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Vibrieren für mehr Stabilität

Mechanische Schwingungen gelten in der Regel nicht als Mittel der Wahl, um die Standsicherheit zu erhöhen. Anders beim Vibrationstraining. Hier wird durch in den Körper eingeleitete Schwingungen Muskulatur zur Kontraktion gebracht. Dies geschieht durch eine schnelle Dehnung der Fasern, wodurch ein Spannungs­sensor, die Muskelspindel, einen Reflex auf Rückenmarksebene provoziert, welcher von der auf Länge gebrachten Muskulatur mit einer Anspannung beantwortet wird.

Vibrationen können in diesem Zusammenhang sogar zwei Faktoren positiv beeinflussen. Durch ein geeignetes Trainingsprotokoll können die muskuläre Kraft gesteigert und koordinative Fähigkeiten positiv beeinflusst werden. Beides steigert die Trittsicherheit und mindert die Wahrscheinlichkeit von Stürzen. Einige Studien verzeichnen zudem eine Er­höhung der Knochenfestigkeit, was gerade für Menschen mit Osteoporose von Bedeutung sein kann.

Bei älteren Menschen ist gerade die Prävention ein entscheidender Faktor. Im Alter nimmt die Knochenfestigkeit aufgrund natürlicher Abbauprozesse mehr oder weniger kontinuierlich ab. Ab einem gewissen Alter ist es jedoch egal, ob die betreffende Person unter Osteoporose leidet oder nicht, bei einem ungünstigen Sturzverlauf ist eine ­
Fraktur unausweichlich.

In der Erlanger-Längsschnitt-VIbrations-Studie, kurz ELVIS, am Osteoporoseforschungszentrum des Instituts für Medizinische Physik der Universität Erlangen-Nürnberg konnte gezeigt werden, dass ein vibrationsgestütztes Training günstige Effekte hinsichtlich einer Sturzprophylaxe bewirkt. Unter Leitung von Dr. Simon von Stengel nahmen insgesamt 151 postmenopausale Frauen mit einem Mindestalter von 65 Jahren an der 18-monatigen Untersuchung teil. Gruppiert in 3 Kollektive wurden unterschiedliche Trainingsprotokolle durch­geführt. Die Wellness-Gruppe (WG) durchlief hierbei die sanfteste Stimulation mit einem 60-minütigen Gymnastik- und Entspannungsprogramm (insgesamt 4?x?10 Trainingseinheiten innerhalb des Studienzeitraums). Die Krafttrainingsgruppe (KT) und die Vibrationsgruppe (VT) durchliefen jeweils zweimal pro Woche eine 20-­minütige Aerobic-Einheit, gefolgt von 25 Minuten Funktionsgymnastik und einem 15-minütigen Beinkrafttraining (ohne bzw. mit Vibrationsstimulus). Zum Ende der Studie wurden die Parameter Knochenmineralisierung (DXA-Messung), isometrische Maximalkraft gemessen und mit den zu Studienbeginn erhobenen Daten verglichen. Sturzereignisse während dem Studienzeitraum wurden über Sturztagebücher erfasst.
In Bezug auf die Sturzhäufigkeit schnitt die Vibrationsgruppe innerhalb des Interventionszeitraums am Besten ab.

Im Vergleich der isometrischen Maximalkraft zeigten sich hochsignifikante (Beinkraft u. Bauchkraft) bzw. signifikante (Rückenkraft) Unterschiede zwischen den Gruppen, wobei hier die Vibrationsgruppe jeweils die besten Werte zeigte.
Hinsichtlich des Zuwachses an ­Knochendichte landete die Vibrationsgruppe auf Platz 2 hinter dem klassischen Krafttraining ohne Schwingungen. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass die dargestellten Ergebnisse mittels DXA-Messung, ermittelt wurden. Die Daten der ­Computertomographie (QCT), mit der Veränderungen im Bereich der Knochenbälkchen erfasst werden können, stehen noch aus (mittels DXA-Messung). Der Abstand zwischen den beiden Gruppen ist jedoch als gering einzuschätzen.
Das Vibrationstraining steht noch am am Anfang und die von Dr. von Stengel durchgeführte Studie ist ein wichtiger Baustein zur Optimierung von trainingswissenschaftlichen Maßnahmen in Hinblick auf die Prävention von Stürzen im Allgemeinen und der Therapie von ­Osteoporosepatienten im Speziellen. Weitere Studien sind von Nöten,
um präzise Daten hinsichtlich der ­Trainingssteuerung (Vibrationsfrequenz/Amplitude/Expositionsdauer) zu generieren. Die Wissenschaft bleibt hier hoffentlich am Ball.
Marco Beutler

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http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/4164

Ausgabe MSN 4 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 4 / 2008.

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