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Leistung & Kaffee
Leistung & KaffeeErgogene Effekte des KoffeinsFür die meisten Menschen ist Kaffee ein Genussmittel, das sie wegen seiner wachmachenden, konzentrationssteigernden und stimmungsaufhellenden Eigenschaften schätzen. Oder weil ihnen das Getränk einfach gut schmeckt und bekommt. Bei Sportlern kommt oft noch ein anderer Aspekt des Kaffees hinzu: Sie wollen den positiven Einfluss auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nutzen. Einer der wichtigsten Inhaltsstoffe des Kaffees ist das Koffein (1,3,7-Trimethylxanthin). Dieses Alkaloid wird schon seit Jahrzehnten von professionellen Athleten, aber auch von ambitionierten Freizeitsportlern eingesetzt, um ihr Training zu unterstützen und bei Wettkämpfen besser abzuschneiden. Allerdings wird Koffein nicht mehr als Dopingmittel gewertet, seit die Welt-Doping-Agentur (WADA) es im Jahr 2004 von der Dopingliste gestrichen hat. Worauf beruht der leistungsfördernde Effekt des Koffeins?
Koffein aus der Nahrung gelangt etwa 30 bis 45 Minuten nach der oralen Aufnahme nahezu vollständig über den Magen und den Dünndarm in den Körper. Dort beträgt seine Halbwertszeit bei einem erwachsenen Menschen ungefähr drei bis vier Stunden. Es stimuliert das Zentralnervensystem (ZNS), wodurch Wachheit, Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen gesteigert werden. Die Abbauprodukte des Koffeins können die Blutgefäße erweitern, das Urinvolumen erhöhen (Theobromin), die glatte Muskulatur entspannen (Theophyllin) und die Lipolyse fördern (Paraxanthin). Über Koffein werden außerdem eine Steigerung der Sauerstoffaufnahme sowie der Catecholamin-Freisetzung und eine Erhöhung der Stoffwechselrate Dass die ergogenen Effekte von Koffein bei aeroben Sportarten mit einer erhöhten Oxidation freier Fettsäuren zusammenhängen und sich daraus ein Einspareffekt beim Muskel-Glykogen ergibt, war schon länger postuliert worden. Neuere Untersuchungen und Reviews kommen allerdings zu dem Schluss, dass der antagonistische Effekt von Koffein auf die Adenosin-Rezeptoren im Gehirn von erheblich größerer Bedeutung für die Leistungssteigerung ist. Über diesen Weg könnte Koffein die zentrale Erschöpfung modulieren und die subjektive Bewertung der Anstrengung, der Schmerzwahrnehmung und der Kraftreserven beeinflussen. Dies alles würde dann zur Verbesserung des Leistungsvermögens beitragen. Tatsächlich überwindet Koffein die Blut-Hirn-Schranke und ist ein starker Antagonist an den Adenosin-Rezeptoren im ZNS. Demzu - folge wirkt Koffein den hemmenden Effekten des Adenosins auf die Erregbarkeit der Neuronen, auf die Neurotransmitter Freisetzung und auf den Wachheitsgrad entgegen. Einen zusätzlichen Beitrag könnten die schmerzlindernden Eigenschaften des Koffeins leisten. Wegen der großen Bedeutung der Adenosin- Rezeptoren für die zentrale Ermüdung ist es wichtig, zu verstehen, welche Faktoren die Zahl der Adenosin-Rezeptoren oder deren Sensitivität modulieren oder verändern können. Dies spielt wiederum eine Rolle für die Leistungssteigerung durch Koffein. Aus Tiermodellen ist bekannt, dass chronischer Koffeinkonsum die Zahl und die Affinität der Adenosin-Rezeptoren im ZNS steigen lässt. Möglicherweise wird durch diesen Effekt dann immer mehr Koffein benötigt, um die antagonistische Aktivität an den Rezeptoren auf dem gleichen Niveau zu halten. Dies könnte den Gewöhnungseffekt erklären und damit die in den Studien manchmal etwas voneinander abweichenden Ergebnisse zur Leistungssteigerung durch Koffein. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass der leistungsfördernde Effekt bei Sportlern, die nur selten Koffein zu sich nehmen (< 50 mg Koffein täglich) größer ausfällt als bei jenen, die regelmäßig Koffein in größeren Mengen verwenden (> 300 mg Koffein täglich). Dieser Effekt ist ebenso zu beobachten, wenn die Sportler einige Tage vor dem Training auf Koffein verzichten. Welches die optimale Wartezeit (Dauer der Enthaltsamkeit) für Sportler ist, um den leistungssteigernden Effekt des Koffeins zu maximieren, lässt sich bestenfalls aus Tieruntersuchungen ermitteln. Dort ergab sich ein Zeitraum von sieben Tagen. Als für Sportler nachteilig wurde oft die diuretische Wirkung von Kaffee beschrieben. Häufigeres Wasserlassen und ein erhöhter Flüssigkeitsverlust könnten die Leistungsfähigkeit einschränken. Etliche Studien konnten solche negativen Effekte jedoch nicht beobachten. Fazit
Eine deutliche Leistungssteigerung durch Koffein ist vor allem bei Ausdauersportarten, bei denen die Belastung länger als fünf Minuten anhält, nachgewiesen worden. Dieser ergogene Effekt beruht in erster Linie auf der antagonistischen Wirkung des Koffeins auf die Adenosin-Rezeptoren im Foto: © Dr. med. Wolfgang Grebe |
Ausgabe MSN 4 / 2011Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download Der Autor:Weitere Artikel online lesen |



