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Faszination Shorttrack – schnell, dynamisch und risikoreich

Faszination Shorttrack – schnell, dynamisch und risikoreich

Scharfe Kurven - Flotte Kufen

Shorttrack wird seit den Spielen 1992 als offizielle olympische Disziplin bei insgesamt 24 zu vergebenden Medaillen geführt. Vor allem in Kanada und im asiatischen Bereich, insbesondere in Südkorea, können erfolgreiche Sportler zu erheblichem nationalen Ruhm gelangen.

In Deutschland wird Shorttrack von wenigen hundert Sportlern, hauptsächlich als Leistungssport betrieben, das Bundesleistungszentrum liegt hierbei in Dresden, weitere Nachwuchsstützpunkte befinden sich in München und Rostock. Die Wettkämpfe werden im Vergleich zum herkömmlichen Eisschnelllauf („Long-Track“), bei dem eine 400 Meter-Bahn umkreist wird, auf einem Eishockeyfeld mit einer Runde von 111,12 Metern ausgetragen. Hierbei wird der jeweilige Sieger nicht im Kampf gegen die Zeit, sondern im direkten Duell ausgetragen. Dabei ist neben einer hervorragenden Lauftechnik mit extremem Kurvenverhalten das taktische Verhalten während des Laufes von herausragender Bedeutung. Auf den kurzen Distanzen (500 und 1000 Meter) starten jeweils vier Athleten gegeneinander, beim 1500 Meter-Lauf sind sechs, manchmal bis zu acht Läufer gleichzeitig am Start. Hierbei kommt es bei den sehr engen Kurvenradien, in denen bis zu 50 km/h erreicht werden, zu von erheblicher Dynamik und Rasanz geprägten Wettkämpfen, deren Spannung durch ein K.O.-System erhöht wird, bei dem der Sieger mehrere Qualifikations- und Finalläufe zu absolvieren hat. Besonders attraktiv sind die Staffelwettkämpfe, mit jeweils vier Athleten pro Nation auf dem Feld, hierbei absolvieren die Damen eine 3000 Meter-Strecke, die Herren 5000-Meter. Es stellt sich die Frage, ob durch die hohe Rasanz und Dynamik ein besonders hohes Verletzungsrisiko besteht.

Verletzungsrisiken und Gesundheitsschäden

Es besteht ein erhebliches Potenzial für das Auftreten von Verletzungen und Gesundheitsschäden. Die hohen Geschwindigkeiten, der enge Kontakt zum Gegner und der aktuelle Rennverlauf erfordern höchste Konzentration und ein ausgeprägtes Koordinations- und Reaktionsvermögen. Insbesondere die nur wenige Meter betragenden Sturzwege lassen bei Stürzen einen „geordneten Aufprall“ nicht immer zu, insbesondere dann, wenn mehrere Sportler, zum Teil ineinander verhakt, in Richtung Bande schlittern. Hierbei sind die Banden innenseitig mit speziellen Matten ausgekleidet, um den Aufprall abzudämpfen. Ein erhebliches Verletzungspotenzial stellen die messerscharfen Kufen dar, zumal nur sehr dünne, hautenge Wettkampfanzüge getragen werden. Zum Schutz vor Verletzungen werden Helme, ähnlich einem Fahrradhelm, getragen. Das Material der Anzüge sollte schnittfest sein, was in den Regeln des Internationalen Eisschnelllaufverbandes verankert ist. Das Material wird diesem Anspruch jedoch nicht immer gerecht, zudem ist nicht die gesamte Körperoberfläche geschützt. Die weitaus meisten Verletzungen treten entsprechend beim Aufprall auf die Bahnbegrenzung auf und können durch den Kontakt mit den Matten, mitunter auch durch die Bande beim Durchrutschen unter der Bande sowie durch den Kontakt mit dem Gegner oder dessen Kufen beim gemeinsamen Aufprall verursacht werden. Hierbei werden teils erhebliche Schnittverletzungen verursacht, Verletzungen großer Gefäße mit entsprechenden Folgen sind nie auszuschließen. Häufige Verletzungen sind Prellungen, Distorsionen der Halswirbelsäule und der Sprunggelenke sowie Frakturen im Handgelenksbereich und an den unteren Extremitäten. Chronische Beschwerden treten häufig nach intensivierten Trainingsphasen auf und betreffen insbesondere die Sehnenansätze im Kniegelenksbereich. Durch die einseitige Belastung und das Laufen in extremer Schräglage entgegen dem Uhrzeigersinn sind die Sportler für Dysbalancen des Bewegungsapparates mit Fehlbelastungen der Wirbelsäule prädestiniert. Häufig zeigen sich Blockaden der Iliosakralgelenke. Der Aufenthalt in klimatisierten Eishallen mit trockenen Luftverhältnissen führt zur erhöhten Anfälligkeit für Infekte und Reizzustände des Atemwegsystems.

