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Nordic Walking - Was bringt's ?

Nordic Walking - Was bringt's ?

Nordic Walking ist ohne Zweifel eine der Trendsportarten der letzten Jahre und kann mit Zuwachszahlen wie kaum eine andere Sportart aufwarten. Es ist bereits zu einer Freizeitsportart avanciert, die von ca. zwei Millionen Menschen in Deutschland und Europa regelmäßig ausgeübt wird. Nordic Walking soll die Gelenke um 30–50?% entlasten, um 50?% ­effektiver sein als das Gehen ohne Stöcke und 90?% der ­Muskulatur ­beanspruchen. Doch stimmt das auch so?

Auf den ersten Blick klingt es plausibel, dass der Einsatz von zwei Stöcken die Gelenke entlasten soll. Verschiedene Studien (Schwameder 1999, Wilson 2000, Schwirtz 2003, Rist 2004, ­Schlömmer 2005, Burger 2006, Jöllenbeck 2006) konnten aber keine Gelenkentlastung beim Nordic Walking nachweisen.
Tatsächlich entlastet Nordic Walking die Gelenke der unteren Extremität nicht. Vielmehr werden die Gelenke belastet und das ist gut so, denn Gelenke müssen belastet werden und zwar funktionell. Jeder, der schon einmal einen Gips an Arm oder Bein trug, weiß, ­welche negativen Auswirkungen eine Gelenkentlastung zur Folge haben.
Nordic Walking ist bei richtiger ­Technik eine optimierte Gangvariante. Die Belastungen beim Gehen auf die Gelenke der unteren Extremitäten sind im hohen Maße von der Ganggeschwindigkeit und der Schrittlänge abhängig. Bei Vergleichen zwischen Nordic ­Walking und dem normalen Gang bei vergleichbarer Geschwindigkeit stellen sich trotz längerer Schrittlänge beim Nordic Walking gleiche Belastungen ein. Dabei wirken Kräfte zwischen dem 1,1- und 1,4-fachen des Körpergewichtes (Joggen und Laufen ~?2–4).
Nordic Fitness ist das Bewegungskonzept im Deutschen Nordic Walking und Inline Verband (DNV), das inzwischen aus dem Gesundheits- und Breitensport nicht mehr wegzudenken ist. Es beschreibt ein Konzept aus Nordic Walking, Nordic Inline und Nordic Winter Fitness.
Durch die sog. ALFA-Technik erhält jeder Teilnehmer ein ­gesundheitsorientiertes Ganzkörpertraining an der frischen Luft: Das A steht für eine natürliche Aufrichtung der Wirbelsäule. Sie ist Vorraussetzung für einen optimalen Stockeinsatz. Durch den langen Arm (L) in der Schub- und Schwungphase werden im Vergleich zum gebeugten Arm mehr Muskeln ­aktiviert. Die Rotation von Schulter ­gegen die Beckenachse wird zusätzlich über den langen Arm unterstützt. Der lange Arm ist Voraussetzung für einen flachen Stock (F). Der flache Stock, definiert über den Boden-Stockwinkel von 55–65°, sichert, dass der Stock nicht als Stütze, sondern als Sportgerät eingesetzt wird. Der angepasste Schritt A unterliegt mehreren Faktoren, wie dem Umfang der Schubbewegung, der Geländeform und dem individuellen Bewegungsausmaß. Für die Stocklänge gilt, dass der Schlaufenausgang des ­Stockes ohne Asphalt-pad etwa in ­Höhe des Bauchnabels liegt. Mit dieser Höhe stört der Stock den physiologischen ­Bewegungsablauf nicht.

Nordic Inline

Nordic Inline steht für Gesundheit auf acht Rollen. Dabei geht es nicht um Geschwindigkeit und Zeiten, sondern um Spaß, das Fahrgefühl auf Inlinern und ein anspruchsvolles Herzkreislauf-Training. Die Rollen sind mit einer speziellen Gummimischung überzogen, die ein Wegrutschen auch bei strömendem Regen verhindern. Durch den höheren Walkeffekt entsteht ein höherer Widerstand, der durch eine zusätzliche, gebremste Rolle noch verstärkt wird. Bei herkömmlichen Skates ist der Rollwiderstand zu gering. Dadurch werden zu hohe Geschwindigkeiten erreicht, die ein effektives Oberkörpertraining verhindern. Je höher der Rollwiderstand ist, desto höher ist der Trainingeffekt für die gesamte Arm- und Rumpfmuskulatur.
Die Techniken beim Nordic Inline entsprechen denen beim Skilanglauf. Bei der 2:1 Technik z. B. kommt auf zwei Schritte ein Doppel-Stockschub. Die dabei verwendeten, längeren Stöcke geben dem Anfänger Halt, er kann sich buchstäblich an den Stöcken festhalten. Mit der Zeit entwickelt sich dann die Stützhilfe zu einem Sportgerät. Die Stocklänge ist dem fahrerischen ­Können, den individuellen Vorraussetzungen und den Geländegegebenheiten angepasst. Als Richtwert für die Stöcke gilt: bei aufrechtem Stand in den Skates, den Stock senkrecht vor dem Körper positionieren. Der Handschlaufenausgang sollte sich dann zwischen Kinn und oberem Brustbein befinden.

Nordic Winter Fitness

Nordic Winter Fitness ist die Zusammenfassung für die Bewegungsformen Nordic Winter Walking, Nordic Snowshoe Walking und Nordic Skiing und vermittelt Erlebnisse und Spaß im ­Winter.
Nordic Winter Walking ist Nordic Walking auf Winterwanderwegen oder im freien Gelände. Das Equipment ist dabei der Witterung angepasst. Nordic Snowshoe Walking oder Schneeschuhlaufen mit Stöcken wird fernab von den Loipen durchgeführt und vermittelt das Erleben einer faszinierenden Winterlandschaft. „Touren“ werden auf ausgeschilderten, sicheren Routen oder unpräparierten Wanderwegen ausgeführt.
Der Unterschied zwischen Skilanglauf und Nordic Skiing sind die etwas breiteren, geschuppten Ski und ihr erweiterter Einsatzbereich abseits der Loipen. Die Nordic Cruiser, wie sie auch genannt werden, erleichtern das Erlernen der Technik, bieten beim Bergaufgehen mehr Halt, indem sie das ­Zurückgleiten verhindern und sind eine willkommene Alternative zum alpinen Skisport.

Über den DNV

Die Aus- und Fortbildungen im DNV werden ausschließlich von diplomierten Sportwissenschaftlern, Sportlehrern und Physiotherapeuten durchgeführt. Nach der didaktisch-methodisch orientierten Ausbildung zum Basic Instruktor und Instruktor ist die Ausbildung zum ­Nordic Fitness Center (NFC)-Leiter wirtschaftlich-rechtlich ausgerichtet. Das NFC ist ein regionaler Stützpunkt des DNV für professionellen Unterricht in Sachen Nordic Fitness. Nordic Fitness als Ganzjahressport ist das erklärte Ziel.
Alle aktuellen Aus- und Fortbildungen werden auch auf der Verbandshomepage www.dnv-online.de präsentiert. Dort kann man sich auch über Basic Instruktoren oder örtliche Nordic Fitness Center erkundigen und eine ­Kooperation anregen.

Michael Rumpf
Eberhard Schlömmer

Ausgabe MSN 1 / 2007

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2007.
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