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Flexible ambulante Rehabilitation

Flexible ambulante Rehabilitation

Hocheffiziente Behandlung jetzt auch für gesetzlich Versicherte

Ab sofort können viele gesetzlich krankenversicherte Patienten von einer flexiblen
Spezialtherapie profitieren, die teilweise auf Erkenntnissen aus der Behandlung von Leistungssportlern, wie dem mehrfachen Tischtennis-Europameister Timo Boll, basiert. Für die mehr als sechs Millionen Versicherten der DAK bedeutet das neuartige Versorgungsmodell Flexible Ambulante Rehabilitation künftig eine verbesserte Behandlung in ambulanten Rehazentren deutschlandweit. Etwa im Falle von schweren Wirbelsäulenleiden oder Sportverletzungen sollen Betroffene durch das besonders flexible Therapiekonzept und persönliche Bezugstherapeuten deutlich schneller gesund werden. Das sind die Inhalte einer bislang einmaligen Kooperationsvereinbarung, die von der DAK und der Sportklinik Bad Nauheim als Modelleinrichtung auf der FIBO, der Internationalen Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit, vorgestellt wird. Auf dem Messestand der proxomed®-Gruppe, dem deutschen Innovationsführer bei medizinischen Trainingsgeräten, betonen Vertreter, dass sich bald weitere Einrichtungen dem Modellvertrag anschließen können, um ein bundesweit flächendeckendes Angebot zu realisieren.

Flexiblere und individuellere Behandlung als zuvor

Das gemeinsame Ziel ist die Schaffung einer flexibilisierten ambulanten Rehabilitation, die leistungsfähiger und innovativer als bestehende Versorgungsformen ist. So soll neben der Verbesserung der Lebensqualität der Patienten eine effiziente und dauerhafte Wiedereingliederung in das Erwerbsleben und das soziale Umfeld erreicht werden. Deswegen erhalten die Versicherten neben einer intensiven Betreuung und dem funktionellen Gesundheitstraining auch eine psychosoziale Beratung. Hierbei steht jedem Patienten erstmals von Beginn an ein Bezugstherapeut zur Seite, auf den bis zu einem Jahr nach Reha-Ende zurück gegriffen werden kann. Auch eine flexible Therapieplanung wird neu eingeführt. Damit lassen sich die Behandlungsabläufe so einstellen, wie es individuell notwendig ist. Für Berufstätige werden Termine vor und
nach der Arbeit und selbst am Wochenende angeboten. Ältere Patienten oder solche mit Zweiterkrankungen profitieren von einer Behandlung mit geringerer Intensität, dafür mit einer insgesamt längeren Laufzeit als bisher üblich. Bei Patienten mit schweren Wirbelsäulenleiden beispielsweise sollen bereits in vier bis sechs Wochen Erfolge erreicht werden, indem bis zu vier Stunden pro Tag behandelt wird, wenn es notwendig
ist.

Herbert Trittel, Vertragschef der DAK Hessen, kommentierte die Vereinbarung mit den Worten: „Die Flexible Ambulante Rehabilitation soll einen deutlich verbesserten Therapie- und Rehabilitationsverlauf – auch über einen längeren Zeitraum ermöglichen. Das bedeutet für den Patienten noch mehr Sicherheit für ein nachhaltiges und gutes Behandlungsergebnis. Mit diesem neuen Spezialisten-Netzwerk verbessert
die DAK ihr Leistungsangebot und reagiert auch auf neueste Erkenntnisse, nach denen Rückenleiden die häufigste Ursache für Krankschreibungen sind. Wir freuen uns, mit der Sportklinik Bad Nauheim genau den richtigen Partner für die Entwicklung der Flexiblen Ambulanten Rehabilitation gefunden zu haben.“
Der Entwicklung der Flexiblen Ambulanten Rehabilitation (FAR) liegen auch Erkenntnisse zugrunde, die im Spitzensport gesammelt wurden. Der Tischtennisprofi, mehrfache Europameister und Weltranglistendritte Timo Boll berichtet von seinen Erfahrungen: „Mit dieser, nach der Systematik der Sportklinik Bad Nauheim durchgeführten, Therapie habe ich selber gute Erfahrungen gemacht. Nach mehreren Verletzungen wurde ich in der Sportklinik Bad Nauheim individuell hervorragend behandelt. Als Leistungssportler hatte ich natürlich ein besonders intensives Programm. Aber meiner Meinung nach ist das Konzept deshalb so wirkungsvoll, weil die Therapie maßgeschneidert, also bei weniger sportlichen Menschen individuell angepasst wird." Inzwischen hat sich Timo Boll auch erfolgreich dafür eingesetzt, dass seine Mannschaftskameraden ebenfalls von dieser Therapieform profitieren.

