Leistungssport - Anorexia athletica
Sportliche Spitzenleistungen hängen von einer Vielzahl von Einflussgrößen ab. Ein qualitativ hochwertiges Training ist sicher der wichtigste Faktor. In zahlreichen Sportarten spielt das Körpergewicht eine bedeutende Rolle. Im Leistungssport wird die Gefahr einer verminderten Nahrungsaufnahme bei hoher Leistungsanforderung besonders deutlich.
Die reduzierte Ernährung führt leicht zu einem Mangel an lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen (Vitamine, Spurenelemente, Mineralien, Aminosäuren u. a.). Dies kann zu einem leistungsbegrenzenden Faktor werden. Manipulationen mit dem Körpergewicht gibt es aus unterschiedlichen Gründen. Eine besondere Rolle spielen dabei die Sportarten in Gewichtsgruppen wie Ringen, Boxen, Gewichtheben, Judo. Hier wird häufig versucht, nach Gewichtsreduktion (Abkochen) in einer niederen Gewichtsklasse zu starten und dadurch Vorteile zu gewinnen.
Bei Ausdauersportarten (z.B. Lauf) bedeutet ein niedriges Körpergewicht – genau genommen ein niedriger Körperfettanteil – indirekt eine Verbesserung der maximalen Ausdauerleistungsfähigkeit. Je geringer das Körpergewicht bei gleicher absoluter maximaler Sauerstoffaufnahme ist, umso weniger Ballast muss mitgeschleppt werden und umso höher
ist folglich die relative maximale Sauerstoffaufnahme pro Kilogramm Körpergewicht. In ästhetischen Sportarten ist ein niedrigeres Körpergewicht für den Bewegungsablauf günstiger (z.B. Turnerinnen, Balletttänzerinnen, Tanzsportler/-innen). Zudem besteht hier die Vorstellung, dass mit einem schlanken Körper eine höhere Bewertung zu erzielen ist.
Die Ernährung des Sportlers muss den Anforderungen von Training und Wettkampf gerecht werden. Zwischen dem Bedarf des Sportlers und der Deckung dieses Bedarfs durch die Nahrung und körpereigene Vorräte sollte im Idealfall ein Gleichgewicht bestehen. Ein zentraler Punkt in der Vorbereitung auf einen Wettkampf ist sicherlich die regelmäßige Kontrolle des Körpergewichts. Viele Sportler befinden sich auf einem schmalen Grad zwischen Wettbewerbsnachteilen (durch zu hohes Gewicht) und Leistungseinbußen (durch
zu geringes Gewicht). Wenn das Optimum des Körpergewichtes unterschritten wird, kann sich die Gewichtsabnahme verselbstständigen und ist vom Sportler nicht mehr zu steuern. Das spielt besonders bei Sportlerinnen eine Rolle.
Besondere Form der Essstörung
Der Begriff Anorexia athletica wurde Anfang der 1980er Jahre geprägt, um deutlich zu machen, dass diese Form der Essstörung ausschließlich sportinduziert ist. Es ist eine bewusste Verringerung des Körpergewichts, um eine bestimmte sportliche Leistung zu erreichen. Selbstbestimmt kann die Ernährung umgestellt und wieder zugenommen werden.
Die Anorexia athletica ist keine psychiatrische Erkrankung. Im Gegensatz zur Anorexia nervosa und zur Bulimie. Es besteht jedoch die Gefahr, dass das Kontrollverhalten bei entsprechender Disposition in pathologische Bereiche entgleitet.
Bei der Magersucht (Anorexia nervosa) handelt es sich um eine Essstörung, die in fast allen Fällen psychische Ursachen hat. Sie ist vornehmlich eine Erkrankung von Mädchen und jungen Frauen, bei denen die Selbsteinschätzung der Körperform zerstört ist und der Gewichtsverlust (BMI < 17,5) zum Inhalt des Denkens und Handelns wird.
Besonders kritisch wird z.Z. das Körpergewicht von Skispringern diskutiert: Je leichter, je weiter? Im Flugsystem von Körper, genormten Sprungski und Anzug stellt das Körpergewicht eine wesentliche Variable dar. Auf der anderen Seite wird über das Körpergewicht Einfluss auf die Skilänge genommen. Zur Vorbeugung von Untergewicht wurde 2004 festgelegt, dass die Springer ein Gewicht/Größenverhältnis (BMI, kg/cm2) von nicht weniger als 18,5 haben dürfen. Danach richtet sichdie Skilänge. Sie beträgt maximal 146 % der Körpergröße. Der BMI von 18,5 liegt z.B. bei einem 180 cm großen und 60 kg schweren Springer vor.
Bei der Gewichtskontrolle nach dem Wettkampfsprung muss mit Sprunganzug und Schuhen ein BMI von 20 erreicht werden. Ab Wettkampfsaison 2010/11 lauten die Werte maximale Skilänge 145 % der Körpergröße und ein BMI von 20,5. Liegt der BMI zu niedrig, wird nach der Tabelle des Weltskiverbandes (FIS) die Skilänge festgesetzt. Ist sie kürzer als die gesprungene, ist der Sprung ungültig – und zwar wegen zu langer Ski und nicht wegen zu geringen Gewichtes.
Nach Angaben der Springer sind Gewichtszunahmen von 2 bis 3 kg mit Leistungseinbußen von 5 bis 6 m Sprungweite verbunden. Gewichtsabnahmen wurden bei der Vierschanzentournee (1 Woche) mit 3 bis 4 kg beim Skifliegen mit 2 kg pro Tag beobachtet. Die Gewichtsabnahme wird auf Flüssigkeitsverluste durch Angst-Diurese und Stressschwitzen zurückgeführt.
Fazit
Regelmäßige Gewichtskontrollen, ausreichende und ausgewogene Nährstoff- und Kalorienzufuhr, Erfassen psychischer Auffälligkeiten und Stabilisierung der Persönlichkeit sind wichtige Grundlagen für hohe sportliche Leistungen.
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