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Management von Verletzungen

Management von Verletzungen

Fußball ist weltweit eine der beliebtesten Sportarten. Insgesamt gibt es ca. 220 Mio. organisierte Fußballer, wobei allein in Deutschland über 6 Mio. Mitglieder in über 26.000 Sportvereinen organisiert sind.

Pro 1.000 Spielstunden kommen ca. 30 Verletzungen vor. Im Training ­werden ca. sechs Verletzungen pro 1.000 Trainingsstunden beobachtet.
Bei großen Turnieren, wie Fußball Weltmeisterschaften, liegt die Inzidenzrate für Verletzungen pro 1.000 Matchstunden mit ca. 69 deutlich höher ­(Dvorak J. et al.: Br J Sports Med, 2007).
Etwa 2/3 aller Verletzungen sind akut, während 1/3 auf Überlastungsschäden zurückgeführt werden können.
Die häufigsten Verletzungen im Spielbetrieb werden zwischen der 31. und 45. Minute bzw. der 76. und 90. Minute beobachtet. In den meisten Fällen geht den Verletzungen ein Körperkontakt voraus. Die untere Extremität ist dabei am häufigsten betroffen.

An erster Stelle der Verletzungshäufigkeit steht

die Verletzung der Hamstrings (ca. 20 %)
gefolgt von Sprunggelenk­ver­letzungen (ca. 17 %)
Knieverletzungen mit ca. 16 %
Unterschenkel- und Leistenver­letzungen folgen mit ca. 14 bzw. 11?% aller Verletzungen
(Tust I: GOTS News Archiv)
Die weitaus häufigsten Verletzungen sind Prellungen. Große Verletzungen mit einem Spielausfall von über 4 ­Wochen können mit ca. 15?% beziffert werden (s. Tab. 1).

Tab. 1
(Walden M. et. al.: Br J Sports Med, 2005):
30,5 Verletzungen/1.000 H (Match)
5,8 Verletzungen/1.000 H (Training)
große Verletzungen
(Ausfall > 4 Wo.): 15?%
häufigste Verletzung:
Hamstring (ca. 20 %)

Wenn sich ein Spieler verletzt hat, besteht eine erhöhte Gefahr einer Rezidiv- oder Neuverletzung. Eine schwedische Untersuchung zeigte, dass Elite-Spieler, welche sich im Jahr 2001 verletzt hatten (Verletzungen: Hamstrings, Leiste, Knie), im Jahr 2002 signifikant häufiger erneut verletzt waren als gesunde Spieler mit der gleichen Spielbelastung. Es trat 2-3x häufiger sogar das gleiche Problem auf (Hägglung M. et al.: Br J Sports Med 2006). Mit einem systematisierten Aufbautraining kann das Risiko für eine Rezidivverletzung um ca. 66 % reduziert werden (Hägglund M. et al.: AJSM, 3/2007).

Kommt es zu einer Verletzung, müssen zwei wichtige Ziele verfolgt werden:
1. Eine möglichst schnelle Wieder­herstellung der Spiel- und
Wettkampffähigkeit
2. Die Vermeidung von
Rezidivver­letzungen
Um diese Ziele umsetzen zu können, ist eine exakte Diagnosestellung und eine schnelle Einleitung der entsprechenden Therapieverfahren notwendig. Dabei steht die klinische Untersuchung an ­erster Stelle, wobei die Untersuchungsumstände zu berücksichtigen sind.
Die Erstuntersuchung auf dem Feld stellt eine Ausnahmesituation dar.
Eine möglichst genaue Rekonstruktion oder Beobachtung des Verletzungs­ereignisses ist bereits wegweisend für das weitere Vorgehen. In einer Wettkampfsituation ist die erste grobe Einordnung der Verletzungsschwere zunächst wichtig, um entscheiden zu können, ob der Spieler weiter spielen kann oder sich ein Ersatzspieler für den Einsatz vorbereiten sollte. Dies ist dem Trainer sofort zu signalisieren.
Im weiteren Verlauf werden dann die entsprechenden Erstmaßnahmen eingeleitet. Eine gute Erstversorgung verkürzt den Heilverlauf deutlich. Für die ­weiteren klinischen Untersuchungen sollten die entsprechend notwendigen bildgebenden Diagnostiken (z.?B. Sonographie, MRT, Röntgen oder CT) an­geschlossen werden, um die Diagnose zu untermauern.
Aus den erhobenen Untersuchungsdaten wird ein Behandlungskonzept erstellt. Zunächst muss entschieden werden, ob operativ oder konservativ behandelt wird. Daraus ergibt sich eine erste Prognosestellung bezüglich der Behandlungs- bzw. Ausfalldauer.
Gemäß der Literatur können kleine (1–3 d kein Mannschaftstraining (MT)), milde (4–7 d kein MT), moderate (8–28 d kein MT) und schwere Verletzungen (> 28 d kein MT) unterschieden ­werden. Die Nachbehandlung sollte frühfunktionell nach Maßgabe von Schwellung und Schmerzen gestaltet werden. Je schwerer die Verletzung ist, desto ­häufiger sollte der Spieler vor Wiedereintritt in die Wettkampfspiele mit der Mannschaft trainieren und ggf. auch schon Testspiele absolviert haben.

Dr. med. Jens Enneper

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Jens Enneper:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6994

Ausgabe MSN 3 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2008.

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