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Bandverletzungen des Schultereckgelenks

Bandverletzungen des Schultereckgelenks

Typische Verletzungen im Radsport

Die Verletzung der stabilisierenden Bänder des Schultereckgelenks zählt neben Brüchen
des Schlüsselbeines zu den häufigsten Verletzungen im Radsport. Ursache ist ein Sturz direkt auf das Schultergelenk. Die beim Sturz auftretenden Kräfte können zum Riss von Bändern führen, die das Schultereckgelenk stabilisieren.

Der verletzte Sportler klagt über starke Schmerzen im Bereich der Schulter, der maximale Schmerz besteht direkt über dem Schultereckgelenk. Die Beweglichkeit des Armes ist stark schmerzhaft, in den meisten Fällen kann der Arm kaum abgespreizt werden. Teilweise finden sich Hautabschürfungen seitlich und auf der Rückseite der Schulter. Bei entkleidetem Oberkörper und hängenden Armen erkennt man bei einem Riss aller 3 Bänder einen deutlichen Hochstand des äußeren Schlüsselbeinendes. Der Druck auf das hochstehende Schlüsselbeinende zeigt eine federnde Instabilität (Klaviertastenphänomen) und ist erheblich schmerzhaft. Zur eindeutigen Beurteilung
des Schweregrades der Verletzung wird eine Panoramaaufnahme mit 5 oder 7,5 kg Belastung an beiden Armen durchgeführt. Dadurch lässt sich das Ausmaß des Hochstandes des äußeren Schlüsselbeinendes eindeutig nachweisen und klassifizieren.

Man unterscheidet 3 Gruppen von Bändern sowie eine das Gelenk überziehende Faszie. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Bandverletzung und dem daraus resultierenden Grad der Verschiebung des Schlüsselbeines ergibt sich eine Einteilung der Verletzung in 6 Schweregrade. Zum Ausschluss von weiteren Verletzungen der Schulter empfiehlt sich zusätzlich zur Röntgendiagnostik eine Kernspintomografie. Ist nur ein Teil der Bänder verletzt, tritt kein oder nur ein geringer Hochstand des Schlüsselbeinendes auf. Verletzungen I–II° erfordern daher keine operative Stabilisierung. Durch vorübergehende Schonung und abschwellende Medikamente kann eine schmerzfreie Schulterfunktion innerhalb weniger Wochen wieder hergestellt werden. Eine Trainingspause ist in der Regel in Abhängigkeit von den Beschwerden nicht oder nur für wenige Tage erforderlich.
Komplette Bandzerreißungen führen zu einem vollständigen Hochstand des Schlüsselbeines über eine Distanz von über 1,5 cm (Grad III Verletzung). In besonders schweren Fällen tritt zusätzlich ein Riss der das Gelenk überdeckenden Faszie auf. Dann können massive Verschiebungen des Schlüsselbeines sowohl in horizontaler aus auch vertikaler Ebene über mehrere Zentimeter auftreten. Das Schlüsselbeinende ist dann direkt unter der Hautoberfläche sicht- und tastbar.
Bei Bandzerreißungen Grad IV–VI muss eine operative Stabilisierung erfolgen, da bei konservativer Behandlung meistens nicht akzeptable Beschwerden verbleiben. Die Behandlung von Grad III Verletzungen wird kontrovers diskutiert. In einigen Untersuchungen zeigen sich vergleichbare Resultate nach operativer und konservativer Behandlung. Bei sportlicher oder beruflicher Belastung der Schulter, wie sie auch beim Radsport gegeben ist, ergeben sich allerdings Vorteile bei operativer Stabilisierung des Gelenkes, da belastungsabhängige, störende Restbeschwerden seltener auftreten. In den meisten Fällen wird dem Radsportler mit Grad III Verletzung
daher die operative Behandlung empfohlen.

Es existieren zahlreiche Operationsverfahren zur Stabilisierung des Schultereckgelenks, die nur bei einem Teil der Patienten gelingt (Hakenplatte, Drahtstifte und Drahtschlingen, Schrauben, künstlicher Bandersatz,).
Besondere Risiken der Operation sind eine instabile Ausheilung mit bleibenden Beschwerden sowie Probleme mit dem Bandersatzmaterial (Infektion, Abstoßungsreaktion) oder den eingebrachten Metallimplantaten (Bruch oder Wanderung des Metallimplantats). Wir haben derzeit die besten Erfahrungen bei Verwendung der Hakenplatte die sofort belastungsstabil ist und nach 3– 4 Monaten wieder entfernt wird.
Bei operativer Therapie können Radfahrer bereits nach 2–3 Tagen wieder auf dem Ergometer und nach 4 – 6 Wochen auf der Straße trainieren. In der ersten Woche sollte eine Schlinge zur Entlastung des verletzten Armes getragen werden. Gewichtsbelastungen am Arm, mit Zug nach unten, sollten für 6 Wochen vermieden werden. Das operierte Schultergelenk sollte für 4 Wochen nicht über die Horizontalebene bewegt werden.
Die vollkommen stabile Ausheilung der Verletzung benötigt einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten. Bis dahin sollten Maximalbelastungen vermieden werden.

Fazit

Wir raten beim Radsportler nur bei Verletzungen Grad I und II zur konservativen Therapie. Bei kompletter Bandzerreißung empfehlen wir die operative Behandlung mittels Hakenplatte, die belastungsstabil ist und die sofortige Wiederaufnahme der sportlichen Belastung erlaubt.

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. med. Thomas Ambacher:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/2840

Foto: © panthermedia.net | Meseritsch Herby

Ausgabe MSN 6 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 6 / 2009.
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