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Sportmedizinische Aspekte des Frauenfußballs
Sportmedizinische Aspekte des FrauenfußballsXX-Chromosomen am BallFrauenfußball erfreut sich weltweit wachsender Popularität. Von den 265 Millionen registrierten Spielern gibt es bereits 26 Millionen Spielerinnen. Auch die Statistiken des Deutschen Fußball Bundes belegen den wachsenden Anteil fußballspielender Frauen. Die Mitgliederzahl wuchs im Zeitraum von 2000 – 2008 um 15 Prozent (Männer 2,5 Prozent). Die Zahl von einer Million Mitgliedern wurde 2008 überschritten (15 Prozent der Gesamtmitglieder). Die Erfolge deutscher Mannschaften, insbesondere bei internationalen Turnieren und Wettbewerbern, hat zu dieser Entwicklung in besonderem Maße beigetragen. Die U20 Weltmeisterschaft der Fußballfrauen 2010 in Deutschland hat durch gute Leistungen der teilnehmenden Mannschaften und gut gefüllte Stadien die Vorfreude auf die WM 2011 in Deutschland weiter gesteigert. 1991 wurde die deutsche Frauen-Bundesliga eingeführt, im gleichen Jahr wurde die erste Weltmeisterschaft ausgetragen. 1996 fand das erste olympische Turnier im Frauenfußball statt. Auch auf Vereinsebene gibt es internationale Spiele, so dass die konditionellen, technischen, taktischen und spielerischen Anforderungen im Spitzenbereich deutlich zunehmen. Nationalspielerinnen kommen bereits auf mehr als 40 Spiele in der Saison, bei internationalen Spielen kommt dann noch die Reisebelastung dazu. Konditionelle Anforderungen Während eines Frauenspiels kommt es durchschnittlich alle vier Sekunden zu einer Änderung der Belastungsart (Änderung der Laufgeschwindigkeit bzw. Spielaktion). Die Gesamtlaufstrecke bei Spitzenspielerinnen beträgt durchschnittlich 10 km und ist mit der entsprechenden Laufleistung im Männerfußball durchaus vergleichbar. Die Laufstrecke hängt u.a. vom Spielniveau, von der Spielposition und von taktischen Vorgaben ab. Bei Mittelfeldspielerinnen auf Topniveau konnten beispielsweise Laufwege von annähernd 12 km aufgezeichnet werden. Überwiegend wird hierbei gegangen oder gelaufen (90 Prozent der Gesamtspielzeit, Laufgeschwindigkeiten < 15 km/h). 7 Prozent, der Spielzeit, entsprechend 20 Prozent der Laufstrecke liegen im Bereich intensiver Belastungen (Laufgeschwindigkeiten >15 km/h). Unterschiedliche Spielstärken im Frauenfußball sind wie im Männerfußball entscheidend durch den Anteil hoher Laufintensitäten an der Gesamtlaufdistanz charakterisiert. So konnten bis zu 28 bzw. 24 Prozent längere Laufstrecken im intensiven Laufbereich bzw. Sprint im Vergleich internationaler zu nationalen Topspielerinnen dargestellt werden. Verletzungen im Frauenfußball Die Analyse verletzungsbedingter Trainings- und Spielausfälle zeigt in großen epidemiologischen Studien eine deuliche Dominanz der traumatischen Verletzungen (etwa 80 Prozent) im Vergleich zu Überlastungsschäden. Bezogen auf die traumatischen Verletzungen liegt die Inzidenzrate je nach Studie bei 1,5 – 3 Verletzungen/1000 h Trainingszeit und 14 – 24/1000 h Spielzeit (Studien nationaler Ligen). Für internationale Turniere werden höhere Inzidenzraten beschrieben. Die hohe Verletzungsrate während des Spiels spiegelt möglicherweise die Entwicklung des Frauenfußballs wider mit steigenden konditionellen Anforderungen und zunehmender Athletik im Spiel. Zusätzliche Aspekte sind eine Zunahme von Tacklings und Fouls. Die Gesamtzahl der Verletzungen kann zu etwa gleichen Teilen in Kontakt- und Nicht- Kontaktverletzungen klassifiziert werden. Betroffen ist überwiegend die untere Extremität (überwiegend Oberschenkel, Knie und Sprunggelenk) mit 80 Prozent der Verletzungen. Zu beachten sind zudem Kopfverletzungen, die den Statistiken der großen internationalen Turnieren zufolge zunehmen und häufiger als im Männerfußball auftreten. Bezogen auf die Spielposition sind Verteidigerinnen und Stürmerinnen gefährdeter als Torhüterinnen und Mittelfeldspielerinnen. Im Vergleich zum Männerfußball sind die Verletzungsraten in großen Turnieren niedriger, sind aber mit denen nationaler europäischer Ligen vergleichbar. Vordere Kreuzbandruptur
Von besonderer Bedeutung im Frauenfußball sind Rupturen des vorderen Kreuzbandes. Die Inzidenz von Kreuzbandrupturen bezogen auf Trainings- und Spielstunden im Ballsport liegt bei Frauen deutllich höher als bei Männern. Etwa 70 Prozent dieser Verletzungen resultieren als Nicht-Kontaktverletzungen besonders während der Landephasen nach Sprüngen, nach plötzlichen Abstoppen oder plötzlichen Drehbewegungen. Die Stellung des Kniegelenkes ist hierbei in leichter Beugung, in Valgus- und Außenrotationsstellung, der Körperschwerpunkt liegt hinter dem Kniegelenk. Durch Dominanz des M. quadriceps kann es zur Ruptur des vorderen Kreuzbandes kommen. Frauen landen nach einem Sprung aufrechter mit geringerer Beugung im Kniegelenk als Männer (und zusätzlich in Valgusstellung). Fazit Aus den Erkenntnissen des Verletzungsmechanismus werden Präventionsstrategien und -programme abgeleitet. Von besonderer Bedeutung sind hierbei Programme abgeleitet. Von zur Verbesserung propriozeptiver Fähigkeiten und Sprungübungen zur Kraftsteigerung und Verbesserung des Bewegungsmusters nach der Landung. Aufgrund der Schwere einer Kreuzbandverletzung und der Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen ist die Integration solcher Inhalte in den Trainingsalltag unbedingt zu empfehlen.
bernd.lasarzewski@hellersen.de |
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