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Diabetes bekämpfen

Ernährungsmodifikation und Bewegungssteigerung verhindern mellitus typ 2

Aufgrund des gesteigerten kardiovaskulären Risikos bei Patienten mit pathologischer Glukosetoleranz (IGT) sowie der hohen Konversionsrate zum Typ-2-Diabetes lag es nahe, das therapeutische Potenzial körperlicher Mehrarbeit zusammen mit einer Ernährungsmodifikation zu nutzen, um die Diabetesentwicklung zu verzögern oder sogar aufzuhalten und die erhöhte kardiovaskuläre Mortalität zu senken.

Mit diesem Ansatz wurden prospektive randomisierte Interventionsstudien initiiert, die finnische Diabetes Prevention Study (DPS) [1], das Diabetes Prevention Program (DPP) [2] und der schwedische Malmö Preventive Trial (MPT) [3].
Die wichtigsten Botschaften aus den Interventionsstudien lauten, dass durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten und durch verstärkte körperliche Bewegung die Entwicklung eines manifesten Diabetes aus dem Vorstadium der pathologischen Glukosetoleranz – zumindest in den überschaubaren Abschnitten von bis zu 12 Jahren – deutlich reduziert und damit auch die überhöhte Mortalität durch kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse vermindert werden können. Eine lebenslange nachhaltige Lebensstiländerung ist allerdings höchstwahrscheinlich notwendig, um die positiven Effekte zu erhalten.

Notwendigkeit finanzieller Investitionen

Ein wichtiger Punkt ist, dass diese Interventionen nicht kostenlos zu erreichen sind. In allen Studien wurde ein enormer Aufwand in die diätetische Schulung und die Anleitung zu verstärkter körperlicher Betätigung investiert. Auch von den teilnehmenden Patienten wurde ein Höchstmaß an Engagement vorausgesetzt, wurden doch in der DPS ein tägliches Sportprogramm von mindestens 30 min und in der DPP von 150 min/Woche gefordert. Es wurde keine Trennung zwischen verstärkter körperlicher Bewegung und Ernährungsmodifikationen gemacht. Für eine bessere Prognose sollte allerdings mehr auf die Bewegungssteigerung als auf die Gewichtsreduktion Wert gelegt werden.
Es müssten strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Interventionen geschaffen werden, um die Entwicklung des Diabetes aus der IGT zu stoppen bzw. die Situation des Patienten mit bereits manifestem Typ-2-Diabetes zu verbessern. Zurzeit gibt es in Deutschland weder die Strukturen, die nötig wären, um Screeninguntersuchungen auf pathologische Glukosetoleranz in größerem Rahmen durchzuführen noch von den Krankenkassen finanzierte Sportprogramme für Menschen mit IGT. Weniger als 0,5 % der Typ-2-Diabetes-Patienten haben derzeit in Deutschland die Möglichkeit, Rehabilitationssportgruppen zu nutzen. Wenigstens in dieser Hinsicht besteht ein Finanzierungsmodell über den ambulanten Rehabilitationssport.
Um die Situation der Menschen mit IGT und Typ-2-Diabetes zu verbessern, gründete sich im Mai 2000 die Initiativgruppe Diabetes und Sport, die inzwischen als offizielle Arbeitsgemeinschaft der DDG anerkannt ist. Auch die AG Prävention des Typ-2-Diabetes bemüht sich derzeit in einer konzertierten Aktion, mithilfe von speziellen „Risikoscores“ gefährdete Menschen mit metabolischem Syndrom, pathologischer Glukosetoleranz bzw. pathologischer Nüchternglukose einer Früherkennung und entsprechenden Lebensstilintervention zuzuführen. Der in Vorbereitung befindliche Präventionsmanager soll Screening, Motivation, Ernährungsumstellung und Bewegungssteigerung der betroffenen Menschen koordinieren und Zielparameter dokumentieren. Die finanzielle Absicherung des Projekts durch Gelder der Krankenkassen ist jedoch noch keineswegs gesichert.

Fazit für die Praxis

Durch vermehrte körperliche Aktivität können die Entwicklung eines Typ-2- Diabetes aufgehalten, die erhöhte Mortalität im Stadium der pathologischen Glukosetoleranz vermindert und die Situation des Patienten mit manifestem Diabetes verbessert werden. Sport ist zudem ein einfach anzuwendendes und relativ billiges „Medikament“ ohne größere Nebenwirkungen. Dass es hierbei jedoch nicht mit einfachen Empfehlungen zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung getan ist, zeigen die frustranen Appelle in Zeitungen/Zeitschriften und sonstigen Medien. Es bedarf ausgefeilter Rehabilitationsprogramme, die auf die unterschiedlichen Anforderungen ausgerichtet sind: Verbesserung der Fitness und Ernährungsumstellung für Patienten mit IGT, moderate Bewegungssteigerung und Verhaltensänderung für Typ-2-Diabetes- Patienten. Beide Zielgruppen benötigen flankierende Maßnahmen, besonders im Hinblick auf Motivation und langfristige Verhaltensmodifikation. Dazu sind die Expertisen von Sporttherapeuten, Ökotrophologen, Psychologen und Ärzten notwendig, die nicht kostenneutral erhältlich sind.
Diese zurzeit noch bestehenden strukturellen Defizite sollten allerdings nicht dazu führen, das in verstärkter körperlicher Betätigung steckende Potenzial ungenutzt zu lassen. Den Hausärzten und Schulungseinrichtungen als wichtigsten Ansprechpartnern obliegt es, die nötige Motivationsarbeit bei Patienten mit IGT und Diabetes Typ 2 zu leisten und die bereits vorhandenen Strukturen (Walkinggruppen, Sportgruppen für Diabetespatienten) sinnvoll zu nutzen.

peter.zimmer@klinikum-ingolstadt.de

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Peter Zimmer:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/2592

Ausgabe MSN 1 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2010.
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