Prävention - Aktiv mit Diabetis umgehen
Die Bedeutung von körperlicher Aktivität und Sport zur Prävention und Behandlung des Diabetes
Angesichts einer weltweiten Epidemie des Typs 2 Diabetes stellt sich die Frage, wie die Lawine aufgehalten werden kann und welche Bedeutung die Steigerung körperlicher Betätigung in diesem Zusammenhang hat. Wie konnte es zu diesem Anschwellen von Diabetesfällen kommen ?
Waren in der Urzeit der Jäger und Sammler noch tägliche Märsche von vielen Kilometern die Normalität (etwa 20 km/Tag), beschränkt sich die heutige mittlere körperliche Betätigung auf durchschnittlich 300– 700 m/Tag. Das Ergebnis ist eine Zunahme von Übergewicht und Adipositas mit der Folge einer Zunahme von Insulinresistenz und metabolischem Syndrom. Unter den heutigen Lebensbedingungen der hochzivilisierten Länder mit uneingeschränktem Nahrungsangebot bei gleichzeitig geringerer Notwendigkeit körperlicher Aktivität im Alltag begünstigen folglich die gleichen Gene, die unsere Vorfahren gegen Untergewicht geschützt haben, Übergewicht und
Typ-2-Diabetes.
Wirksamkeit von Bewegungssteigerung
Körperliche Bewegung erhöht die Insulinsensitivität der Muskelzellen über verschiedene metabolische und strukturelle Adaptationsmechanismen. Schon eine einzige Aktivitätseinheit kann beim Diabetespatienten zu einer deutlichen Absenkung des Blutglukosespiegels führen. Dies ist v. a. auf eine Verbesserung des Glukosetransports in die Zellen zurückzuführen. Nach körperlicher Aktivität werden vermehrt Glukosetransportproteine (so genannte GLUT-4-Proteine) in die Muskelmembran eingelagert. Hierdurch kann mehr Glukose in die Zellen einschleust werden. Darüber hinaus wird die Aktivität von Schlüsselenzymen des intrazellulären Glukosestoffwechsels gesteigert, sodass sowohl die Utilisation als auch die Speicherung
von Glukose verbessert werden. Zusätzlich führt die kontraktile Aktivität der Muskulatur – unabhängig vom Insulin – zu einer gesteigerten GLUT- 4-Translokation, da ein Abfall des Verhältnisses ATP/AMP während körperlicher Mehraktivität die Aktivität der
AMP- aktivierten Proteinkinase (AMPKinase) steigert. Eine vermehrte Expression der AMP-Kinase führt insulinunabhängig zu einer Erhöhung der GLUT- 4-Translokation in die Muskelmembran und damit zu einer Erhöhung der Glukoseaufnahme. Dieser Mechanismus wird v. a. für die Verbesserung der Insulinresistenz nach Krafttraining verantwortlich gemacht. Darüber hinaus werden jedoch noch weitere Mechanismen wie die vermehrte intrazelluläre Kalziumfreisetzung, NO oder Bradykinin für eine erhöhte GLUT-4-Translokation und damit eine Verbesserung der Insulinresistenz diskutiert.
Bewegungssteigerung ist gegen alle Fassetten des metabolischen Syndroms wirksam
Ausdauersport steigert auch die primär reduzierte Kapazität zur Fettoxidation bei Patienten mit pathologischer Glukosetoleranz und Diabetes Typ 2. Eine Zunahme der Fettoxidation konnte sowohl in der postabsorptiven Phase als auch während körperlicher Belastung in vielen, wenn auch nicht allen Untersuchungen nachgewiesen werden. So sind auf zellulär-metabolischer Ebene nach sportlicher Aktivität eine Steigerung der mitochondrialen oxidativen Enzymkapazität und eine erhöhte Kapazität der transmembranösen und intrazellulären Fettsäuretransportproteine nachgewiesen worden. Durch diese Prozesse werden sowohl die Verstoffwechselung plasmatischer Fettsäuren als auch die Utilisation intramuskulär gespeicherter Triglyzeride gesteigert. Somit kommt es immer neben einer Verbesserung der Insulinresistenz und damit einhergehenden Reduktion von Glukosewerten auch zu einer Verbesserung des Lipidprofils mit Reduktion von Triglyzeriden, Erhöhung des kardioprotektiven HDLCholesterinsund Reduktion von besonders atherogenen Small-dense-LDL-Partikeln. Körperliche Aktivität erhöht zudem die Bereitstellung von Stickoxid und begünstigt damit die koronare Mikrozirkulation.
Auch der Atherosklerose kann durch Bewegung entgegengewirkt werden: Muskelaktivität reduziert die endotheliale Dysfunktion und beugt mit antiinflammatorischen Effekten der Atherosklerose als entzündlichem Prozess vor. Durch die Ökonomisierung des Kreislaufs können die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin gesenkt werden, was positive Effekte auf die Blutdruckregulation hat. Mit gesteigertem Kalorienverbrauch sinkt auch das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen.
Diese Effekte lassen sich bereits mit einer Bewegungssteigerung von 27METs/Woche, das entspricht etwa einem täglichen 1-stündigen raschen Spazierengehen von 4 km/h, erzielen!
Über die Art der körperlichen Bewegung – insbesondere darüber, ob eher aerobes Ausdauertraining oder Krafttraining favorisiert werden soll – besteht Uneinigkeit. Im Hinblick auf die gewünschten Anpassungsvorgänge des Herz-Kreislauf-Systems haben sich aerobe Ausdauersportarten wie schnelles Spazierengehen oder „Walking“, Joggen, Radfahren und Schwimmen in langjähriger Erfahrung mit den ambulanten Herzgruppen bewährt. Hinweise darüber, dass Krafttraining über eine Veränderung der Zusammensetzung der Muskelfasern zu einer zusätzlichen Verminderung der Insulinresistenz führt, mehren sich und werden bereits in den Trainingsprogrammen der Sportgruppen für Diabetespatienten berücksichtigt. Diese mit aerobem Ausdauertraining und Krafttraining kombinierten Übungsprogramme berücksichtigen
auch die vielen anderen gesundheitlichen Probleme des älteren Menschen: zunehmende Osteoporose, periphere Durchblutungsstörungen, Haltungsbeschwerden an der Wirbelsäule uvm. Interessenkonflikt. Es besteht kein Interessenkonflikt. Der korrespondierende Autor versichert, dass keine Verbindungen mit einer Firma, deren Produkt in dem Artikel genannt ist oder einer Firma, die ein Konkurrenzprodukt vertreibt, bestehen. Die Präsentation des Themas ist unabhängig und die Darstellung der Inhalte produktneutral.
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http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/2592
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