21.05.2012 18:51 - Über uns - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner

Kniearthrose

Im Hochleistungssport hat das Bestreben, den Sportler durch präventive Maßnahmen gesund und leistungsfähig zu halten, seit Jahren oberste Priorität. Nicht warten bis ein Überlastungsschaden aufgetreten und damit die Trainierbarkeit aufgehoben oder reduziert ist, sondern schon im Vorfeld Einfluss nehmen.

Die gestiegenen Trainingsumfänge und -intensitäten ­führten auch im Deutschen Ruderverband zu Überlegungen, auf ­welche Weise die Belastbarkeit der Sportler auch durch ­Beiträge aus dem medizinischen Bereich verbessert werden kann. So haben wir in den letzten Jahren unser Betreuerteam um Kinesiologen, Osteopathen und Spezialisten auf dem ­Gebiet der craniosacralen Therapie ergänzt. Begleitend setzen wir auch zur Detonisierung und präventiv auf Kinesio-­Taping.Darüber hinaus ging es uns darum, die Athleten gezielt über die Belastungsbesonderheiten in ihrer Sportart aufzuklären, gehäuft auftretende Beschwerdebilder zu erläutern und ­Hinweise zur Verhütung derselben zu geben.
Die Olympiamannschaft des DRV wird mit ca. 48 Athleten in Peking anreisen. Die medizinische Betreuung dieser doch recht großen Mannschaft, in der sich auch 8 Leichtgewichtsruderer befinden, erfordert stark individuell zugeschnittene Betreuungsaktivitäten.

Im Folgenden soll erläutert werden, welche präventiven Maßnahmen im Vorfeld der Olympischen Spiele in den ­Jahren 2006/2007 verstärkt Berücksichtigung fanden.
So wurden zunächst über individuelle Gespräche, Vorträge und Athletenbriefe die Sportler darüber aufgeklärt, wie sie sich in den jeweiligen Trainingsperioden nach dem gegen­wärtigen Stand der Kenntnisse optimal ernähren sollten. Sie sollten selbst in die Lage versetzt werden einzuschätzen, mit welcher mitteleuropäischen Ernährung sie die benötigten ­Energieträger zur richtigen Zeit und in der erforderlichen Menge zur Verfügung haben und wie sie über vitaminreiche Kost ihr Immunsystem optimal aktivieren können.
Die allgemeinen Verhaltensweisen zur präventiven Arbeit wurden dem Sportler erläutert. Das betrifft z.B. das Phänomen des „open windows“, das Meiden von großen Ansammlungen bei Grippewellen sowie das individuelle Eingehen auf Schwachstellen. Dies bestand z.?B. darin, bei Sportlern mit bekannten Schwachstelle der Nasennebenhöhlen oder der Bronchien bei gewissen Klimaten (Höhe/starke Luftver­schmutzung) täglich Inhalationen durchzuführen, die ­Kleidung bei extremen Klimabedingungen anzupassen und ggf. im ­Höhentraining einen Rückenschutz zu tragen.
Ein besonderes Augenmerk legten wir natürlich auf ­Probleme der Ruderer die in der Vergangenheit immer wieder zu Trainings- und Wettkampfausfällen führten. Es waren in erster Linie Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule. Dies ist beim Riemenruderer meist der lumbosacrale Übergang mit allen in der Kette befindlichen Muskeln, beim Skuller zumeist die Brustwirbelsäule mit Ausstrahlung in die Arme.
Gerade dabei verstärkten wir unser medizinisches/therapeutisches Team mit osteopathischen, craniosacralen und kinesiologischen Arbeitsweisen. Wir bauten ein fachlich breit ­ge­fächertes Team auf, das die Möglichkeiten besaß, die ­wesentlichsten muskuloskletalen Probleme der Aktiven bereits vor ihrer Manifestation gut in den Griff zu bekommen.

Die Maßnahmen selbst bestanden u.?a. in der Behandlung von muskulären Dysbalancen, von Muskelverhärtungen und Triggerpunkten, die meist noch keine nennenswerten ­Schmerzen beim Sportler auslösten, aber eine Einschränkung in der neuromuskulären Ansteuerung bewirkten. Dies zeigte einen deutlich positiven Effekt bei den Sportlern, sie fühlten eine deutlich bessere Bewegungsfreiheit und berichteten ihre volle Leistungsfähigkeit einzusetzen; ist doch Rudern ein Sport der ein Großteil der Muskelgruppen benötigt.
Ebenso wurden allgemeine Übungen zur Rumpf- und Tiefenstabilisation eingeführt. Ein 20-minütiges Rückenstabilisationstraining wurde vor jeder Rudereinheit im Alltag, im Trainings­lager und selbst an den Wettkampffreien Tagen bei der Weltmeisterschaft durchgeführt. Ebenso wurden verschiedene Tiefenstabilisationsübungen in den Kraftzirkeln mit eingeführt.
Die Maßnahmen wurden von den Sportlern, hier die ­Athleten des Deutschlandachters, vollständig umgesetzt, wenn möglich immer unter Anleitung und Korrektur.
Zur Dokumentation aller medizinischen Maßnahmen ­setzen wir seit 2006 ein Athletenbuch für die Sportler des Top Teams Peking ein. Darin werden alle wesentlichen medizinisch/therapeutischen Maßnahmen sowie die Schwach­stellen jedes Sportlers dokumentiert. Somit haben andere Ärzte/Therapeuten direkte und genaue Informationen über ihre Schützlinge, auch wenn diese außerhalb des Heim­trainings behandelt werden mussten.kniearthrose

Die aufgeführten Veränderungen wurden von den Sportlern angenommen und gewissenhaft beachtet. Von unserer medizinisch/therapeutischen Seite konnte ein deutlicher Rückgang der muskuloskeletalen Beschwerden und durch die präventiven Behandlungen und Eigenübungen ein bessere Beweglichkeit und den Rückgang muskulärer Dysbalancen verzeichnet werden.kniearthrose
Nach Umsetzung der optimierenden Ernährungsempfehlungen gaben viele Sportler an, die Wettkampfwoche besser überstanden und das Gefühl gehabt zu haben, mit „voller Substanz“ in den Endlauf gegangen zu sein.
Insgesamt ist unser Bereich ein Rädchen im Gesamtge­triebe des Betreuungsteams eines Sportlers. Geht man jedoch von den Krankheits- und damit Trainingsausfällen aus sowie von dem Feedback der Sportler und den Erkenntnissen ­unseres medizinisch/therapeutischen Teams, dann ist die ­Prävention im Hochleistungssport zu einem unentbehrlichen Faktor geworden, der in den kommenden Jahren noch an Bedeutung zunehmen wird.

Dr. Ulrich Kau

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Ulrich Kau:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/2500

Ausgabe MSN 5 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 5 / 2010.
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