletzung. Hier ist auffällig, dass Frauen sich häufiger am Knie verletzen als Männer. Diese Zahlen decken sich mit den Zahlen der Auswertungsstelle für Skiunfälle [1]. Es handelt sich fast immer um isolierte Verletzungen des Kniegelenks ohne weitere Verletzungen des Körpers. Der Großteil der Verletzung sind leichte
Bagatellverletzungen, die sich in der Anzahl über den Erfassungszeitraum nicht wesentlich verändert haben. Die ligamentären Verletzungen des Kniegelenks zeigten einen leichten Rückgang, wohingegen die knöchernen Verletzungen kontinuierlich zugenommen haben.
Die Frakturen im Kniegelenksbereich beim Skifahren sind ausschließlich in der proximalen Tibia zu finden. Es zeigten sich keine Frakturen der Patella oder des distalen Femurs. Während unseres Beobachtungszeitraumes von vier Wintern wurden 187 Patienten mit proximalen Tibiafrakturen behandelt. Die Geschlechterverteilung war ausgeglichen. Die Inzidenz, die sich aus den Skigastzahlen der Skigebiete im Einzugsgebiet errechnet, zeigt einen Anstieg von 27 proximalen Tibiafrakturen auf 68 Frakturen pro 100.000 Skitage (Abb.2). Bei den Frakturen zeigen sich 20 % mit Frakturen der Eminentia Intercondylaris, was ein Ausdruck einer knöchernen Kreuzbandläsion darstellt. Die restlichen Frakturen waren uni- oder bikondylären proximale Tibiafrakturen. Die Altersspanne lag bei diesen Frakturen zwischen 40 und 60 Jahren, was deutlich höher ist als der durchschnittliche verletzte Skifahrer.
Bei 2/3 der uni- oder bikondylären proximalen Tibiafrakturen zeigt sich eine schwere Verletzung der Gelenkfläche, was ein erhöhtes Arthroserisiko birgt. Bei sogar 10 % der Fälle lag noch eine begleitende Gefäß- und Nervenschädigung oder ein Kompartmentsyndrom als Ausdruck der schweren Verletzung vor. Die Behandlung solcher schweren Knieverletzungen ist schwierig und fast immer sind operative Maßnahmen notwendig. Die Nachbehandlung ist aufwändig und langwierig. Die Folgen für den Einzelnen sind sehr gravierend. So erreichen weniger als 10 % der Patienten mit bikondylären Frakturen nach zwei Jahren ihre früheren Aktivitätslevels. Auch die Behandlung von reinen ligamentären Verletzungen ist mit einem großen Rehabilitationsprogramm und Einbußen der sportlichen Aktivität verbunden.
Fazit
Einen verletzungsfreien Skisport wird es auch in der Zukunft nicht geben. Aber die Analyse der Verletzungen kann zu Verletzungsvermeidung durch
Präventionen führen, so z.B. das propriozeptive Training durch Skigymnastik, was nachweislich die Inzidenz der Verletzungen des vorderen Kreuzbandes verringern kann [2]. Auch wäre eine Überarbeitung der Richtwerte zur Einstellung der Skibindung bei den Skifahrern über 40 Jahren sinnvoll, um den Trend der zunehmenden proximalen Tibiafrakturen Einhalt zu gebieten.
biomechanik@bgu-murnau.de
Abb.1+3: Fallbeispiel einer 45-jährigen Skifahrerin, die aufgrund eines Fahrfehlers mit dem linken Bein verdrehte. Bei dem Sturz löste die Bindung nicht aus. Es zeigt sich im Röntgen und CT eine bikondyläre proximale Tibiafraktur nach AO Typ C3.1. Bei Aufnahme erfolgt die Anlage eines gelenkübergreifenden Fixateur Extern. Eine Verletzung der Nerven und Gefäße oder ein Kompatmentsyndrom lagen nicht vor. Nach Konsolidierung der Weichteile konnte am fünften Tag der Verfahrenswechsel auf eine interne winkelstabile Plattenosteosynthese erfolgen. Intraoperativ zeigte sich der Außenmensikus verletzt und wurde primär genäht. Beim Follow-up nach einem Jahr zeigten sich belastungsabhängige Beschwerden, der Aktivitätsindex nach Tegner war von vor dem Unfall sieben Punkten auf nun drei Punkte verringert.
Abb. 2: Inzidenz pro 100.000 Skitage für das Auftreten von Frakturen im Bereich
des Kniegelenks in den Wintern 2006/07 bis 2009/2010 in Skigebieten Garmisch-
Partenkirchen und Zugspitze.
Literatur
[1.] Auswertungsstelle für Skiunfälle. Unfälle und Verletzungen im alpinen Skisport 2008/09. 2010.
[2.] Hansom D, Sutherland A. Injury prevention strategies in skiers and snowboarders. Curr.Sports Med.Rep. 2010; 9:169–175.
[3.] Kruis C. [Speed curve glide. More ligament ruptures caused by carving-ski?]. MMW.Fortschr.Med. 2003;145:18.
[4.] Levy AS, Hawkes AP, Rossie GV. Helmets for skiers and snowboarders: an injury prevention program. Health Promot.Pract. 2007; 8:257–265.
[5.] Ruedl G, Linortner I, Schranz A, Fink C, Schindelwig K, Nachbauer W, Burtscher M. Distribution of injury mechanisms and related factors in ACL-injured female carving skiers. Knee.Surg.Sports Traumatol. Arthrosc. 2009.
[6.] Ruedl G, Sommersacher R, Woldrich T, Pocecco E, Hotter B, Nachbauer W, Burtscher M. [Who is wearing a ski helmet? Helmet use on Austrian ski slopes depending on various factors]. Sportverletz.Sportschaden 2010; 24:27–30.
[7.] Westphal K. [Carving ski and snowboard: trauma trend in a trendy sport. Fast and with sharp edge into the clinic]. MMW.Fortschr.Med. 2007; 149:10–12.
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