21.05.2012 17:44 - Über uns - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Golf: Der richtige Schwung

Golf: Der richtige Schwung

Nach Erhebungen der Bertelsmann- Stiftung leiden 80 % der Golfspieler unter Rückenbeschwerden. Nicht erfasst wurden die Golfer, die unter Beschwerden im Hüft-, Knie- oder Sprunggelenk leiden. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass Kinder und Jugendliche in dieser Studie nicht berücksichtigt wurden. Daher ist eine ganzheitliche Betrachtung des Golfschwungs aus funktioneller orthopädischer
Sicht notwendig, um daraus mögliche therapeutische Konsequenzen zu ziehen.

In Deutschland beginnen ca. 60.000 Menschen pro Jahr mit dem Golfsport. Doch 40.000 hören auch wieder auf. In den
USA beginnen 3 Millionen pro Jahr – doch hier hören 3 Millionen wieder auf. Warum? Die wichtigsten Gründe, weshalb sich Golfer von ihrem Sport abwenden, sind zum einen Beschwerden, die durch das Golfspiel hervorgerufen werden und zum anderen Frustrationen über die stagnierende Performance angesichts des hohen Schwierigkeitsgrades der Golfschwungbewegung.

Diagnostik unabhängig vom Golfschwung

Für das optimale Treffmoment beim Golfschwung ist eine gerade Körperhaltung im normalen Stand eine zwingende Voraussetzung. So sollte, beginnend mit den Füßen, eine gleichmäßige Belastung beider Füße und eine normale Gewichtsverteilung zwischen Vor- und Rückfuß gegeben sein. Das Becken sollte einen Beckengleichstand aufweisen. Das Iliosacralgelek ist idealerweise nicht blockiert. Die Wirbelsäule sollte weder eine erhöhte Lot- oder Seitabweichung und/ oder Torsion aufweisen. Die Occlusion und das Kiefergelenk dürfen die Kopfhaltung bzw. den Tonus der Nackenmuskulatur nicht negativ beeinflussen. Sollten die normale Fußstellung und Körperhaltung nicht gegeben sein, so lassen sich durch die lichtoptrimetrische Haltungsvermessung oder eine Standund Ganganalyse mittels Fußmessplattform pathologische Veränderungen objektivieren. Durch manuelle Untersuchungstechniken wie den Muskelfunktionstest nach Prof. Omura lassen sich funktionelle Störungen des sensomotorischen Regelkreises erkennen und der Patient wird, falls notwendig, dem zuständigen Facharzt zur weiteren Diagnostik überwiesen. Auch funktionelle Störungen der Muskelketten lassen sich manuell nachweisen und mit einer weiterführenden Diagnostik abklären. Bei muskulären Dysbalancen kommen dann z.B. ein Elektromyogramm oder isometrische Kraftmessungen im Seitenvergleich zum Einsatz. Die häufigsten Ursachen einer Störung im sensomotorischen Regelkreis stellen Störungen der Fußfunktion und/oder des Kauapparates dar. Fußfunktionsstörungen durch Knick-Senk- oder Senk-Spreizfüße lassen sich z.B. mit Übungen nach Spiraldynamik oder mit proprioceptiven Einlagen aktiv korrigieren. Störungen des Bisses oder Dysfunktionen des Kiefergelenkes können mit einer Schienentherapie behandelt werden. Störungen des binoccularen Sehens können z.B. durch gezieltes Sehtraining oder spezielle Brillengläser verbessert werden.