Verletzungsprävention

Viele Verletzungen können vermieden werden. Eine optimale physische Konstitution ist Voraussetzung für die Ausübung der Sportart. Insbesondere das kontinuierliche Training der Koordinationsfähigkeit und Stabilisierungsübungen gehören neben dem Ausdauertraining und der sportartspezifischen Beübung des technischen Geschicks zum Trainingsalltag. Reaktionsschnelligkeit und ein entsprechendes Sturztraining können die Folgen eines Aufpralls erheblich reduzieren. Hierbei sollte der Aufprall mit möglichst großer Körperoberfläche erfolgen. Besonders verletzungsträchtig ist ein Aufprall mit den Füßen oder dem Kopf voraus. Durch optimierte Schutzanzüge können die Folgen von Verletzungen durch die Kufen reduziert werden. Eine hohe Bedeutung kommt den verwendeten Mattensystemen in der Vermeidung von Verletzungen zu. Die wenigsten Verletzungen zeigen Systeme, bei denen auf eine feste Bande komplett verzichtet wird und die das Feld begrenzenden Matten sich beim Aufprall verschieben und hierbei die auf den Sportler einwirkende Energie erheblich reduzieren können. Durch das Regelsystem werden Körperkontakte geahndet, die den Gegner beim Lauf beeinflussen, Verstöße werden mit Disqualifikation bestraft. An der Wettkampfstrecke muss qualifizierte medizinische Versorgung vorgehalten werden, um im Extremfall auch mitunter lebensbedrohende Verletzungen qualifiziert versorgen
zu können. Zur Vermeidung von Infekten ist eine ab wechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ebenso unabdingbar wie der Aufenthalt an der frischen Luft außerhalb der Eishalle und klimatisierten Hotels. Zudem sollte durch mehrschichtige und hochwertige Kleidungssysteme dem Wechsel zwischen Schwitzen und Kälteeinfluss in Wartephasen am Wettkampftag Rechnung getragen werden.

Fazit

Shorttrack ist eine faszinierende, hochdynamische und im Wettkampf äußerst spannende Sportart. Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten, des engen Körperkontakts und kurzer Sturzräume besteht ein zum herkömmlichen Eisschnelllauf erhöhtes Verletzungspotenzial. Um Verletzungen zu vermeiden, sind höchste Anforderungen an die körperliche Konstitution der Sportler – insbesondere an die Koordinationsfähigkeit und Stabilität sowie Reaktionsschnelligkeit – zu stellen. Durch die Verwendung hochwertiger Materialien zum Schutz der Sportler, sei es die Bekleidung oder das Mattensystem, von dem das Sportfeld umgeben ist, konnte das Verletzungsrisiko erheblich reduziert werden. Trotzdem sind schwerste Verletzungen nicht auszuschließen, weshalb die medizinische Versorgung höchsten Ansprüchen gerecht werden muss.

Ausgabe MSN 1 / 2012

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2012.
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