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Ärzte & Sportklinik
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Prof.Dr. Karl-Heinrich Bette
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Heldenverehrung im Zuschauersport
Heldenverehrung im Zuschauersport
Das Alltagsleben der Menschen wird in der modernen Gesellschaft in Der Zuschauersport bietet in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, an der Sichtbarwerdung und -machung einzelner Personen oder Gruppen teilhaben zu können. Das in diesem Zusammenhang wichtige Stichwort heißt Heldenverehrung. Sporthelden sind Inkarnationen der Außeralltäglichkeit. An ihnen, einzelnen markanten Personen, lässt sich vorführen, dass Menschen nach wie vor wichtig sind. Sporthelden sind Akteure, die in dem alles entscheidenden Augenblick den Unterschied ausmachen und so der Annahme von einer Verflüchtigung des Subjekts in der Moderne nachhaltig entgegentreten. In den Helden des Sports verehrt das Publikum demnach etwas, was im eigenen Leben häufig fehlt: Sichtbarkeit, Außeralltäglichkeit, soziale Aufmerksamkeit und Anerkennung sowie individuelle oder kollektive Handlungswirksamkeit. In einer Gesellschaft, in der Menschen durch Organisationen häufig gehandelt werden, ist der Held eine Sozialfigur, die Handlungsspuren auch stellvertretend für all jene hinterlässt, die weniger sichtbar und vielleicht auch weniger bedeutsam im Alltag agieren können oder müssen. Heldenverehrung eröffnet den Zuschauern die Möglichkeit, aus dem Einerlei ihres Alltags, aus den Routinen einer „nivellierten Wohlstandsgesellschaft“ und der damit verbundenen lähmenden Mittelmäßigkeit über Identifikationsprozesse zumindest zeitweise auszubrechen.
Eben weil Sporthelden Personen sind, die durch eigene Anstrengungen in der einen oder anderen Weise Erfolge erreicht haben und dem zuschauenden Publikum damit in einer sehr realen Weise Akte einer erfolgreichen Selbstermächtigung vorführen, werden sie von den Fans verehrt. Sporthelden können für das Publikum zudem eine Reihe
Heldenverehrung im Sport deutet damit mindestens auf drei Referenzpunkte hin: erstens auf die Sportler und Sportlerinnen, die durch ihre außeralltäglichen Leistungen zu Helden bzw. Heldinnen geworden sind, zweitens auf das Sportpublikum, das ihnen einen Heldenstatus durch entsprechende Verehrungs- und Huldigungspraktiken attestiert, und drittens auf die zeitgenössische Gesellschaft, die individuelle Akteure durch Prozesse der Organisationsbildung und Kollektivierung zum Verschwinden bringt und hierdurch strukturell den Boden für die moderne Heldenverehrung erzeugt. Es gibt demnach nicht nur ein „basking in reflected glory“ der Zuschauer in den Leistungen der Athleten, sondern auch eine Widerspiegelung der von den Zuschauern hochgehaltenen und durch Modernisierung verknappten Werte und Bedürfnisse im Heldentum der Athleten.
Hymnische Lobpreisung und Heldenverehrung auf Seiten des Sportpublikums können ansonsten auch schnell ins Gegenteil, nämlich in Verachtung und Hass, umschlagen. Spott, Häme und ein demonstrativer Bewunderungsentzug in Gestalt von Pfiffen, Buhrufen und zugewendeten Rückenpartien sind der Preis, den der Sportheld zu bezahlen hat, wenn er die Erwartungen und Verschmelzungsphantasien des Publikums, insbesondere des harten Fan-Kerns, nicht nur nicht erfüllt, sondern sogar schockartig zerstört. Arrogante, despektierliche Bemerkungen über den sozialen Status der eigenen Zuschauerklientel sind dazu angetan, dass die durch Verehrung bestimmte Beziehung zwischen Sportlern und Fans von letzteren aufgekündigt wird. Eine Thematisierung und abfällige Kommentierung vorhandener Differenzen lassen die Fiktion einer Symmetrie im Verhältnis von Publikum und Sportheld zerplatzen. Ein desillusioniertes Publikum kann einem Helden in der Tat auch den ihm nur geliehenen Status wieder entziehen. Auch im weniger dramatischen Fall schlechter Sportleistungen kann das Publikum die eigene Mannschaft daran erinnern, was es an Engagement und Einsatz erwartet. Wenn die Fans nicht mehr die eigene, sondern vielmehr die gegnerische Mannschaft per Klatschen unterstützen oder das Abfahren der Sportler nach einem schlechten Spiel durch Sitzblockaden verhindern, führen sie demonstrativ vor, dass Heldenverehrung und Loyalität ihren Preis haben. Hinter diesem Verhalten steht eine aus dem Alltagssachverstand ausgeschleuste Austausch- und Gerechtigkeitslogik: Es soll nur derjenige mit Bewunderung, Beifall oder Heldenverehrung bedacht werden, der sich ehrlich bemüht, entsprechende Leistungen erbringt und die Heldenverehrung damit auch verdient. Prof. Dr. Karl-Heinrich Bette Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Karl-Heinrich Bette: http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/3740 |
Ausgabe MSN 4 / 2008Der Autor:Weitere Artikel online lesen |


