Druckwellen-Akupunktur
Stoßwellen werden in der Medizin seit 30 Jahren eingesetzt. Ihr erstes Einsatzgebiet war die Nierensteinzertrümmerung. Einige Jahre später lernte man auch orthopädische Erkrankungen wie beispielsweise Fersensporn oder Kalkschulter mit dieser Technik zu behandeln. Die Behandlung von Triggerpunkten mit Stosswellen ist inzwischen in der Orthopädie und Schmerztherapie weit verbreitet. Seit 2001 gibt es Versuche, diese Technik mit einer sanfteren Form von Wellen, den so genannten ballistischen Druckwellen, auch in der Akupunktur einzusetzen. Bisher hat sich dabei die Behandlung von Arthrosen der großen Gelenke, die Behandlung von chronischen Schmerzen und asthmatischen Beschwerden als erfolgreich erwiesen. Im Folgenden soll über die Möglichkeiten diese milde Reiztherapie auch zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit einzusetzen berichtet werden.
Druckwellen
In der Natur entstehen Stosswellen z.B. bei Blitzen. Sie entsprechen sehr harten Schallwellen, deren Nachhall selbst in großer Entfernung noch als Donner zu hören ist. In der Technik können sie, neben anderen Methoden, sehr effizient durch elektrische Entladungen (elektrohydraulisches Prinzip) erzeugt und mit Hilfe von akustischen Linsen oder Reflektoren gezielt auf Gebiete im Körper gerichtet werden.
Eine Sonderform dieser Wellen sind die etwas „weicheren“ ballistisch erzeugten Druckwellen. Sie entstehen bei der Kollision fester Körper. Hierzu wird beispielsweise ein Projektil wie bei einem Luftgewehr beschleunigt und auf einen Prallkörper geschossen, der die Energie in Form von Wellen an das dahinter gelegene Gewebe abgibt. Je härter der Aufprall, desto kräftiger ist die nachfolgende Druckwelle.
Um die Übertragung der Druckwellen vom Prallkörper oder Applikator in das Körperinnere zu erleichtern, wird Ultraschall-Gel auf die Haut aufgetragen, denn Druckwellen werden genau wie Ultraschall-Wellen durch Luft stark abgebremst.
Ultraschallwellen sind allerdings etwa hundertmal schwächer als ballistische Druckwellen. Die Energiedichte der Druckwelle nimmt mit dem Quadrat ihrer Entfernung von der Einkoppelungsstelle ab. Die stärkste Wirkung der Welle befindet sich also direkt unterhalb der Ansatzstelle des Applikators. Der spezielle Applikator für die Akupunktur hat einen Durchmesser von nur 6 mm. Die Eindringtiefe des Impulses liegt je nach Ausgangsdruck zwischen 1 und 4 cm.
Ballistische Druckwellen eigenen sich gut zur Erzeugung biologischer Reaktionen. Ihr Zielgebiet sind nicht nur die speziellen Druckrezeptoren der Muskeln und Sehnen, sondern alle drucksensiblen Bereiche des Organismus. Obwohl der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist, wurden sie bisher schon zur Steigerung der Blutversorgung und zur Steigerung von Stoffwechselprozessen erfolgreich eingesetzt.
Ihre Verwendung zur Stimulierung von Akupunkturpunkten ist nicht mehr neu. Es gibt bereits gute Erfahrungen bei der Behandlung von Arthrosen, Lumbalgie, Asthma und einer Reihe weiterer Indikationen.
Bei den bisherigen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass drucksensible Areale in der Haut und kurz darunter, die wir auch aus der Akupressur kennen, erfolgreich mit ballistischen Druckwellen stimuliert werden können. Hierzu ist ein sehr geringer Ausgangsdruck von 1,0 bis 1,4 bar und eine sehr kurze Stimulationsdauer von 5 bis 10 Sekunden pro Punkt ausreichend. Das entspricht bei einer Frequenz von typischer Weise 11Hz 50 bis 100 Druckpulsen. Intensivere Behandlungen führten bei den Erkrankungen der Muskulatur und der Gelenke eher zu Gegenreaktionen. Deswegen sollte man die einzelnen Areale oder Punkte nur kurz behandeln. Die Patienten sollen die Impulse zwar deutlich spüren, die Stimulation soll aber in jedem Fall schmerzlos sein.
Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit
Die Leistungsfähigkeit eines Sportlers hängt außer von seinem Talent und seinem Trainingszustand unter anderem auch von der optimalen Sauerstoffversorgung seiner Muskeln und deren Dehnbarkeit und Spannung sowie von einer besonders guten Funktion der Lunge und des Herzens ab.
Hier kann die Akupunktur mit Stosswellen positiven Einfluss nehmen, indem sie für eine optimale Lungenfunktion mit möglichst hoher Kapazität sorgt und die Durchblutung und die Dehnbarkeit der am meisten beanspruchten Muskelgruppen fördert und Verspannungen beseitigt. Die Intensität der Druckwellen, die für diese Indikationen angewendet werden, ist aber sehr viel geringer als z.B. bei der Behandlung von Triggerpunkten. Zur Stimulation von Akupunkturpunkten ist es ausreichend 100 Impulse pro Punkt mit einem Ausgangsdruck von 1,2bar zu verwenden. Dies führt bei dem Patienten zu einem intensiven Druckgefühl aber nicht zu Schmerzen. Höhere Dosen würden eine Abwehrreaktion hervorrufen und dem gewünschten stimulierenden Effekt eher entgegenwirken.
Für jeden Sportler und jede Sportart kann ein Programm an Punkten ausgewählt werden, das die individuellen Bedürfnisse des Sportlers berücksichtigt.
Es gibt aber auch einige Kombinationen von Akupunkturpunkten, die sich auch ganz allgemein zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit eignen. Die Druckwellenbehandlung dieser sensiblen Punkte, die uns aus jahrhundertealten Beobachtungen bekannt sind, ist eine wertvolle Ergänzung unseres Repertoires zur Vorbereitung auf sportliche Hochleistungen, aber auch zur Nachbehandlung nach sportlicher Belastung, um eine möglichst rasche Erholung zu erzielen. Die Stimulation von Punkten und Arealen mit Druckwellen wirkt besser als die Akupunktur oder Akupressur auf die Druckrezeptoren in der oberflächennahen Muskulatur ein
In der nächsten Ausgabe der MedicalSportsNetwork wird Ihnen Herr Dr. Everke diese sensiblen Punkte vorstellen und dabei speziell auf die Bereiche Beine, Arme, Rücken und die Verbesserung der Lungenfunktion eingehen. Veranschaulicht wird diese Methode an zwei Behandlungsbeispielen (Rudern und Radfahren).
Dr. med. Heinrich Everke
Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr.Heinrich Everke:
http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/2727
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