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Über den Einfluss von Sprache im Rehabilitationsprozess
Über den Einfluss von Sprache im RehabilitationsprozessMit Worten heilenDie mentale Stärke eines Sportlers spielt bei Höchstleistungen eine zentrale Rolle. Auch bei Verletzungen und während der Rehabilitation ist es entscheidend, wie der Sportler mental mit seiner Verletzung umgeht. Auf diesen Teil der mentalen Stärke hat der behandelnde Arzt einen enormen Einfluss. Im Folgenden wird beschrieben, wie dieser Einfluss optimal genutzt werden kann. In unserer Arbeit sind wir vielen Sportlern begegnet, die mit ähnlichen Verletzungen vollkommen unterschiedliche Heilungsverläufe hatten. Während die einen auch bei komplexer Symptomatik außerordentlich schnell wieder gesund und im Training waren, erlebten wir häufig Athleten, die unter leichten Verletzungen lange litten und deren Rehabilitationsprozess sich sehr lange hinzog. Bei genauerer Untersuchung stellten wir fest: Was bezüglich der Verletzung kommuniziert wurde und wie der Sportler diese Worte abgespeichert und verarbeitet hat, beeinflusste in hohem Maß den Umgang des Sportlers mit seiner Verletzung. Zudem hatte diese Kommunikation prägenden Einfluss auf die Qualität der Kooperation mit den Behandlungsmaßnahmen, sie war rehabilitationsförderlich oder hinderlich. Drei Phasen des Erlebens von Sportverletzungen Fragt man Sportler nach dem Geschehen rund um die Verletzungssituation, reagieren die meisten sehr ähnlich. Fast alle haben drei Phasen bezüglich der Verletzung in Erinnerung. Phase eins Genaue, detailreiche Erinnerung an die Verletzung. Der Golfprofi Felix F., der beim Skifahren ausgerutscht ist, beschreibt den Sturz sehr präzise: „Meine Beine rutschen zur Seite, ich merke, dass ich die Ski nicht mehr unter Kontrolle habe, spüre den Aufprall im Schnee, höre so ein komisches Knacken und Schnalzen im rechten Unterarm und weiß irgendwie – das ist etwas Ernsteres, da muss ich danach schauen lassen, das fühlt sich nicht gut an.“ Phase zwei Vage bis gar keine Erinnerung an die Zeit bis zum ersten Kontakt mit dem Arzt. Felix F. beschreibt diese Phase so: „Ich bin irgendwie wieder aufgestanden, offensichtlich sogar ins Tal gefahren, keine Ahnung, wie das ging und wie ich zum Arzt gekommen bin, weiß ich eigentlich auch nicht mehr genau, Filmriss.“ Phase drei Das Zusammentreffen mit dem Arzt wird wieder extrem präzise und detailreich erinnert. Felix beginnt seinen Bericht mit den Worten:„ Ich erinnere mich noch genau, wie der Arzt beim Ansehen des Röntgenbilds gesagt hat: Oh, das ist aber ein ordentlicher Bruch. Da kann nur ein Spezialist dran. Und ich erinnere mich noch genau, wie er gesagt hat: Aber in sechs Wochen sind sie wieder auf dem Platz.“ In dieser dritten Phase ist der Sportler zunehmend beherrscht von Hilflosigkeit und Angst. Diese Emotionen dominieren diese Phase im Erstkontakt mit dem behandelnden Arzt. Hochsuggestibler Ausnahmezustand Während der Arzt sich auf bekanntem alltäglichen Terrain bewegt, befindet sich der Sportler in einer bedrohlichen Lebenssituation. Der Ausgang der Verletzung entscheidet über seine sportliche Zukunft, den Verlauf seiner Karriere und z. T. über sein zukünftiges Leben. Dadurch ist der Sportler in einem hochsuggestiblen Alarm- und Ausnahmezustand. Für ihn stehen besonders zwei Fragen im Vordergrund: Wie schwer wiegend ist die Verletzung (Diagnose) und wie lange dauert es, bis ich wieder trainieren und meine Höchstleistungen erreichen kann (Prognose)? Worte des Arztes werden zur Wirklichkeit des Patienten In dieser für den Sportler existenziell bedrohlichen, emotional hoch aufgeladenen Situation hat alles, was der Arzt sagt (und wie er es sagt), eine für den Sportler lebensentscheidende und lebensprägende Wirkung. In diesem Kontext kann der Arzt mit seinen Worten das Erleben des Patienten wie ein Hypnotiseur steuern. Worte und Gesten wirken wie stärkste Suggestionen. Bei Felix F. ist das nicht optimal gelaufen: „Oh, das ist aber ein ordentlicher Bruch. Da kann nur ein Spezialist dran“, zusammen mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem Kopfschütteln – dies wurde von Felix F. als hoch komplizierter Bruch interpretiert, der nur unter größten Schwierigkeiten zu operieren ist. Die verbalen und nonverbalen Botschaften steigerten die Ängste von Felix. Gleichzeitig ging Felix F. davon aus, dass, wenn er von einem Spezialisten operiert wird, die Prognose „Aber in sechs Wochen sind sie wieder auf dem Platz“ eintreffen wird und er nach sechs Wochen wieder in sein gewohntes intensives Training zurückkehren kann. Darauf hat er sich verlassen. Auf eine Handgelenksversteifung nach sechs Wochen Immobilität und einen beginnenden M. Sudeck mit allen Symptomen war Felix nicht vorbereitet. Sein Vertrauen in die ärztliche Therapie wurde nachhaltig erschüttert – kein guter Start für eine Physiotherapie und eine engagierte Rehabilitation. Fazit Leitlinien heilender ärztlicher Kommunikation nach Verletzungen, aber auch vor und nach Operationen: - Nutzen Sie Bilder und Skizzen, um dem Sportler seine Verletzung verständlich zu machen. - Wählen Sie einfache, verständliche Worte, erklären Sie medizinische Fachbegriffe (auch am besten anhand von Bildern). - Fokussieren Sie auf positive Möglichkeiten und auf das, was alle Beteiligten bestmöglich tun werden, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten. - Seien Sie realistisch bezüglich der Prognose und machen Sie die Einflussfaktoren auf die Prognose transparent – „medizinisch geheilt“ heißt für den Sportler nicht unbedingt wieder „ voll funktionsfähig für sportliche Höchstleistungen“. - Knüpfen Sie die Prognose an Ausmaß und Qualität der Reha-Beiträge des Sportlers. - Beschreiben Sie dem Sportler evtl. anhand von Bildern genau, was er tun kann, um den Heilungsverlauf zu unterstützen und beschreiben Sie ebenfalls möglichst genau, wie er den Heilungsverlauf verzögern könnte und was er vermeiden sollte. - Überprüfen Sie, was beim Sportler angekommen ist und wie er die Informationen verstanden/verarbeitet hat. - Bieten Sie ein Gespräch zu Fragen an, die der Sportler nach dem Gespräch evtl. hat. Foto: © pixathlon |
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