|
Ärzte & Sportklinik
>
Prof. Dr. med. Christof Burgsthaler
>
Plötzlicher Herztod im Leistungssport
Plötzlicher Herztod im LeistungssportWer ist gefährdet?Es passiert leider immer wieder und oft ohne Vorwarnung: Jährlich sterben alleine in Deutschland mehrere hundert Athleten am plötzlichen Herztod. Trotz intensiver Bemühungen gelingt es bisher nicht immer ausreichend, entsprechende Risikopersonen im Vorfeld zu erkennen. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes am Universitätsklinikum Tübingen mit den Abteilungen für Sportmedizin (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Andreas Nieß) und für diagnostische Radiologie (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Claus Claussen) wird aktuell untersucht, ob die Kernspintomografie des Herzens eine genauere Risikostratifizierung gefährdeter Athleten erlaubt.
Die Deutsche Stiftung für Herzforschung unterstützt das Projekt, das seit Oktober 2009 in Tübingen angelaufen ist. Die Sportmedizin des Tübinger Universitätsklinikums verfügt über eine ausgewiesene Expertise bei sportmedizinisch-internistischen Untersuchungen von Leistungs- und Freizeitsportlern und führt als lizenziertes Zentrum unter anderem die jährlich vorgeschriebenen sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für Landes- und Bundeskaderathleten durch. Durch eine sportmedizinische Untersuchung lassen sich die meisten krankhaften Veränderungen des Herzkreislaufsystems erkennen. Sportmedizinische Untersuchung Die sportmedizinische Untersuchung umfasst bisher in der Regel neben einem ausführlichen ärztlichen Gespräch (Anamnese), die körperliche Untersuchung, ein Ruhe-EKG und ein Belastungs-EKG (meist mit Laktatbestimmung zur Trainingssteuerung): Eine Sonografie des Herzens (Echokardiografie) wird zwar von vielen Untersuchungszentren empfohlen und meist auch durchgeführt, ist jedoch nach den aktuellen Leitlinien bei ansonsten unauffälligen Befunden zur Beurteilung der Sporttauglichkeit nicht zwingend erforderlich. Allerdings gibt es auch – teilweise angeborene – Veränderungen, die der bisherigen Routine-Diagnostik entgehen: Koronaranomalien – das sind atypische Abgänge oder Verläufe einer Herzkranzarterie – kommen bei ca. 0,46 –1,55 % der Normalbevölkerung vor und sind somit selten. Allerdings bedingen Koronaranomalien jedoch nach einer Untersuchung aus den USA 17 % der plötzlichen Todesfälle bei jüngeren Athleten. Auch die Funktion der rechten Herzhälfte lässt sich mittels Herzultraschall nicht immer sicher beurteilen. Vorteile einer MRT-Untersuchung Die Kernspintomografie kann ohne Verwendung von Röntgenstrahlen nicht nur den Verlauf der Herzkranzgefäße darstellen, sondern auch Narbenbildungen am Herzmuskel nachweisen. Somit lassen sich zwei weitere potenzielle Ursachen des plötzlichen Herztodes bei Sportlern genauer untersuchen. Allerdings ist die Wertigkeit dieser Methode in der Betreuung von Leistungssportlern noch nicht gesichert. Doch neben diesen Aspekten geht es auch darum, nochmals genau zu untersuchen, welche physiologischen Veränderungen durch ein ausgeprägtes körperliches Training man mit der Kernspintomografie des Herzens erkennen kann, da es manchmal gar nicht einfach ist zu entscheiden, ob ein vergrößertes Herz nun Folge einer Anpassung an die körperliche Aktivität ist oder doch durch krankhafte Prozesse verursacht wird. Erste Zwischenauswertung zeigte bereits interessante Befunde Bisher konnten über 60 Athletinnen und Athleten für die Studie als Teilnehmer gewonnen werden. Neben Ironman-Triathleten, Marathonläufern und Radrennfahrern konnte auch eine komplette Handball-Bundesliga-Mannschaft für eine Teilnahme gewonnen werden. Und die bisherigen Ergebnisse sind durchaus interessant: So fand sich bei einem Ironman- Triathleten ein atypischer Verlauf eines Herzkranzgefäßes, ohne dass der Sportler jeweils Symptome hatte. Bei zwei Personen konnte eine Narbenbildung im Bereich des Herzmuskels nachgewiesen werden. Wahrscheinlich haben diese, ohne es zu wissen, in der Vergangenheit eine Herzmuskelentzündung durchgemacht. Ein anderer Triathlet hat kurz vor Durchführung der Untersuchung einen fieberhaften Infekt durchgemacht: in der Kernspintomografie zeigte sich dann ein Herzbeutelerguss, der in der Echokardiografie kurze Zeit später kaum mehr nachweisbar war. Ausdauersportler haben ein „großes Herz“ Der überwiegende Anteil der Teilnehmer betreibt Ausdauersport mit einem Trainingsumfang zwischen 10 und 25- 30 Stunden pro Woche. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die nicht regelmäßig Sport betreibt, zeigte sich im Mittel eine deutliche Vergrößerung der rechten und linken Herzhälfte. Auch die Muskelmasse des Herzens war im Vergleich zu den „Normalpersonen“ deutlich größer. Solche Befunde sind zwar auch aus Untersuchungen mit der Echokardiografie bekannt, aber die Kernspintomografie erlaubt eine wesentlich präzisere Vermessung der Herzdimensionen als die Ultraschalluntersuchung. Basierend auf den Ergebnissen müssen deshalb für Sportler andere „Richtwerte“ in Bezug auf die Herzgröße und Herzmuskelmasse herangezogen werden. Die bisher erhobenen Daten werden hierfür eine wichtige Grundlage bilden. Fazit Mit der Kernspintomografie des Herzens können bei bisher beschwerdefreien und hoch leistungsfähigen Sportlerinnen und Sportlern durchaus relevante Veränderungen diagnostiziert werden, die einer sportmedizinischen Routineuntersuchung entgehen würden. So kann in Einzelfall der atypische Verlauf einer Herzkranzarterie oder eine Narbenbildung am Herzen – z. B. nach einer durchgemachten Herzmuskelentzündung – diagnostiziert werden. Außerdem zeigt sich bei Ausdauersportlern eine physiologische (also nicht krankhafte) Vergrößerung des Herzens. Ob die relativ geringe Anzahl an auffälligen Befunden einen routinemäßigen Einsatz der Methode rechtfertigt, bleibt nicht zuletzt aufgrund der relativ hohen Kosten einer Kernspinotomografie fraglich. christof.burgstahler@med.uni-tuebingen.de |
Ausgabe MSN 4 / 2010Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download Der Autor:Weitere Artikel online lesen |



