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Liga konfus

Liga konfus

Durch was für stürmische Zeiten steuert unsere Fußball-Bundesliga bloß? Da stehen mit Borussia Dortmund und dem FSV Mainz 05 zwei junge Teams an der Spitze und mischen mit ihrer offensiven Spielweise und ihrem unbekümmerten Mut die ganze Liga auf. Frechheit siegt – zumindest momentan noch…

Bei Schalke 04 beginnt das große Zittern. Das Wort Abstieg wurde erstmals genannt, wenn auch nur von den Fans, die beim enttäuschenden 0:0 Championsleague-Spiel in Tel Aviv gefleht haben, dass die Knappen doch bitte nicht absteigen sollen. Beim VfB Stuttgart setzte man schon nach sieben Spieltagen auf Altbewährtes und entließ Trainer Christian Gross, der bis zuletzt davon überzeugt war, dass er es schafft. Werder Bremen verabschiedete sich aus dem Pokal, nach der schwachen 0:2 Heimpleite gegen Twente Entschede wohl auch aus jeglichen internationalen Wettbewerben und ist in der Bundesliga nur Mittelmaß. Der FC Bayern startete katastrophal, befindet sich momentan auf dem Weg der Besserung und überzeugt zumindest schonmal international, auch dank eines aufstrebenden Mario Gomez.

Die „Großen“ der Liga wackeln, wen wundert es da, dass auch die Verantwortlichen sich z.T. äußerst merkwürdig verhalten. Felix Magath erklärt, dass Raul spielen darf wo er will und hofft, dass schwache Leistungen auf internationaler Ebene gleichbedeutend sind mit starken Leistungen auf nationaler Ebene. Klaus Allofs möchte Teile der Gehälter seiner Spieler einfrieren, wer keine Leistung zeigt, soll auch nicht das volle Gehalt bekommen. Steve McClaren vom VfL Wolfsburg, derzeit auf einem enttäuschenden Platz 12, erklärt fast jede Woche, dass Dinge passieren, die er noch nie im Fußball erlebt hat. Und Uli Hoeneß drischt auf Louis van Gaal ein, gerade zu einer Zeit, als der Rekordmeister seine Aufholjagd startet.

Liga konfus. Von oben lächeln zwei andere Herren herunter. Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. In den Medien oft als Heilsbringer und Ausführungen eines modernen und innovativen Trainertypus bezeichnet, dürfen sie durchaus stolz auf den bisherigen Verlauf der Saison sein. Sie machen mit ihren Teams vieles richtig, sind aber keine Zauberer. Natürlich ist die aktuelle Tabelle nur eine Momentaufnahme, natürlich weiß niemand, was passiert, wenn die jungen Spieler aus Mainz und Dortmund mal 2-3 Spiele hintereinander verlieren. Aber fest steht, dass es bisher gut läuft. Und das ist kein Zufall.

Aus der Not eine Tugend machen

Der FSV Mainz 05 gehört nicht zu den finanzstärksten Bundesligisten. Also setzt man konsequent auf die Jugend, fördert und fordert sinnvoll. Die Spieler bedanken sich für das Vertrauen mit Siegen und vor allem schönen Fußball. Bei Borussia Dortmund hat man aus Fehlern gelernt, auch, weil man keine andere Möglichkeit hatte. Die verkorksten Millionentransfers führten zu einem Abstieg ins Mittelmaß, mit Jürgen Klopp kam eine andere Philosophie in den Verein zurück. Anders als der große Rivale Schalke 04 hat man gar nicht die Möglichkeit, teure Spieler zu holen. Wie man sieht, braucht man in Dortmund aber auch keinen Huntelaar, Raul oder Metzelder. Mit einem hämischen Lächeln schaut man derzeit auf die blau-weißen Knappen, denn auf Schalke werden momentan gerade die Fehler begangen, die man auch beim BVB vor ein paar Jahren kannte.
Mainz wird sicher nicht am Ende der Saison unter den ersten Drei sein, das macht aber auch nichts, wichtig ist, dass dort die Entwicklung weitergeht. Dem BVB hingegen ist alles zuzutrauen, selbst wenn sie nach wie vor nicht der Favorit auf den Titel sind. Man wird sehen, wie die Saison weiterläuft.

Es tut gut

Wer nun irritiert ist und Angst davor hat, dass die Bundesliga vielleicht auch international geschwächt wird, kann beruhigt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Liga profitiert davon, gerade weil sie ausgeglichener ist. In Italien, Spanien und England gibt es wenige Topclubs, in der Breite sind die Teams deutlich schwächer als deutsche Clubs, was man u.a. in der Europa League sieht. Das tut uns doppelt gut. Zum einen ist die Bundesliga weitaus spannender, zum anderen werden die deutschen Topclubs national viel mehr gefordert als die Clubs der anderen Ligen. Erste Erfolge werden sichtbar. Die italienische Serie A wird in dieser Saison in der UEFA-5-Jahreswertung überholt, im nächsten Jahr könnte man sogar an der spanischen Primera División vorbeiziehen. Wir brauchen uns also nicht zu fürchten, Wettbewerb belebt das Geschäft und ist es nicht viel schöner, auch mal andere Teams zumindest zeitweise unter den Top five der Bundesliga zu sehen?

Foto: Jürgen Klopp hat gut lachen. Der 43-jährige Trainer von Borussia Dortmund steht mit seinem Team an der Spitze der Bundesliga und wird von nicht wenigen als legitimer Nachfolger Joachim Löws als Bundestrainer gehandelt.
Quelle: Wikipedia – Urheber: Christopher Neundorf

MSN 5 / 2010

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe MSN 5 / 2010.
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