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PECH gehabt ? Kältetherapie in der Sportmedizin!

PECH gehabt ? Kältetherapie in der Sportmedizin!

Physiologisch korrektes Kühlen

Etwa 1,5 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum verletzen sich jedes Jahr beim Sporttreiben so stark, dass sie sich anschließend in ärztliche Behandlung begeben müssen. Im besten Fall handelt es sich lediglich um eine Verstauchung, Prellung oder Zerrung. Im Idealfall kommt hier eine Erstversorgung mit Kälteträgern zum Einsatz. Seit der Entdeckung der Kryotherapie mit Eis gab es, bis auf die PECH-Regel (engl. RICE), auf diesem Gebiet kaum eine Standardisierung. Das ist mit der Hilotherapie nun anders.

Breitensportarten mit dem größten Verletzungs­potenzial sind, wen wundert es, Inlineskaten, Ski- und Radfahren. Betrachtet man die Unfallstatistik des ­Vereinssports, so wird bei den Frauen die Liste von Verletzungen im Zusammenhang mit Handball ­angeführt. Bei den Männern führt mit 58?% ­Fußball die Liste der Sportunfallstatistik.
Fest steht, Profifußballer verletzen sich seltener als Spieler niedrigerer Spielklassen. Statistisch betrachtet, müssen Profivereine pro Saison dennoch mit ca. vier bis acht ernsthaften Verletzungen rechnen. Am ­häufigsten kommt es meist zum Ende einer Halbzeit zu Verletzungen, also zwischen der 31. und 45. bzw. der 76. und 90. Spielminute. Dabei ist es gleich, ob Profi- oder Amateurfußball. Bei Zweikampfsituationen kommt es am häufigsten zu schmerzhaften ­Verletzungen der unteren Extremitäten: dabei sind besonders häufig das obere Sprunggelenk (OSG), Fuß- und Kniegelenk betroffen.
Ist es zu einer Verletzung gekommen, wurde bisher die Sofortbehandlung nach der PECH-Regel praktiziert:

P??=??Pause Den betroffenen Körperteil ruhig stellen.
E??=??Eis/Kühlung Kühlen reduziert Schwellungen und Blutungen.
C??=??Compression Ein fester Verband kann Schwellungen vorbeugen.
H??=??Hochlagerung: Zum besseren Blutrückfluss sollte der betroffene Körperteil möglichst über Herzhöhe gelagert werden.

Dies ist ein wichtiger Schritt, um nach einem standardisierten Verfahren die Schmerzen schneller abklingen zu lassen.

Generell gilt: Damit die Rehabilitation für den Spieler so kurz wie möglich ausfällt, müssen die innere ­Blutung schnellstmöglich gestoppt und die Gelenkschwellung durch Kühlen ­reduziert werden. Um nach einer Sportverletzung das Abschwellen, die Schmerzlinderung und die Hemmung von Entzündungsreaktionen zu beschleunigen, wird häufig die Kryotherapie als Sofortmaßnahme angewendet.

Physiologische Effekte der Kältetherapie:

Kälteanwendungen entziehen dem Körper Wärme, reduzieren den Stoffwechsel und führen zur Abnahme der posttraumatischen Schwellung. Um das Absinken der Körperkerntemperatur zu verhindern, lässt Kälte das Herz schneller schlagen. Außerdem hemmt sie vorübergehend die Tätigkeit der Drüsen (nicht aber den Lymphabfluss) und regt die Darmtätigkeit an. Bei Kälteein­wirkung ziehen sich die Blut­gefäße zusammen und weniger Blut tritt ins Gewebe, Hämatome entstehen kaum.
Durch die lokale Hypothermie wird der entstehende Hypoxieschaden verringert, ebenso wird aber auch die Konzentration der freien Zellbestandteile
(v. a. Proteine) herabgesetzt und damit die Wassereinlagerung im Gewebe abgesenkt. Zudem wird durch das Kühlen der Lymphabfluss verbessert; Schmerzen verschwinden mehr oder weniger, da die für den Kältereiz zuständigen Nerven ihre Impulse schneller an das Gehirn schicken als die schmerzleitenden Nervenbahnen. Infolgedessen wird die Beweglichkeit rasch gesteigert und der Patient durch die raschere Mobilisation schneller wieder einsatzbereit.
Aber Vorsicht bei der Wahl des Kälteträgers! Insbesondere bei Eisanwendungen kann es schnell für den Körper zu kalt werden. Unter fünf Grad leiten die Nerven keine Impulse mehr; unter zehn Grad sind die Mikrozirkulation, Fibroblastenbildung und Propriorezeption gestört, die Lymphdrainage ist bereits unter fünfzehn Grad beeinträchtigt.
Ein konstantes Kühlen mittels herkömmlicher Kälteträger wie Eis in unterschiedlichen Formen wie Eiswasser, Eislollis, Coldpacks, Kältesprays ist ­ohnehin schwierig. Ist ein Körperteil durch Eispackungen oder sonstige industrielle Kühlverfahren durch zu langes Anwenden zu stark unterkühlt oder sind bereits die Nerven gelähmt, werden weder Schmerz noch Kälte empfunden. Daher sollte direkte Kälteeinwirkung vermieden und zwischen Haut und ­Eispackung immer ein Tuch gelegt ­werden.
Die standardisierte Kälteanwendung „Hilotherapie“ gewährleistet eine ­„positive“ Kühlung mithilfe eines speziellen Therapiesystems, bei dem keine Gefahr von Erfrierungen oder Nervenschädigungen besteht. Das System ­arbeitet im physiologisch korrekten Temperaturbereich von plus zehn bis plus dreißig Grad Celsius und kühlt, wenn es sein muss, auch rund um die Uhr. Somit vermeidet man zum einen das regelmäßige Ersetzen des Kühlmittels, zum anderen lässt sich die Temperatur gradgenau, je nach Empfinden, an der entsprechenden Körperstelle einstellen, ohne mit Erfrierungen rechnen zu müssen. Die Therapie ist fester Bestandteil unserer Praxis und für die ­meisten ­Patienten gar nicht mehr wegzudenken. Sie wird nach Bänder-, Gelenk- und Muskelverletzungen sowie Operationen angewendet.

Ausgabe MSN 5 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 5 / 2009.
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