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Schwimmen - Interview mit Thomas Lurz
Schwimmen - Interview mit Thomas Lurz
Es ist gerade wenige Wochen her, dass Thomas Lurz den Weltmeistertitel im 5 km und Vizeweltmeistertitel 10 km im OPEN WATER Schwimmen in Melbourne, Australien erhielt. 2006 hat Thomas Lurz den Titel „Weltschwimmer des Jahres 2006“ im OPEN WATER Schwimmen erhalten. Thomas Lurz ist der erste Die meisten sportinteressierten Menschen kennen Schwimmwettkämpfe lediglich im klassischen Stil, d.?h. im Becken meist 50-m-Bahnen. Was ist das Besondere am Langstreckenschwimmen und speziell am OPEN WATER Schwimmen? Das Spezielle am OPEN WATER ist, dass man sich erstens orientieren muss, der direkte Kontakt zum Gegner besteht, die Taktik eine größere Rolle spielt, die Strecke viel länger ist und dass die äußeren Gegebenheiten wie Wellen, Wassertemperatur und auch das Wasser an sich (Meer, See oder Fluss) anders ist. Außerdem wird auf der 10-km-Strecke während des Rennens Nahrung aufgenommen, was natürlich im Becken nicht der Fall ist. Wie kann man sich die Vorbereitung bzw. das Training für einen solchen Wettkampf vorstellen? Geschieht dies hauptsächlich im Becken oder versuchen Sie so viel wie möglich im freien Wasser zu schwimmen, um die besonderen Gegebenheiten (Wind, Salzwasser, Wellen etc.) zu verstehen? Kann man sich überhaupt auf die Besonderheiten des Meeres vorbereiten, oder ist jeder Wettkampf eine neue, zum Teil auch ungewisse Herausforderung? Ja das stimmt. Jeder Wettkampf ist eine neue Herausforderung, da die Gegebenheiten immer anders sind.(Temperatur, See, Fluss oder Meer, Wellen, Wind usw.) Meine Vorbereitungen finden unter anderem auch deshalb ausschließlich im Becken statt. Außerdem ist es auch sehr wichtig, nicht seine Grundschnelligkeit zu verlieren, was man nur Becken trainieren kann. Dort kann man auch genaue Strecken bzw. Serien schwimmen und stoppen. *Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, welche Fähigkeit bestimmt Ihr Training am stärksten? Kraftausdauer. Da Schwimmen eine Kraftausdauer Sportart ist. Auch auf den 10?km ist es sehr wichtig, eine schnelle 1.500-m-Zeit im Becken schwimmen zu können, da meistens sehr taktisch geschwommen wird und die letzten Meter somit sehr schnell. Wenn Sie Ihre Sportart mit Sportarten an Land vergleichen, gibt es Ihres Erachtens besondere Unterschiede hinsichtlich Verletzungen und Schädigungen? Ja, denke schon. Schwimmen im Allgemeinen ist eine sehr gesunde Sportart. Man hat kaum Verletzungen oder Schädigungen. Allerhöchstens bekommt man Schulterschmerzen aufgrund der vielen geschwommenen Kilometer im Training. Wobei man dagegen auch vorbeugend im Training trainiert. Gibt es während des Schwimmens irgendeine Form der eigenen Kontrolle (Pulsmesser etc.) oder ist alles reines Gefühl? Es gibt schon die Möglichkeit der Pulsmessung und der Laktatabnahme, die ich persönlich auch nutze. Aber mein Gefühl ist schon aufgrund der langjährigen Erfahrung meistens ziemlich genau und richtig.
*Wie in jedem Sport, gibt es auch beim Schwimmen bestimmte Arten der Ernährung, wie sieht das bei Ihnen aus? Gibt es bestimmte Zusätze oder holen Sie alles aus Eine gesunde Ernährung ist sehr wichtig. Außerdem nutzt man auch Nahrungsergänzungen. Ich nutze hier auch AM sport und Am Competition (Aminosäuren), die mir bei einer schnellen Regeneration behilflich sind. Hier konnte ich auch auf die Hilfe von Mark Warnecke, Weltmeister auf 50?m Brust, 2005, zurückgreifen. Allerdings ist es auch mal wichtig, das zu essen was einem schmeckt. Ist gut für die Seele und darf natürlich nicht jeden Tag sein. Spielt in Ihrem Sport der Begriff Angst eine Rolle? Wenn ja, können Sie diese beschreiben? Angst habe ich eigentlich nie in meinem Sport. Es sei denn ein weißer Hai kreuzt bei einem OPEN WATER Rennen auf oder man sorgt sich vor großen Wettkämpfen, dass man krank wird. Nervös bin ich schon bei großen Wettkämpfen, was auch sehr wichtig, ist um Topleistungen zu bringen. Man muss nur damit gut umgehen können. Kurz vor der Weltmeisterschaft haben Sie Ihre Diplomarbeit abgegeben. Diese Doppelbelastung hat Sie in den letzten Jahren garantiert viel Kraft gekostet! Ist Ihr Studium der Sozialwissenschaften ein zweites Standbein oder können Sie heute von Ihrem Sport leben?* Zum Glück konnte ich mein Studium erfolgreich ein Jahr vor Peking beenden. Das war auch so geplant. Von meinem Sport kann man eigentlich nicht wirklich leben, deshalb ist ein Studium schon unheimlich wichtig. Es war schon sehr schwer beides gleichzeitig in den letzten Jahren zu machen. Aber die FH Würzburg konnte mir schon behilflich sein, wenn z.?B. Klausuren zeitgleich wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften waren, durfte ich sie nachschreiben, was mir schon eine Hilfe war und somit war das Semester nicht ganz umsonst. Aber wie schon gesagt, grundsätzlich ist es schwer und muss gut geplant und strukturiert sein.
*2008 finden die Olympischen Sommerspiele in Peking statt, die Qualifikation für diese Wettkämpfe steht noch bevor. Ich freue mich schon sehr auf diese Aufgabe. Es ist eine große Chance für mich eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen zu gewinnen, was für jeden Sportler das Größte ist, denn damit hätte ich alle Titel in meiner Laufbahn gewonnen. Ich sehe es als einen Vorteil, denn die Gegner werden nach mir schauen und sich danach richten, was mich dann stark macht. Hat zwar auch einen kleinen Nachteil aber die Vorteile überwiegen für mich. Ich werde hart und motiviert dafür trainieren. Alles Gute für Ihre weitere Karriere. |
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