Vibrationstraining
Das Vibrationstraining wird immer populärer – entweder als ergänzender Übungsreiz oder als alleiniges Sportgerät. Dabei sind die Trainingsziele häufig so verschieden wie die Personen, welche auf den
diversen Vibrationsplatten stehen. Sei es, die Knochenmineralisierung zu fördern, Maximalkraft aufzubauen, Benefits bei Parkinsonpatienten zu generieren oder
Rückenbeschwerden zu lindern. Aber welches Gerät eignet sich für welche Zielgruppe? Hier muss klar nach Gerätetechnik und Einsatzgebiet differenziert werden, denn Schwingungen sind nicht gleich Schwingungen. Die mechanischen Geräteeigenschaften können anhand von 4 Merkmalen grundlegend unterschieden werden:
Bezug auf neurologische Krankheitsbilder wie Parkinson oder Multiple Sklerose die Schwingungseffekte nicht nur auf das muskuläre System beschränken. Es müssen zudem höhere Regionen im Bereich des Zentral-Nervensystems angeregt werden. Dies wird möglich durch eine ständige Variation der Reize. Gängige Platten arbeiten mit einer harmonischen Schwingung, also mit immer wiederkehrenden, identischen Vibrationen. Bei der stochastischen Resonanz hingegen wird eine Sinusschwingung mit einer sog. „noise“ (Störfrequenz) überlagert, woraus sich zufällige, ständig variierende und nicht vorhersehbare Reize ergeben.
Die Effekte sind unter anderem eine verbesserte Motorik, ein Rückgang von Tremor (Zittern) und Rigor (Muskelstarre) sowie eine allgemeine Steigerung der Lebensqualität des Patienten.
Für den Studiobetrieb eignen sich besonders Platten mit flächiger Schwingung.
Diese zeichnen sich durch ein breites Anwendungsspektrum wie Bein- und Oberkörperübungen, Muskelmassage und Beweglichkeitstraining aus. Einige Anbieter verfügen sogar über eine Chipkartensteuerung, wodurch Trainingspläne mit allen Parametern wie Belastungszeit, Frequenz, Amplitude und Pausendauer gespeichert werden können. Hierdurch kann jeder Kunde ein individuelles Programm durchführen und Bedienungsfehler werden minimiert. Auch hinsichtlich der Abrechnung solcher Zusatzleistungen im Studio sind kartengesteuerte Geräte sinnvoll, da diese ohne eingesteckten Chip nicht starten.
Die genutzten Schwingungsfrequenzen erstrecken sich über ein relativ weites Spektrum, welches von ca. 4?Hertz bis zu 60?Hertz reicht. In Bezug auf die Trainingssicherheit besteht kein wissenschaftlicher Konsens. Häufig wird von körpereigenen Resonanzbereichen gesprochen und davon, wie gefährlich eingeleitete mechanische Schwingungen für den Körper sind. Die von Mester genannten Frequenzbereiche gehen von 8 bis 20 Hertz. Einige Plattenhersteller arbeiten jedoch seit über einem Jahrzehnt innerhalb dieses Frequenzbereiches, ohne dass gravierende Zwischenfälle dokumentiert sind. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass es nicht so ohne weiteres möglich ist, im menschlichen Körper Resonanzkatastrophen zu provozieren. Beispielsweise können unsere Gelenke, Sehnen und Muskeln Schwingungen soweit dämpfen, dass sie keinen Schaden mehr anrichten können. Weiter stammen die meisten Erkenntnisse hinsichtlich schädlicher Vibration aus dem Bereich der Arbeitsmedizin. Hier reden wir jedoch über Expositionszeiten von teilweise mehreren Stunden pro Tag über Monate und Jahre hinweg. Diese Daten sollten jedoch nicht eins zu eins mit den kurzen Trainingseinheiten von einigen Minuten mit Unterbrechungen verglichen werden. Trotzdem gilt es, die Sicherheitshinweise seitens der Hersteller zu beachten und die Übungsposition so wählen, dass ein Aufschwingen (besonders des Kopfes) ausgeschlossen wird.
In Bezug auf die Schwingungsamplitude (vgl. Abb. 1) besteht ebenfalls kein wissenschaftlicher Konsens hinsichtlich der Überlegenheit einer Auslenkungsgröße. Die Spannbreite reicht von 50?µm, entspricht dem Durchmesser zweier menschlicher Haare, bis zu 6 Millimeter. Zahlreiche Studien mit dem Ziel der Knochenfestigung sind publiziert, die Trainingsparameter (Amplitude, Frequenz, Expositionsdauer) variieren jedoch stark. Wird ein breites Einsatzgebiet gewünscht (Muskelkräftigung/Dehnung/Massage), so sind die größeren Amplituden vorzuziehen.
Einen komplett neuen Bereich deckt die Firma enformax Europe GmbH (gym 80) mit dem enforbike ab. Der Fahrradergometer kombiniert das klassische Ausdauertraining mit Vibrationsreizen, welche durch ein entkoppeltes System nur die Beine stimulieren. Somit können störende Schwingungen vom Oberkörper- und Kopfbereich ferngehalten werden. Diese Idee wurde bei der diesjährigen FIBO mit dem Innovation Award 2009 in der Kategorie „Trainingsgeräte für Fitness, Rehabilitation und Prävention“ ausgezeichnet.
Vibrationsgeräte jeglicher Art sind jedoch immer nur ein Teil eines Trainings- oder Therapieprogramms. Man sollte hier nicht an den schnellen und einfachen Erfolg ohne Anstrengung glauben. Dauerhafte Zuwächse in Bezug auf das Muskel- und Herz-Kreislauf-System lassen sich nur mit einem zusätzlichen Kraft- oder Ausdauertraining erzeugen. Trotzdem sind und bleiben die wissenschaftlich belegten Effekte ein wichtiger Baustein in Therapie und Training.
Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Marco Beutler:
http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/4164
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