|
Behindertensport - Paralympische Spiele
Behindertensport - Paralympische SpieleEine ErfolgsgeschichteNoch vor zwanzig Jahren waren die Paralympischen Spiele fast nur Insidern bekannt. Das hat sich grundlegend geändert. Heute stehen Athleten und Athletinnen der Paralympischen Sommer- und Winterspiele zunehmend im Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit. Ein Blick zurück
Am 28. Juli 1948, am Tag der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London, fanden im englischen Stoke Mandeville die ersten Sportwettkämpfe von Das Internationale Paralympische Komitee Als Dachverband für die Paralympics fungierte seit 1989 das „International Paralympic Committee (IPC)“, das neben den jeweiligen nationalen Verbänden fünf Internationale Organisationen für den Behindertensport umfasste: > International Stoke Mandeville Games Federation (ISMGF) > International Sports Organisation for the Disabled (ISOD) > International Blind Sports Association (IBSA) > Cerebral Palsy – International Sports and Recreation Association (CP-ISRA) und > International Association for Athletes with an Intellectual Disability (INAS-FID) Das IPC sah sich seit seiner Gründung mit vielen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert: Das umfangreiche Klassifikationssystem musste im Sinne von Fairness und Transparenz vereinfacht werden, die Zulassungskriterien waren zu definieren (so war beispielsweise die Frage zu klären, was eine „minimal disability“ ist) und eine immer größer werdende Zahl von Wettkämpfen auf Kontinental- und Weltebene war in einem internationalen Wettkampfkalender unterzubringen. Gleichzeitig waren die Beziehungen zum Internationalen Olympischen Komitee und zu den internationalen Sportverbänden zu entwickeln. Dieser Prozess ist keineswegs abgeschlossen, dennoch ist festzustellen, dass es heute eine enge Verbindung zwischen dem IPC und dem IOC und zu mehreren internationalen Sportverbänden gibt. Die paralympischen Sportler und Sportlerinnen Die veränderte öffentliche Wahrnehmung und Beachtung wurde und wird vor allem von den Sportlern und Sportlerinnen und ihren Leistungen entscheidend beeinflusst. Dabei soll nicht vergessen werden, dass lange Zeit eine insbesondere von Mitleid geprägte Berichterstattung im Mittelpunkt stand: „Sorgenkinder“, die ihr „Schicksal“ meisterten. Inzwischen gewinnen wir ganz andere Einblicke in das Leben von Sportlern und Sportlerinnen mit einer Behinderung – beispielsweise durch ihre veröffentlichten Biografien. Marianne Buggenhagen, eine der erfolgreichsten deutschen Paralympicssiegerinnen, hat ein Buch mit dem Titel „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt“ über ihr Leben geschrieben. Sie schreibt von ihrem „zweiten Leben“ im Rollstuhl. Oder Rainer Schmidt, der erfolgreiche Tischtennisspieler bei den Paralympics, der in seinen Büchern danach fragt, was Menschen stark macht; seine Buchtitel lauten: „Lieber Arm ab als arm dran“ und „Spielend das Leben gewinnen“. All dies sind Belege dafür, dass die Sportlerinnen und Sportler selbst für ihre Belange eintreten – gemäß dem Motto „Nichts über uns ohne uns.“ Zu den herausragenden Sportlern der Paralympics gehört Oscar Pistorius. Auch er hat eine Biografie geschrieben „Oscar Pistorius – Blade Runner“ und auf dem Titelblatt ist die Überschrift aus der „Times“ abgedruckt: „The fastest man on no legs“. Sein großer Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen. 2008 ist es ihm nicht gelungen, die Qualifikation für die südafrikanische Mannschaft in der Leichtathletik für die Olympischen Spiele in Peking zu schaffen, nachdem es eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen gab, die die Frage eines unzulässigen Vorteils durch den Einsatz seiner Hightech- Prothesen klären sollten und schließlich auch der Internationale Sportgerichtshof (CAS) eingeschaltet wurde. Auch der sehbehinderte Skilangläufer Brian McKeever konnte sich seinen Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Vancouver nicht erfüllen, er wurde für den 50 km-Lauf am letzten Tag der Winterspiele nicht von der Mannschaftsleitung aufgestellt. Festzuhalten bleibt hier, dass dies absolute Ausnahmen sind, für die überwiegende Zahl der Sportler und Sportlerinnen mit einer Behinderung ist die Teilnahme an den Paralympics das höchste Ziel. Ebenfalls kontrovers diskutiert wird seit den Sommer-Paralympics 2000 die Teilnahme von Athleten und Athletinnen mit einer intellektuellen Behinderung. Damals hatte sich herausgestellt, dass in der siegreichen spanischen Basketballmannschaft auch Spieler ohne intellektuelle Behinderung mitgespielt hatten. Seither wird intensiv an einem weltweit gültigen und überprüfbaren System der Zulassungskriterien gearbeitet. Anders als bei den „Special Olympics“, die unter dem Motto „Jeder ist ein Sieger“ stehen, geht es der „International Association for Athletes with an Intellectual Disability (INAS-FID)“ darum, ihre Athleten und Athletinnen als Spitzensportler/-innen bei den Paralympics an den Start zu bringen. Das IPC hat ihrer Teilnahme an den Paralympischen Sommerspielen in London 2012 zugestimmt und man darf gespannt sein, wie hier die Integration in das Wettkampfprogramm gelingt. Fazit Verglichen mit der Geschichte der Olympischen Spiele ist die der Paralympics noch sehr jung. Dennoch hat sich in wenigen Jahrzehnten eine Sportbewegung entwickelt, die – trotz mancher Höhen und Tiefen – ins gesamt als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet werden kann. Bemerkenswert ist auch, dass die umfangreichen Materialien, insbesondere auch Unterrichtsmaterialien für die Schulen, die im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen erstellt werden, inzwischen auch die Paralympics integrieren. Darüber hinaus gibt es auch eigenständige Dokumente zu Themen der „Paralympic Education“ und der „Paralympic School Days“. Auf diese Weise werden die Paralympics einer breiten Öffentlichkeit mehr denn je nahe gebracht. Schließlich beschäftigt sich auch die wissenschaftliche Forschung immer intensiver mit Themen des paralympischen Sports, so beispielsweise mit Fragen der Talentfindung und Talentförderung im Behindertenleistungssport. |
Ausgabe MSN 5 / 2010Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download Der Autor:Weitere Artikel online lesen |