Analyse des klassischen Golfschwungs und Free-Release-Methode

Eine normale Körperhaltung und eine Bewegungstechnik, die sich im Rahmen der physiologischen Ausmaße der Gelenkbeweglichkeiten hält, sollten die Basis eines optimalen Golfschwungs bilden. Von diesem Idealbild ist der Golfschwung, wie ihn Mitte des vergangenen Jahrhunderts Ben Hogan beschrieben hat und wie er seitdem in seinen Hauptfunktionen praktisch unverändert bis heute gelehrt und praktiziert wird, weit entfernt. So kommt es bei der Ausführung des Golfschwungs nach klassischer Bewegungstechnik in der Schwungphase nach dem Ballkontakt durch die Körperrotation des Spielers in Zielrichtung zu hohen Torsionsbelastungen des Bewegungsapparates. Diese Torsionsbelastungen sind hauptursächlich für typisch golfinduzierte orthopädische Beschwerdebilder, wie sie insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule und in der Gelenkkette Hüfte-Knie-Sprunggelenk des Führungsbeins (beim Rechtshänder linkes Bein) häufig diagnostiziert werden. Die Entstehung dieser unphysiologischen Gelenkstorsionen ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass Golfschuhe mit Spikes versehen sind, die zur sicheren Platzbegehung zwar notwendig sind, bei der Ausübung des Golfschwungs aber eine orthopädisch ungünstige statische Verankerung der Fußund Unterschenkelpartie gegenüber den oberen Körperpartien bewirken. Da der so fixierte Fuß im Schwungverlauf nicht zur Zielrichtung mitrotieren kann, kommt es zu Verdrehungen der Gelenkstrukturen in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk sowie der LWS, sobald die Hüft- und Oberkörperpartie nach dem Balltreffpunkt eine Rotation von 90 Grad und mehr durchlaufen und hierbei den Oberschenkel in Zielrichtung mitdrehen.
Das Thema „schmerzfrei Schwingen“ und damit das Thema „Golf und Gesundheit“ gewinnt nicht erst seit dem Tibia-Ermüdungsbruch aufgrund der hohen Torsionsmomente bei einem der weltbesten Profigolfer zunehmend an Bedeutung.
Vielmehr sind es gerade auch die unter Amateurgolfern weit verbreiteten sportartspezifischen Beschwerden, die dem Themenkomplex in letzter Zeit enorme Schubkraft verliehen haben.

Wie aber sollte ein optimaler Golfschwung aussehen?

Zuallererst sollte sich ein optimaler Golfschwung dadurch auszeichnen, dass Bewegungsabläufe, die kurz- oder mittelfristig zu den beschriebenen orthopädischen Schädigungen oder Schmerzen führen, so gut wie nur möglich vermieden werden. Da das Golfspiel aber vor allem Spaß und Erfolgsgefühle vermitteln soll, darf der orthopädisch ideale Golfschwung nicht zulasten der Performance gehen, sondern sollte eher noch eine Verbesserung der Leistung bewirken. Aus biomechanischen Gründen war diese „Quadratur des Kreises“ – die Vereinigung von Gesundheitsschutz und Performancesteigerung – bislang nicht erreichbar. Mit einer neuen biomechanischen Schwungkonzeption namens „Free-Release“ wird es nun aber erstmals möglich, die beim Golfschwung auf die Gelenkstrukturen einwirkenden Torsionsbelastungen fast vollständig zu neutralisieren, ohne die Schwungperformance negativ zu beeinträchtigen. Erreicht wird dies durch einen neuartigen Golfschuh, der mit einer Drehsohlenmechanik ausgestattet ist und damit einen Golfschwung ohne unphysiologische Gelenkstorsionen erlaubt.
Der technische Ansatz dieses „Turning Shoe“ besteht darin, dass der Oberschuh über eine mit Spikes behaftete Sohle in Zielrichtung rotieren kann. Immer dann, wenn der Spieler nach dem Balltreffpunkt seinen Körper in Richtung des Ziels rotiert, dreht der Golfschuh mitsamt dem Fuß in dieselbe Richtung mit. Untersuchungen des Sportwissenschaftlichen Institutes der Universität Tübingen zeigen, dass dieses neuartige System die Torsionskräfte an Wirbelsäule, Hüft-, Knie- und Sprunggelenk drastisch reduziert. Hierbei konnte u.a. festgestellt werden, dass die bei herkömmlicher Schwungtechnik im Kniegelenk auftretenden Spitzenbelastungskräfte von bis zu 1000 NM auf nur 0,9 NM bei der Free-Release-Technik zurückgeführt werden können. Eine an der Rennbahnklinik Basel durchgeführte Patientenstudie bestätigt die Entlastungseffizienz. Indikationen der Free-Release-Methode Für Orthopäden und Sportmediziner ergeben sich sowohl in der Therapie als auch der Prävention von golfinduzierten orthopädischen Beschwerden völlig neue Ansatzpunkte. Während sich die therapeutischen Maßnahmen bislang meist in der wiederkehrenden Behandlung von torsionsbedingten Überlastungssymptomen erschöpften, können mit der Free- Release-Schwungtechnik und dem Turning Shoe nun auf biomechanischer Ebene gezielt die Ursachen latenter Verletzungsmechanismen abgestellt werden.

Fazit

Aus sportmedizinischer Sicht sollte jeder Golfer aus Gründen der Gesundheitsvorbeugung und des Verletzungsschutzes auf das Free-Release-System zurückgreifen. Dies gilt im besonderen Maße für Kinder und Jugendliche, deren fragile Gelenkstrukturen während der Wachstumsphase besonders geschützt werden müssen.

Steeb-F-O@t-online.de

Ausgabe MSN 4 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 4 / 2010.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Der Autor:

Weitere Artikel online lesen