Als Initiator des neuen Angebots gilt der Orthopäde und Sportmediziner Dr. med. Johannes M. Peil, Leitender Arzt der Sportklinik Bad Nauheim: „In der Praxis haben wir festgestellt, dass sich bei der Behandlung komplexe Indikationen herauskristallisieren können, für welche die Physiotherapie alleine keine ausreichende Therapiemöglichkeiten bietet und die bestehende Ambulante Medizinische Rehabilitation (AMR) zu umfangreich und starr ist. Zudem ist die AMR mit einer gleichzeitigen, aktiven beruflichen Tätigkeit nur schwer vereinbar. Ich bin stolz darauf, dass wir in Bad Nauheim unsere ganze Erfahrung aus nahezu zwei Jahrzehnten ambulanter, komplexer Nachbehandlung gemeinsam mit der DAK in dieser
absoluten Innovation im Gesundheitsmarkt bündeln konnten“, so der Mediziner.
Die Flexible Ambulante Rehabilitation wird nur in Reha-Einrichtungen angeboten, die bestimmte Anforderungen erfüllen. Neben der Qualifikation der Mitarbeiter und der Eignung der Räumlichkeiten wird ein besonderes Augenmerk auf die eingesetzten Geräte gelegt, wie Frank Kirchner, Geschäftsführer der proxomed®-Gruppe, einem der führenden Hersteller von medizinischen Sportgeräten und Entwickler von Konzepten für den Gesundheitsport, sagt: „Wir haben mit unseren Trainingsgeräten und Bewegungskonzepten die Entwicklung der Flexiblen Ambulanten Rehabilitation von Beginn an begleitet, weil wir glauben, dass der Gesundheitsmarkt von morgen solche innovativen Versorgungslösungen braucht. Schon länger unterstützt die proxomed®-Gruppe etwa die Integrierte Versorgung Rückenschmerz. Für unsere Innovationen werden wir immer wieder ausgezeichnet, auf der diesjährigen FIBO sind wir für den FIBO Innovation Award nominiert. Bei der FAR können wir uns mit unseren optimierten Trainingsgeräten für Medical Fitness mit intelligenter Software einbringen. Diese unterstützt die so wichtige Erstellung von sehr individuellen Trainingsplänen und steuert die Behandlung mit Biofeedback-Elementen sowie einem Chipkartensystem. Aber natürlich wird auch eine sorgfältige Dokumentation und Erfolgskontrolle sichergestellt, damit sich die FAR auch rechnet.“
Sehr zufrieden über die vereinbarte Kooperation zeigt sich auch Olaf Tomscheit, Event Director der FIBO. Er sieht die FIBO als neuen Treffpunkt des Gesundheitsmarkts: „Vor dem Hintergrund der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gewinnt das Zusammengehen von Fitness und Gesundheit zunehmend an Bedeutung. Das unterstreicht auch das neue Konzept der Flexiblen Ambulanten Rehabilitation, das im Rahmen der FIBO vorgestellt wird. Die FIBO fördert diese Entwicklung und stellt Aussteller mit Leistungen für den Gesundheitsmarkt mit einem eigenen Vermarktungskonzept dar."

HINTERGRUND

Flexible Ambulante Rehabillitation (FAR)

Gegenwärtig werden schwere Wirbelsäulenleiden oder Sportverletzungen zumeist im Rahmen der Ambulanten Medizinischen Rehabilitation (AMR) therapiert. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass viele Spezialisten wie Ärzte, Sportlehrer und Therapeuten am Heilungsverfahren beteiligt sind. In der Praxis hat sich aber herausgestellt, dass diese Form der Rehabilitation für viele Patienten zu starr ist. Das gilt besonders für Berufstätige aber auch ältere Patienten oder solche mit Zweiterkrankungen, die längere Laufzeiten brauchen.
Die FAR setzt deshalb darauf, die Behandlung durch verschiedene Berufsgruppen zu erhalten aber zusätzlich deren individuelle Kompetenzen im Reha-Zentrum stärker zu nutzen. Es geht also vor allem darum, die Rehabilitation hinsichtlich Intensität, Umfang und Frequenz zu flexibilisieren. Eine individuelle Anpassung der Therapie an das individuelle Leistungsvermögen steigert die therapeutischen Ergebnisse – zum
Wohle des Patienten.

Die FAR ist hauptsächlich für die Behandlung schwerwiegender Schäden oder Verletzungen des Bewegungsapparates
ausgelegt. Folgende Indikationen stehen im Vordergrund:
• Lendenwirbelsäulensyndrom mit erheblicher Beeinträchtigung (Lumboischialgie, Wirbelsäuleninstabilität)
• Verletzungen (z. B. Kreuzband)
• Zustand nach Operationen am Skelettsystem (Bandscheibe, Kniegelenk, Fuß, TEP etc.)
• Degenerative Gelenkerkrankungen mit erheblichen Einschränkungen
• Zustand nach Extremitätenamputationen

Zu den Voraussetzungen, welche die DAK an die Reha-Einrichtungen für den Einsatz von FAR stellt, gehören unter anderem:
• Durchführung unter ärztlicher Leitung ausschließlich in Zentren, die zur AMR zugelassen sind
• Ganzheitlicher Therapieansatz und Beachtung aller Begleiterkrankungen des Rehabilitanden
• Ärztliche Leitung und Aufgabenstellung einschließlich der stetigen Präsenz des Arztes
• Qualifiziertes Rehabilitationsteam
• Erfüllung von sozial-medizinische Anforderungen
• Stetige Qualitätssicherung und Dokumentation

Foto: Pressekonferenz in Bad Nauheim

Stichwörter:
flexible ambulante Rehabilitation

Ausgabe MSN 2 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 2 / 2010.
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