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Druckwellen Akupunktur

Druckwellen Akupunktur

Eine neue Methode Teil 2

In unserer letzten Ausgabe hat Ihnen Dr. Heinrich Everke die Grundlagen der Druckwellen-Akupunktur und die Möglichkeiten der Steigerung von sportlicher Leistungsfähigkeit nähergebracht. Im zweiten Teil wird er eine Auswahl sensibler Punkte (Beine und Rücken) vorstellen und die Methode an zwei Behandlungsbeispielen veranschaulichen.

Auswahl Beine

Der berühmte Punkt Ma36, Zusanli, wurde bereits im Altertum als Punkt zur Steigerung der Leistungsfähigkeit genannt. Er liegt im oberen Drittel des m. tibialis anterior. Durch die Stimulation dieses Punktes kommt es zu einer Steigerung der Endorphinproduktion, einer besseren Durchblutung und einer Lockerung der Unterschenkelmuskulatur. Sein Einsatzgebiet in der klassischen Akupunktur sind psychische und physische Erschöpfung und Schmerzen.
MP6 dient zur Steigerung der Durchblutung des Unterschenkels und wird häufig bei Venenproblemen genutzt. Er liegt in einem Areal etwa 3 bis 4 Querfinger (Qf) über dem Innenknöchel. Zum „Aufwärmen“ wird man dieses Areal vorsichtig mit Druckwellen stimulieren, indem man mit dem Gerät 2 bis 3 Qf nach proximal massiert.
Le8 liegt an der Innenseite der Kniekehle zwischen den Ansätzen der muskuli semimembranosus und semitendinosus am epicondylus femoris medialis und MP10 liegt im Muskelbauch des vastus medialis am Oberschenkel. Beide Areale eignen sich zur Lockerung der Oberschenkelmuskulatur.

Auswahl Rücken

Die Punkte: Bl23, Bl24 und Bl25 sollten am besten in Kombination mit ihren ventral gelegenen Partnern, den Punkten Ren 4 und Ren 6, die sich 2 bis 4 Qf unter dem Nabel befinden, vor dem Wettkampf stimuliert werden.
Die Punkte Bl11, Bl13, Bl15, Bl17 jeweils 2Qf lateral der Wirbelsäule auf Höhe des 1., 3., 5. und 7. Brustwirbels gelegen und Bl44 medial der unteren Spitze der Scapula, dienen sowohl einer besseren Lungenfunktion als auch einer Lockerung der oberen Rückenmuskulatur.

Die Verbesserung der Lungenfunktion

Bei früheren Untersuchungen berichteten Patienten, die unter obstruktiven Lungenerkrankungen litten, überwiegend über eine deutliche Verbesserung ihrer Atembeschwerden, wenn bestimmte Akupunkturpunkte auf dem inneren Ast des Blasenmeridians lateral der Brustwirbelsäule („Shu-Punkte der Thoraxorgane“) stimuliert wurden. Diese Verbesserung wurde besonders häufig von den jüngeren Patienten berichtet, die unter asthmatischen Beschwerden litten. Ältere Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen schienen weniger von der Druckwellen-Behandlung zu profitieren.

Vielen von den jüngeren Patienten war es nach der Behandlung auch wieder besser möglich, sich sportlich zu belasten. Somit kann man annehmen, dass die Stimulation von Akupunkturpunkten auch in der Sportmedizin bei der Behandlung von Anstrengungsasthma Verwendung finden könnte. Eine Erklärung dafür, warum Druckwellen eine bessere Wirksamkeit auf die Erweiterung der Bronchialmuskulatur haben als Akupunkturnadeln, könnte sein, dass diese Wellen ähnlich wie die Klopfmassage die passenden Rezeptoren in der Haut und der oberflächennahen Muskulatur stimulieren. Denn der adäquate Reiz für diejenigen der Rezeptoren, die den Tonus der Bronchialmuskulatur beeinflussen, ist nicht das Mikrotrauma wie es von einer Nadel provoziert wird, sondern vor allem der wiederholte Druckimpuls. Dieser wirkt umso stärker und nachhaltiger je genauer das Areal in der Tiefe erreicht wird, in dem die Druckrezeptoren liegen. Dies ist mit der Druckwellenakupunktur besser möglich als mit Massage oder Nadeln. Die Klopf-Massage des Rückens ist ja auch in unserer alten Volksmedizin eine bewährte Methode zur Behandlung von Atemwegserkrankungen.
Besonders bewährt hat sich eine 10 Sekunden lange Stimulation der Punkte Bl 11, Bl 13, Bl 17 und Bl 44. Die Stärke der Stimulation wird so bemessen, dass ein deutliches Druck und Pulsationsgefühl aber kein Schmerz zu fühlen ist. Zusätzlich kann man die Punkte Ren 17 auf der Mitte des Sternums und Lu 7 am Unterarm etwas proximal von der Taststelle des Radialispulses mit Nadeln stechen.

Behandlungsbeispiele

In der Vorbereitung auf den Ruder-Wettkampf soll insbesondere die Bein- und Rückenmuskulatur gelockert und die Lunge „geöffnet“ werden. Zunächst werden die Punkte am Rücken stimuliert, der Patient liegt auf dem Bauch:
Gb30 in der Tiefe des Glutäus maximus, Bl23, Bl24, Bl25 lateral der Lendenwirbelsäule, Bl17, Bl13 lateral der Brustwirbelsäule. Danach legt sich der Patient auf den Rücken und stimuliert:
Ma36 und Mp6 am Unterschenkel und Ren4 und Ren6 unterhalb des Nabels.
Ganz ähnlich sieht die Punktekombination beim Radfahren aus. Auch hier wird man die „Öffnung der Lunge“ erreichen wollen und danach eine Lockerung der Beine einleiten. Zusätzlich bietet sich bei Radfahrern noch der Punkt Bl58 im Muskelbauch des gastrocnemius und ein Punkt an der Fußsohle, Ni1, an, den man aufgrund seiner Lage nie mit Nadeln stechen würde, der sich aber zur Stimulation mit Druckwellen bei allen Erschöpfungszuständen sehr gut eignet.
Es ist nicht sinnvoll, mehr als 6 Areale in die Behandlung einzubeziehen, da bei einer zu starken Stimulation eher eine Beruhigung und Ermüdung als eine Steigerung der Leistungsfähigkeit erreicht wird.

Zusammenfassung

Die Stimulation von Punkten und Arealen mit Druckwellen wirkt besser als die Akupunktur oder Akupressur auf die Druckrezeptoren in der oberflächennahen Muskulatur ein. Es gibt eine ¬Reihe von Punkten und Punktkombinationen, die sich in Vorbereitung auf eine sportliche Leistung für eine Stimulation anbieten. Die Druckwellenbehandlung dieser sensiblen Punkte, die uns aus jahrhundertealten Beobachtungen bekannt sind, ist eine wertvolle Ergänzung unseres Repertoires zur Vorbereitung auf sportliche Hochleistungen, aber auch zur Nachbehandlung nach sportlicher Belastung, um eine möglichst rasche Erholung zu erzielen.

Dr. med. Heinrich Everke

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr.Heinrich Everke:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/2727

Ausgabe MSN 3 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2009.

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