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Stressfrakturen im Sport
Stressfrakturen im SportSportmedizin & Laufsport
Eine Stressfraktur ist definiert als ein Ermüdungsbruch eines gesunden Knochens auf submaximale, wiederholte Belastung. Sie ist somit von einer Insuffizienzfraktur abzugrenzen, welche bei abnormer Dichte und Struktur des Knochens auftritt und von einer pathologischen Fraktur, welche bei Tumorwachstum zustande kommt. Im Grunde ist die Stressfraktur schon sehr früh beschrieben worden und zwar von Breithaupt in der Medizinischen Zeitung im Jahre 1855. Er beschrieb bei preußischen Soldaten Frakturen am 5. MT nach langen Märschen, weshalb die Frakturen auch Marschfrakturen genannt werden. Die 13-jährige Tanja hat schon seit mehreren Monaten beim Langstreckentraining Schmerzen im Unterschenkel. Der Hausarzt vermutet eine Sehnenreizung bei der schlanken Leistungssportlerin und behandelt über mehrere Wochen mit entzündungshemmenden Medikamenten. Ohne Erfolg. Die Schmerzen treten nun auch bei Alltagsbelastungen auf, sodass Tanja zum Orthopäden überwiesen wird. Dieser veranlasst nach einer gründlichen Untersuchung und einem Röntgenbild (das keinen Weg weisenden Befund zeigt) eine Magnetresonanztomographie (MRT), da die Schmerzen vor allem vom Knochen zu kommen scheinen. Er möchte unter anderem schlimmere Knochenentzündungen oder Tumore ausschließen. Die Bilder der MRT-Untersuchung bringen dann die Diagnose: Tanja hat eine Stressfraktur im Schienbein! Warum kommt es zu einer Stressfraktur?
Wenn ein Knochen wiederholt physiologischen Belastungen ausgesetzt ist, dann sind diese Belastungen um den Faktor 10 niedriger als die Kraft, die für einen Knochenbruch nötig sind. Durch eine vermehrte physiologische Belastung werden im Knochen Umbauvorgänge eingeleitet. In diesem Rahmen kommt es zunächst zu Resorptionen durch Osteoclasten und dann zu einem Knochenum- und -aufbau durch Osteoblasten. Dies dauert ca. 3?–?4 Monate. Extrinsische Risikofaktoren
Schaut man auf die Sportarten, so sind es aufgrund der repetitiven Belastungen vor allem Langstreckenläufer, aber auch Sprinter, bei denen kurzzeitig starke Belastungen auftreten können. Bei bis zu 86 % der Sportler mit Stressfrakturen konnte eine Intensivierung der Trainingsgewohnheiten in der Vorgeschichte eruiert werden. Es gibt jedoch keine groß angelegten Kohortenuntersuchungen, wie viele Sportler nach Veränderung der Trainingsgewohnheiten eine Stressfraktur erleiden. Intrinsische Risikofaktoren
Muskulatur ist ein protektiver Faktor und dient als Puffer und Dämpfer bei Belastungen. Sowohl die Muskelermüdung als auch die Menge an Muskel spielt dabei eine Rolle. Das Risiko für eine Stressfraktur sinkt, wenn Knochendicke und -menge zunimmt. Ebenso können biomechanische Faktoren eine Rolle spielen. So kann ein Laufstil mit vermehrter Kniebeugung die Belastung des Schienbeins reduzieren. Diagnose und Therapie
Um eine Stressfraktur diagnostizieren zu können, benötigt man als Basisdiagnostik Röntgenbilder. Der Bruch wird jedoch in der Frühphase noch nicht sichtbar sein. Zu empfehlen ist daher eine Skelettszintigraphie oder eine MRT-Untersuchung. Nur bei früher Diagnoseerstellung kann eine konsequente Therapie eingeleitet und gute Behandlungsergebnisse erreicht werden. Die Behandlung ist im Prinzip nicht schwierig, kann jedoch sehr langwierig sein. In der Regel besteht die konservative Therapie aus einer Entlastung der betroffenen Extremität für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen. Manchmal genügt eine Trainingspause, wobei bei nicht konsequenter Behandlung eine Verschleppung und Verschlimmerung der Erkrankung droht. Seltener wird mittels einer zusätzlichen Ruhigstellung im Gips oder Tape-Verband therapiert. Bei drohender oder stattgefundener Dislokation des Knochens muss der operativ mit einer Osteosynthese, z.?B. einer Schraube oder Marknagel fixiert werden. Bei einem Tennisspieler wurde eine drohende Faktur am Ellenhaken auch mit einer Zuggurtungsosteosynthese behandelt. Was wurde aus Tanja? Die Leistungssportlerin erhielt von ihrem Orthopäden für 4 Wochen Unterarmgehstützen, um das betroffene Bein zu entlasten. Ferner wurde die entzündungshemmende Medikation fortgesetzt, vom Physiotherapeuten bei akuten Schmerzen Eis angewendet und eine Schwellung mit Lymphdrainage behandelt. Nach 4 Wochen konsequenter Entlastung ließ Tanja die Unterarmgehstützen weg und belastete im Alltag ohne Einschränkung. Erst als sie nach 3 weiteren Wochen im Alltag beschwerdefrei war, begann sie unter sporttherapeutischer Anleitung wieder in ein dosiertes Aufbautraining. Da Tanja für ihr Alter sehr schlank war, suchten die Eltern mit Tanja eine Ernähungspsychologin auf, um frühzeitig auf eine Essstörung reagieren zu können. Nach 5 Monaten war alles ausgestanden und Tanja wurde Bezirksmeisterin über 1.000m. Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. med. Philip Kasten: http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6870
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Ausgabe MSN 1 / 2008Der Autor:Weitere Artikel online lesen |

