Sportmedizinische Aspekte beim Marathon
Marathonläufe erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Leider sind in der Vergangenheit gehäuft Todesfälle bei Großereignissen aufgetreten und haben den Ausdauersport ins Gerede gebracht.
Regelmäßiges Ausdauertraining kann sich sehr positiv auf die Gesundheit auswirken. So wird beispielsweise neben der Steigerung der Fitness und des körperlichen Wohlbefindens die Insulinresistenz vermindert, was sehr für eine diabetogene Stoffwechsellage ist. Die Blutfette und der Blutdruck werden oft ebenso günstig beeinflusst. Die Knochendichte nimmt langfristig zu, ein positiver Effekt bezüglich Osteoporoseprophyllaxe. Gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft mit den Problemen Übergewicht und Bewegungsmangel, lässt sich Ausdauersport effektiv zur Prävention und auch zur Therapie einsetzen.
Ein Marathonlauf ist demgegenüber eine extreme körperliche Belastung und sollte nur von gesunden gut trainierten Sportlern ohne falschen Ehrgeiz absolviert werden.
Häufig liegen bei Sportlern, die an einem plötzlichen Herztod versterben, nicht bekannte Erkrankungen des Herzens vor. Bei den unter 35jährign sind dies zumeist Anomalien der Herzkranzgefäße oder eine Herzmuskelerkrankung, die Hypertrophe Obstruktive Kardiomyopathie, bei den älteren Sportlern findet sich häufig eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße.
Es gibt Studien z.B. aus Italien, die belegen, dass sich durch qualifizierte ärztliche Vorsorgeuntersuchungen eine deutliche Risikoreduktion erzielen lässt.
Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin hat Leitlinien für Vorsorgeuntersuchungen zur Erkennung latenter und bereits vorhandener Erkrankungen im Sport veröffentlicht. Es wird neben einer ausführlichen Anamnese, insbesondere zur Erfassung etwaiger Risikofaktoren, eine klinische Untersuchung einschließlich laborchemischer Untersuchungen empfohlen. Ebenso obligat ist die Durchführung eines Ruhe-EKGs. Bei älteren Sportlern, Risikofaktoren oder gar Beschwerden sollte ebenso ein Belastungs-EKG und gegebenenfalls auch ein Herzecho durchgeführt werden. Nachuntersuchungen wären in Abhängigkeit von Alter und Gesundheitszustand alle 1–3 Jahre durchzuführen. Der untersuchende Arzt sollte im Vorfeld auch überprüfen, ob das bisherige Training ausreichend ist, um einen derartigen Wettkampf zu bestreiten.
Die sportmedizinische Leistungsdiagnostik z.B. eine Spiroergometrie bzw. eine Laktaleistungsdiagnostik ermöglicht im Vorfeld eine Aussage über die derzeitige Ausdauerleistung und hilft, den richtigen Trainingsbereich zu bestimmen, in dem optimal die aerobe Ausdauer trainiert werden kann. Außerdem werden noch andere trainingsmethodisch wichtige Parameter z.B. der Anteil der Fettverbrennung an der Energiebereitstellung gemessen. Die Leistungsdiagnostik liefert dem Trainer wichtige methodische Daten.
Sportler sollten auf die Signale ihres Körpers hören. Falscher Ehrgeiz kann schädlich sein. Beim Vorliegen eines Atemwegsinfektes bzw. einer fieberhaften Erkrankung ist z.B. fast immer von der Wettkampfteilnahme abzuraten, da eine Belastung in diesem Rahmen immer ein erhöhtes Risiko für eine Herzbeutel- bzw. Herzmuskelentzündung darstellt.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wird immer ein Restrisiko bleiben, aber wer gesund ist, sich gut vorbereitet und trainiert hat, kann sich mit gutem Gewissen der Herausforderung Marathon stellen.
Dr. Heidrun Beck
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